Bewertungen von Fintechs

Der Preis der Zukunft

EIN KOMMENTAR Von Franz Nestler
16.07.2021
, 13:06
Auch N26 könnte bald deutlich höher bewertet sein.
Junge Fintechs werden mit Milliarden gehandelt, obwohl sie große Verluste einfahren. Ist das gerechtfertigt?
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Die Corona-Pandemie hat einen wahren Digitalisierungsschub ausgelöst. Es ist nicht nur die Oma, die auf einmal Videotelefonie beherrscht. Es wird deutlich mehr mit Karte gezahlt, es wird mehr online bestellt. Davon profitieren insbesondere die Fintechs – junge Unternehmen, die sich auf die Finanzbranche spezialisiert haben. Von daher ist es nur folgerichtig, dass sie höher bewertet werden als vor der Krise – ihr Potential ist offensichtlicher geworden.

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Aber die Angst vor Übertreibungen kommt auch nicht von ungefähr: Wie gerechtfertigt ist es, dass die britische Neobank Revolut zum Beispiel mit 28 Milliarden Euro bewertet wird bei einem Ertrag von lediglich 260 Millionen Euro sowie einem Verlust von knapp 200 Millionen Euro? Auch N26 wird sich bald deutlich erhöhenDazu muss man wissen: Die Bewertung eines Unternehmens gibt nicht nur den aktuellen Wert an, sondern auch den erhofften in der Zukunft. Aber wie bepreist man dann die Zukunft? Tatsächlich steigen auch bei Revolut die Erträge stark an, und gerade in der ersten Phase von Unternehmen sind Verluste eingepreist.

Das ist auch kein Phänomen von nicht börsennotierten Fintechs, auch Tesla ist an der Börse höher bewertet, als es die reinen Kennziffern vermuten lassen müssten. Das ist der Preis der Zukunft: Unsicherheit, weil man eben nicht weiß, wie sie ausschaut. Ob die Bewertung gerechtfertigt ist, wird erst die Zeit zeigen. Vielleicht erleben wir gerade die Geburt mehrerer Global Player. Vielleicht wächst da aber auch gerade eine riesige Blase heran.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Nestler, Franz
Franz Nestler
Redakteur in der Wirtschaft.
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