Agrarprodukte

Mais könnte sich 2006 erholen

22.11.2005
, 18:39
Mais könnte wieder teurer werden
Mais ist auf Talfahrt. Seit seinem 5-Jahreshoch im Februar 2004 hat der Warenpreis fast 42 Prozent verloren. Doch es gibt Aussicht auf Besserung.

Mais ist auf Talfahrt. Nachdem die Futures im Juni 1996 bei 516,25 Cents je Scheffel ein 15-Jahres-Hoch markierten, erlebte das gelbe Getreide immer wieder zyklische Zwischenhochs. 2004 reichte es noch für 330,5 Cents, 2005 blieb es bei 260 Cent im Juli.

Seitdem ist der Maispreis wieder gerutscht und notierte am vergangenen Donnerstag bei 191,25 Cents so tief wie seit vier Jahren nicht mehr. Und es sieht nicht gut aus für die Preise. Denn die prognostizierten Ernteerträge sind in den vergangenen Monaten gestiegen.

Produktion wächst

Zwar liegen die Prognosen für die amerikanische Ernte aufgrund der Dürre im Maisgürtel für das Jahr 2005/2006 um sieben Prozent unter der des Vorjahres. Doch die Angebots-Nachfrage-Relation hat sich zuungunsten der Produzenten verschoben. Das Verhältnis von Restlagerbeständen zur Nachfrage ist auf 21 Prozent und damit mit 2,32 Milliarden Scheffel auf den höchsten Stand seit 13 Jahren gestiegen.

Bild: Bloomberg

Noch vor zwei Jahren lagen die Restbestände bei unter einer Milliarde Scheffel. Im jüngsten Bericht des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums wurden die Ernte-Schätzungen weiter nach oben revidiert und weisen mittlerweile eine 2005/2006-er Produktion von über elf Milliarden Scheffel aus, nach 10,64 im September und 10,86 im Oktober.

Da hilft auch eine Senkung der Vormonatsprognose für die brasilianische Ernte um drei Prozent auf 42,5 Millionen Tonnen wenig. Denn zum einen sind dies nur rund 15 Prozent der amerikanischen Ernte. Zum anderen ergibt sich damit immer noch ein Anstieg der Ernte gegenüber dem Vorjahr um 21 Prozent, da es 2004 eine starke Dürre gab.

Darüber hinaus wird damit gerechnet, daß die Anbaufläche bei Mais eher steigt, falls der brasilianische Real sich weiter stark zeigt. Denn in Brasilien ist Mais hautsächlich ein Binnenprodukt. Auch Ungarn erwartet eine Rekordernte. Fraglich ist sogar, ob der Lagerraum ausreichen wird. Indes macht die ungarische Ernte weniger als ein Viertel der brasilianischen aus. Anderswo, wie in Rumänien wird dagegen mit deutlichen Einbrüchen gerechnet. Doch auch diese Mengen sind eher bescheiden.

Erfolge der Gentechnik

Für die Bären ist die Entwicklung auf dem Maismarkt eindeutig ein Resultat der Fortschritte in der Gentechnik. 35 bis 40 Prozent des angebauten Mais' in den Vereinigten Staaten ist bereits gentechnisch modifiziert. Dadurch haben Dürrejahre nicht mehr die starken Auswirkungen, wie noch vor zehn Jahren. Außerdem, so lauten Gerüchte, werde die Vogelgrippe die Nachfrage nach Futtermais für Geflügel drücken. Derzeit trennen den Preis nur noch acht Cents von einem Fünf-Jahres-Tief. Weitere zehn Cents darunter liegt das 15-Jahres-Tief.

Doch die Maisbullen schöpfen Hoffnung. Und die stammt aus den Selbstheilungskräften des Marktes. Denn angesichts des fallenden Preises rechnet Dale Gustafson, Marktanalyst der Citigroup mit einer Verringerung der Anbaufläche um 3,2 Prozent. Dabei stützt er sich auf die geringere Düngernachfrage nach der jüngsten Ernte. Bill Gary, Präsident des Rohstoffhändlers Commodity Information Systems, teilt die Einschätzung. Er setzt bereits jetzt auf die Terminkontrakte für den Dezember 2006.

Preisexplosion bei Dünger und Treibstoffen

Nicht nur niedrige Absatzpreise setzen die amerikanischen Farmer unter Druck. In den vergangenen Monaten stiegen nicht nur die Treibstoffpreise deutlich, sondern auch die für Düngemittel um rund 25 Prozent. Die Farmer klagen: „Der Druck auf die Rentabilität von Mais ist so schlimm wie seit Mitte der achtziger Jahre nicht mehr“, sagte Tom Streibling, Farmer in Illinois der Nachrichtenagentur Bloomberg. Er will weniger Mais als Soja im kommenden Jahr anbauen. Folgen mehr Farmer diesem Beispiel dürfte im kommenden Jahr Soja schlechter laufen. Diese Reaktionen scheinen das Ende eines Zyklus anzukündigen. Denn seit 2001 haben die amerikanischen Farmer die Anbaufläche bei Mais ausgeweitet.

Hoffnung aus China?

Hoffnung haben die Bullen auch auf der Nachfrageseite. Denn der chinesische Fleischverbrauch steigt weiter sprunghaft an.Mindestens 100 McDonald's-Filialen entstehen dort jedes Jahr. Und Chinas Möglichkeiten, die eigene landwirtschaftliche Produktion zu erhöhen, sind gering, sagt die Weltbank. Im Gegenteil: solange Wassermangel und Umweltverschmutzung zunehmen, rechnen zumindest Umweltschützer, werde die landwirtschaftliche Produktion eher sinken und der Import von Nahrungsmittelrohstoffen wie etwa Futtergetreide zunehmen. Doch ein Nachfrageschub bei Futtermais aus China ist eine Spekulation, der etwas von einem Mythos anhaftet.

Tatsache ist dagegen, daß derzeit für das kommende Erntejahr ein Defizit von 12,3 Millionen Tonnen oder rund 485 Millionen Scheffel erwartet wird. Das ist nicht unbedingt riesig. Dennoch führte die Tatsache, daß es in den vergangenen sechs Jahren fünfmal einen Nachfrageüberhang gab, zwischen 2001 und 2004 in der Tendenz zu einem Aufschwung und in der Folge zu Produktionsausweitungen, die zum Preiseinbruch der vergangenen Monate geführt haben.

Inzwischen scheint aber der Boden erreicht zu sein und eine Trendwende möglich. Spekulative Anleger können daher eine Long-Position eröffnen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot