Gefährliche Nebenwirkungen

Deutsche-Bank-Chef: Geldpolitik muss bei Inflation gegensteuern

15.11.2021
, 13:14
Deutsche-Bank-Chef Sewing spricht am Montag auf der Euro Finance Week.
Sewing warnt vor den Folgen der ultralockeren Geldpolitik. Er kritisiert auch die geringe Planungssicherheit des EU-Bankenpakets.
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Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing hat die Geldpolitik wegen der rasant in die Höhe geschossenen Inflation zum Handeln aufgefordert. Die Notenbanken gingen davon aus, dass es sich bei dem aktuellen Anstieg der Teuerung um einen temporären Effekt handele, sagte Sewing am Montag auf der Euro Finance Week in Frankfurt. „Diese Meinung teilen unsere Ökonomen nicht.“ Kunden der Deutschen Bank richteten sich darauf ein, dass die hohen Raten länger anhalten werden. Marktteilnehmer fingen an, Preissteigerungen zu antizipieren. „Ich denke, dass die Geldpolitik hier gegensteuern muss – und das eher früher als später“, sagte Sewing.

Die Folgen der ultralockeren Geldpolitik werden sich aus Sicht des Deutsche-Bank-Chefs immer schwerer heilen lassen, je länger die Zentralbanken nicht gegensteuern. „Das vermeintliche Allheilmittel der vergangenen Jahre – niedrige Zinsen bei scheinbar stabilen Preisen – hat seine Wirkung verloren, jetzt kämpfen wir mit den Nebenwirkungen“, sagte Sewing.

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Die Inflation im Euro-Raum war im Oktober so stark geklettert wie seit über 13 Jahren nicht mehr. Angetrieben von einem kräftigen Kostenanstieg bei Energie erhöhten sich die Verbraucherpreise binnen Jahresfrist um 4,1 Prozent. In Deutschland war die Jahresteuerung im Oktober um 4,5 Prozent gestiegen. Bislang rechnet die Europäische Zentralbank (EZB) allerdings damit, dass aus dem aktuellen Inflationsschub im Euro-Raum kein dauerhaftes Problem wird. Die EZB strebt mittelfristig 2 Prozent Inflation als Idealwert an.

Zum Gesetzesvorschlag der EU-Kommission zur Umsetzung der globalen Bankenreform in Europa sagte Sewing, darin gebe es einiges Positives. Der Entwurf berücksichtige die Besonderheiten des europäischen Bankenmarktes - etwa den hohen Anteil wenig riskanter Hypotheken in den Kreditportfolios oder die Bedeutung kleiner und mittelgroßer Unternehmen. Auch würden die längeren Übergangsfristen helfen. „Andererseits sind viele der Ausnahmeregelungen vorläufig, und es gibt keine Rechts- und Planungssicherheit“, kritisierte Sewing, der auch Präsident des Bundesverbands deutscher Banken (BdB) ist. Unter dem Strich seien die zusätzlichen Kapitalanforderungen signifikant.

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Aufseher weisen Kritik der Banken zurück

Die EU will die verschärften Kapitalvorschriften für Banken im Rahmen des „Basel III“ genannten Reformpakets erst ab 2025 umsetzen. Kernstück ist eine Begrenzung der Nutzung interner Modelle, mit denen vor allem Großbanken berechnen, wie viel Eigenkapital sie für Geschäfte zur Seite legen müssen. Den Banken wird über eine gestaffelte Übergangsfrist bis Ende 2032 Zeit gegeben, die neuen Basel-III-Vorgaben umzusetzen. Der BdB kritisiert, die EU-Kommission spiele mit ihrem Vorschlag auf Zeit. Denn Erleichterungen seien befristet. Wichtige Fragen würden nicht gelöst, sondern nur aufgeschoben.

Aufseher halten die Kritik für unberechtigt. So geben aus Sicht der Bundesbank die befristeten Erleichterungen Geldhäusern ausreichend Zeit, sich auf die neuen Regeln einzustellen, wie Bundesbank-Vorstand Joachim Wuermeling der Nachrichtenagentur Reuters auf Anfrage mitteilte. „Die Basel-III-Umsetzung ist für den deutschen Bankenmarkt verkraftbar“, so sein Fazit. Wuermeling ist im Bundesbank-Vorstand für die Bankenaufsicht zuständig.

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Quelle: Reuters
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