Ertragsschwäche

Banken drohen im Filialgeschäft Verluste

Von Markus Frühauf
18.11.2020
, 08:11
Die deutschen Banken und Sparkassen müssen ihr Filialnetz weiter ausdünnen. Denn der Druck im Privatkundengeschäft nimmt deutlich zu. Gegenmaßnahmen sind nötig.

Die deutschen Banken und Sparkassen dünnen seit Jahren ihr Filialnetz aus. Der Druck steigt, denn immer mehr Kunden nutzen digitale Kanäle für ihre täglichen Bankgeschäfte, so dass viele Zweigstellen inzwischen fast schon verwaist sind. Im Jahr 2019 haben die deutschen Kreditinstitute nach Zahlen der Bundesbank 1220 Filialen geschlossen, im Jahr 2018 waren es sogar 2239. Ende 2019 gab es noch 26667 Bankfilialen in Deutschland. Doch in der Corona-Krise waren viele Kunden, die ihren Filialen bis dahin noch treu geblieben sind, gezwungen, auf das Online-Banking auszuweichen. Und das senkt ihre Neigung zu einem Filialbesuch.

Deutsche Bank und Commerzbank haben schon weitere Schließungen angekündigt. Neben der Digitalisierung zwingen die Niedrigzinsen zum Handeln, weil sie auf die Ertragslage im Privatkundengeschäft drücken, wie eine aktuelle Studie der Beratungsgesellschaft Zeb zeigt. Das Ertragspotential in diesem Bereich ist im vergangenen Jahr um 2 Prozent auf 49,3 Milliarden Euro gesunken. Im laufenden Jahr wird es nach Prognose der Zeb-Berater auf 47 Milliarden Euro schmelzen. Das wären dann 16 Prozent weniger als im Jahr 2010.

Konnten die Baken und Sparkassen 2019 zumindest noch eine „schwarze Null“ im Privatkundengeschäft erzielen, erwarten die Zeb-Partner Ulrich Hoyer und Marc Buermeyer einen Verlust von 3 Milliarden Euro in diesem Jahr. Ohne Gegenmaßnahmen, zu denen insbesondere Kosteneinsparungen über Filialschließungen und Mitarbeiterabbau zählen, rechnen sie in den kommenden fünf Jahren mit einem Verlust von 5 bis 7 Milliarden Euro.

Es gibt auch Lichtblicke

Wenn die Banken in diesem Geschäftsfeld eine Eigenkapitalrendite von 6 Prozent anstreben, sind nach Angaben von Hoyer bis zum Jahr 2024 Kosteneinsparungen von rund 22 Prozent nötig. Für eine „schwarze Null“ wären 14 Prozent erforderlich. Doch die Zeb-Berater erkennen auch Lichtblicke, die neben Kosteneinsparungen Ertragschancen bieten. Ganz vorne stehen bei ihnen Bankgeschäfte über das Smartphone. Das sogenannte Mobile Banking wird sich ihrer Ansicht nach zum primären Kundenkontaktpunkt entwickeln.

Dabei müssen die Banken auf einfache und bequeme Anwendungsmöglichkeiten mit Mehrwertangeboten achten, wenn sie Ertragspotentiale heben wollen. Begrenzt sei der Spielraum zur Anhebung der Kontogebühren. Jedoch könnten die Banken Anreize zur Nutzung höherpreisiger und -wertiger Pakete, sogenannter Premium-Pakete, bieten. Auch das Thema Nachhaltigkeit eröffne Ertragschancen im Privatkundengeschäft.

Die erhöhte Affinität der Bevölkerung für Nachhaltigkeit schlage sich nicht nur im Alltag, sondern auch bei den Finanzen nieder und führe sowohl zu einer verstärkten Nachfrage nach nachhaltigen Produkten und Dienstleistungen als auch zu einer erhöhten Zahlungsbereitschaft hierfür. Mittelfristig erwarten Hoyer und Buermeyer hier zusätzliche Ertragsmöglichkeiten im Privatkundengeschäft von rund 1,6 Milliarden Euro. „Banken müssen den Marktdruck konsequent bewältigen und die Transformation in digitale und nachhaltige Geschäftsmodelle beschleunigen“, lautet ihre Empfehlung.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Frühauf, Markus
Markus Frühauf
Redakteur in der Wirtschaft.
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