Erstmals seit langem

Der Benzinpreis fällt

Von Christian Siedenbiedel
01.12.2021
, 17:32
Benzinpreis
Neue Sorgen um Corona zeigen Auswirkungen auf die Rohstoffpreise: Mit dem Ölpreis sinkt erstmals seit langem auch der Benzinpreis wieder. Ob das so bleibt, weiß kein Mensch. Falls ja, könnte das aber sogar die Inflationsrate im Dezember sinken lassen.
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An Deutschlands Tankstellen fallen erstmals seit langem wieder die Benzinpreise. Seit dem 14. November, also vor gut zwei Wochen, ist der Preis für Super E10 im Schnitt von 1,706 auf 1,642 Euro je Liter gesunken, also um mehr als sechs Cent. Auch der Dieselpreis hat nachgegeben, wenn auch nicht ganz so stark, von 1,577 auf 1,543 Euro je Liter, also um gut drei Cent.

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Immerhin ein leichter Rückgang bei den Kraftstoffpreisen lasse sich zuletzt erkennen, schreibt der Automobilclub ADAC in seiner wöchentlichen Auswertung der Benzinpreise von 14.000 Tankstellen. Der November insgesamt aber habe im Schnitt noch neue Jahreshöchststände gebracht. Steffen Bock vom Internetportal Clever Tanken spricht von der ersten spürbaren Entlastung für Autofahrer an den Zapfsäulen in diesem Jahr.

Eine Ursache für den jüngsten Rückgang dürfte der Ölpreisverfall sein. Der Preis für Rohöl war am vergangenen Freitag um mehr als 11 Prozent gefallen, zum Wochenbeginn hatte es weitere Rückgänge gegeben, am Mittwoch eine leichte Gegenbewegung. Rohöl kostet jetzt noch gut 71 Dollar je Fass, während es vor kurzem mehr als 80 Dollar waren.

Auch Heizöl wurde wieder günstiger. Der Preis für 100 Liter bei der Abnahme von 3000 Litern fiel seit dem 18. Oktober von 90,36 Euro auf jetzt 79,43 Euro, wie das Internetportal Heizoel24 berichtet, an das 500 Händler ihre Preise melden. Heizöl und Benzin sind damit aber immer noch teurer als vor der Corona-Krise.

Zu den Gründen für den Ölpreisrückgang gehören die neuen Sorgen um den Fortgang der Corona-Pandemie – aber auch, dass die Vereinigten Staaten einen Teil ihrer nationalen Reserven auf den Markt werfen, um den Engpässen und der Preisentwicklung entgegenzuwirken.

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Ob der Ölpreis jetzt so niedrig bleibt, ist natürlich nicht sicher. Die Ölstaaten OPEC plus haben am Mittwoch Beratungen aufgenommen, ob sie ihre monatliche Erhöhung der Ölförderung um 400 000 Fass je Tag für den Januar aussetzen. Am Donnerstag soll eine Entscheidung fallen. Carsten Fritsch, Ölfachmann der Commerzbank, meint, für die weitere Preisentwicklung sei unter anderem wichtig, was die Ölstaaten beschließen.

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Wenn der Preisverfall bei Öl und Benzin sich nicht wieder umkehrt, könnte das auch die zuletzt hohen Inflationsraten etwas dämpfen. Die Inflationsrate in Deutschland könnte dann im November mit 6 Prozent nach der europäischen Rechenweise ihren Höhepunkt in der aktuellen Inflationswelle erreicht haben – auch wenn die Prognosen für die weitere Entwicklung sehr umstritten sind.

„Große gegenläufige Entwicklungen sehe ich nicht“, sagte Holger Schmieding, der Chefvolkswirt des Hamburger Bankhauses Berenberg: „November war vermutlich der Höhepunkt der deutschen und der Euro-Inflation.“ Benzin und Heizöl dürften im Dezember „etwas weniger überteuert“ sein als im November, meint der Ökonom.

Aus technischen Gründen, die mit dem Gewicht von Pauschalreisen in der europäischen Berechnung der Inflation nach dem Harmonisierten Verbraucherpreis-Index HVPI zusammenhingen, dürfte der Rückgang in der europäisch harmonisierten Rate im Dezember deutlicher ausfallen als in der national gemessenen Rate der deutschen Verbraucherpreisinflation.

Quelle: F.A.Z.
Christian Siedenbiedel - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Christian Siedenbiedel
Redakteur in der Wirtschaft.
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