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„Erhöhte Risikovorsorge“

Bundesbank erstmals seit 1979 ohne Gewinn

Von Christian Siedenbiedel
03.03.2021
, 11:01
Bundesbankpräsident Jens Weidmann. Bild: Reuters
Zum ersten Mal seit 42 Jahren weist die Deutsche Bundesbank keinen Gewinn aus. Das hat mit Risiken durch die Corona-Krise zu tun.
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Die Deutsche Bundesbank schüttet zum ersten Mal seit 1979 keinen Gewinn aus. Das hat Bundesbank-Präsident Jens Weidmann am Mittwoch auf der Jahrespressekonferenz der Notenbank berichtet. Die geldpolitischen Krisenmaßnahmen in der Corona-Pandemie hätten sich deutlich in der Bilanz der Bundesbank niedergeschlagen, berichtet die Institution. Angesichts der damit einhergehenden Risiken stocke die Bundesbank ihre Wagnisrückstellung auf. „Die erhöhte Risikovorsorge ist der Hauptgrund, weshalb die Bundesbank für 2020 ein ausgeglichenes Jahresergebnis ausweist und zum ersten Mal seit 1979 keinen Gewinn ausschüttet“, sagte Weidmann bei der Vorstellung des Jahresabschlusses. Im Vorjahr hatte die Gewinnausschüttung 5,9 Milliarden Euro betragen.

Die Wagnisrückstellung wurde um 2,4 Milliarden Euro auf 18,8 Milliarden Euro aufgestockt, weil die modellgestützte Bewertung der Risiken einen erheblichen Anstieg anzeigte. Insbesondere die Zinsänderungsrisiken und die Ausfallrisiken im geldpolitischen Portfolio nahmen zu. „Damit wird der Anstieg der Risiken im vergangenen Jahr aber nur zu einem Teil abgedeckt“, erläuterte der Bundesbankpräsident. „Für das laufende Jahr erwarten wir daher eine weitere Aufstockung der Wagnisrückstellung, zumal mit einer grundlegenden Änderung der Risikolage nicht zu rechnen ist“, ergänzte Weidmann.

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Bilanzsumme erheblich ausgeweitet

Neben der Risikovorsorge wurde das Jahresergebnis 2020 vor allem durch gestiegene Zinsaufwendungen und zurückgegangene Zinserträge beeinflusst. Die Bundesbank musste mehr Zinsaufwendungen leisten, weil sich die Kreditinstitute im Zuge der Notfallmaßnahmen günstiger bei ihr refinanzieren konnten und diese Refinanzierung stärker in Anspruch nahmen. Gleichzeitig sanken die Zinserträge, weil die Erträge aus den geldpolitischen Wertpapierbeständen und den Devisen zurückgingen und die höheren Erträge aus der Negativverzinsung der Einlagen diesen Rückgang nicht ausglichen.

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Als Ausdruck der geldpolitischen Stützungsmaßnahmen und der allgemeinen Unsicherheit in der Corona-Pandemie weitete sich der Bundesbank zufolge die Bilanzsumme im vergangenen Jahr um 42 Prozent aus. „Nicht nur die Wachstumsgeschwindigkeit ist rekordverdächtig, auch liegt die Bilanzsumme mit 2,53 Billionen Euro deutlich über dem bisherigen Höchststand des Jahres 2018 von 1,84 Billionen Euro“, sagte Johannes Beermann, Mitglied im Vorstand der Deutschen Bundesbank und zuständig für Rechnungswesen und Controlling.

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Auf der Aktivseite trugen besonders die längerfristigen Refinanzierungsgeschäfte und das Notfallankaufprogramm PEPP zum Anstieg der Bilanzsumme bei. Hinzu kamen die Liquiditätszuflüsse aus dem europäischen Ausland, wodurch die Forderung der Bundesbank aus dem Target-2-System gegenüber der Europäischen Zentralbank erstmals die Marke von einer Billion Euro überschritt und zum Jahresende bei 1,14 Billionen Euro lag. Auf der Passivseite der Bilanz kam es im vergangenen Jahr durch die inländische Liquiditätsbereitstellung über die Refinanzierungsgeschäfte und Wertpapierankäufe sowie durch Liquiditätszuflüsse aus dem Ausland zu einem deutlichen Anstieg der Einlagen.

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Konjunktur und Inflationsausblick

Die Bundesbank rechnet aufgrund der zweiten Infektionswelle und der Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie mit einem Rückschlag der gesamtwirtschaftlichen Aktivität in Deutschland im laufenden Quartal. Er dürfte jedoch erheblich schwächer ausfallen als der Wirtschaftseinbruch in der ersten Jahreshälfte 2020, so die Bundesbank. Sobald angeordnete und freiwillige Schutzmaßnahmen Stück um Stück gelockert würden, könne die deutsche Wirtschaft ihre Erholung wiederaufnehmen. Bundesbankpräsident Weidmann hob hervor, wie wichtig der weitere Verlauf der Pandemie für die Wirtschaftsaussichten sei: „Effektive Impfstoffe sind rascher entwickelt worden als vielfach erwartet wurde. Wenn es mit ihrer Hilfe gelingt, die Pandemie in den Griff zu bekommen, wird sich die deutsche Wirtschaft dauerhaft erholen.“

Allerdings, so Weidmann, bleibe der Ausblick in hohem Maße unsicher. Ein sehr starker Nachfrageschub, der die Kapazitäten in der deutschen Wirtschaft in diesem Jahr über das Normalmaß hinaus auslasten würde, erscheine gegenwärtig unwahrscheinlich. Sonderfaktoren dürften dazu führen, dass die Inflationsrate in Deutschland gemäß HVPI – aus heutiger Sicht – zum Jahresende hin auf mehr als 3 Prozent steigen werde, allerdings nur vorübergehend. „Deshalb rechnen unsere Fachleute für den Jahresdurchschnitt 2021 derzeit mit einer Rate, die nur etwas über ihrer Dezember-Prognose von 1,8 Prozent liegt“, sagte Weidmann.

Den Klimaschutz bezeichnete der Bundesbankpräsident als eine der dringlichsten Aufgaben unserer Zeit, die keinen Aufschub dulde. Dabei sollte darauf geachtet werden, die Verantwortlichkeiten zwischen den Notenbanken und der Politik nicht zu verwischen. Aus Weidmanns Sicht sollte für die Notenbanken im Vordergrund stehen, die Auswirkungen von Klimawandel und Klimapolitik umfassend zu verstehen, finanzielle Risiken zu berücksichtigen und Transparenz darüber zu fördern.

Quelle: F.A.Z.
Christian Siedenbiedel
Redakteur in der Wirtschaft.
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