FAZ plus ArtikelÄnderungen im Dax

Ein kleiner Schritt für die Deutsche Börse

EIN KOMMENTAR Von Inken Schönauer
04.09.2021
, 08:57
Der Dax an der Frankfurter Börse.
Der Dax steht vor seiner Modernisierung. Viel ändern wird sich nicht. Die Chance, mit mehr Nachhaltigkeit zu punkten, hat die Deutsche vorüberziehen lassen.
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Was für ein bemerkenswerter Zufall, dass diese beiden Ereignisse in einer Woche zusammenfallen: Der Dax steht vor der größten Reform seit seiner Gründung, und mit der Verhaftung des mutmaßlichen Strippenziehers Henry O’Sullivan kommt in den Wirecard-Skandal neue Bewegung. Die Dax-Erweiterung und Wirecard, diese beiden Themen gehören untrennbar zusammen. Offensichtlich hatte es erst einen der größten Betrugsfälle der Bundesrepublik Deutschland ge­braucht, um die Deutsche Börse da­rüber nachdenken zu lassen, den Leitindex nach mehr als 30 Jahren zu modernisieren. Mit der Entscheidung, dass Unternehmen mindestens zwei Jahre lang profitabel gewesen sein müssen, um in den Dax aufgenommen zu werden, sollen zukünftige Luftnummern verhindert werden. Was dabei gern vergessen wird: Den Wirecard-Betrug hätte diese Regel nicht verhindert. Der Zahlungsdienstleister betrieb auf dem Papier ein hochprofitables Geschäft.

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Die Aufstockung von 30 auf 40 Un­ternehmen trägt der Tatsache Rechnung, dass der Dax zu wenig Auswahl bietet. Von Unternehmen wie Delivery Hero einmal abgesehen, fin­den sich kaum Unternehmen, de­nen man den Stempel „junge Wachstumsunternehmen“ aufdrücken würde. Natürlich wachsen VW, BMW, SAP oder auch die Deutsche Telekom. Sie repräsentieren aber einen Schlag von Unternehmen, die wenig mit Geschäftsmodellen à la Google oder Amazon gemein haben. So kann man auch den renovierten Dax ein bisschen langweilig finden, zumal mit den zehn „Neuen“ nicht plötzlich die versammelte Tech-Intelligenz der Zukunft Einzug hält. Das Problem ist aber gar nicht die vermeintliche Langeweile, sie kann für Anleger schließlich durchaus einen steten Renditestrom verheißen. Das Problem ist, dass in Deutschland ein Klima ge­schaffen werden muss, in dem junge, wachstumsstarke, zukunftsweisende Unternehmen ein Biotop vorfinden, in dem sie wachsen und gedeihen können – und sich möglichst viele In­vestoren um sie reißen, damit sie die Besten ihrer Klasse werden.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Schönauer, Inken
Inken Schönauer
Redakteurin in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.
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