Deliveroo-Börsengang

Kühlen Kopf bewahren!

EIN KOMMENTAR Von Bastian Benrath
31.03.2021
, 10:24
Fast in keiner anderen Branche werden zur Zeit solche Wachstumsstorys erzählt wie bei Essenslieferdiensten. Der misslungene Börsengang von Deliveroo zeigt: Enttäuschungen sind dabei nicht weit.

Dem Essensliefergeschäft eilen große Erwartungen voraus. Ein guter Teil davon ist berechtigt, denn für viele Menschen in Großstädten auf der ganzen Welt gehört es inzwischen zum Alltag, das Mittag- oder Abendessen von Lieferando, Foodora, Wolt, Meituan oder Uber zu bestellen. Da der Mehrwert an Bequemlichkeit bleibt, wird sich das auch nach der Pandemie nicht ändern.

Gleichwohl dürfte aber ein Teil der Euphorie am Markt wegfallen. Dann wird voraussichtlich wieder mehr über die mangelnde Profitabilität der Branche gesprochen werden. Der misslungene Börsengang von Deliveroo zeigt genau das: Die Aktie des britischen Essenslieferdienstes ist am Mittwoch bei ihrem Debüt auf dem Londoner Parkett um 30 Prozent eingebrochen – nachdem das Unternehmen zuvor den größten Börsengang in London seit einem Jahrzehnt gestemmt hatte.

Als Grund für den Abverkauf wurden am Markt Zweifel über die Profitabilität von Deliveroo genannt und die Frage gestellt, ob der Lieferdienst jemals seine hohe Bewertung werde rechtfertigen können. Das zeigt: Bei der Diskussion über die Lieferdienste werden am Ende nicht die vorne liegen, die die beste Börsenstory erzählen, sondern die, deren Technologie ihnen einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz verschafft.

Es ist keine triviale Herausforderung, Lieferkuriere so zu koordinieren, dass sie in Großstädten die effizientesten Routen fahren. Diese Aufgabe übernehmen Algorithmen – und wenn die Pandemie vorüber und das laute Trommeln um Übernahmen und Börsengänge verklungen ist, wird sich zeigen, welcher der großen Lieferkonzerne tatsächlich die besten Algorithmen hat. Bis dahin sollten Anleger einen kühlen Kopf bewahren.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Benrath, Bastian
Bastian Benrath
Redakteur in der Wirtschaft.
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