Agrarprodukte

Politische Wende bei Biodiesel hilft Raps-Futures

18.11.2005
, 12:26
Biodiesel soll auch weiter gefördert werden
Wie zerronnen, so gewonnen, möchte man angesichts der Preisentwicklung bei europäischen Raps-Futures sagen. Sah es zu Wochenbeginn nach dem Beginn eines Abwärtstrends aus, macht eine 180 Grad-Wende der Politik jetzt eine Fortsetzung der Hausse möglich.
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Wer mit Rohstoffen handelt, der muß hart im Nehmen sein. Besonders wenn es derzeit in Europa um Raps geht. Nachdem sich die europäischen Futures aufgrund des Biodiesel-Booms im Sommer von den kanadischen Futures zu lösen begonnen hatten und im Gegensatz zu diesen lustig weiter gestiegen waren, kam es zu Wochenbeginn zu einem deutlichen Einbruch.

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Die große Koalition in Deutschland hatte unter anderem beschlossen, die Steuerfreiheit für Biokraftstoffe aufzuheben. In der Folge fielen die Rapssaat-Futures an der Pariser Warenterminbörse Matif bis Mittwoch um bis zu fünf Prozent. Am Donnerstag folgte dann die Gegenbewegung. Die Futures legten wieder um fast zwei Prozent zu und auch heute tendieren die Angebotspreise wieder höher (siehe auch Infografik).

Der Grund ist derselbe, bloß geht er in die andere Richtung. Union und SPD wollen reine Biokraftstoffe entgegen der Koalitionsvereinbarung nun doch weiter steuerlich fördern. „Dies zeichnet sich nach Gesprächen zwischen den neuen Regierungsfraktionen klar ab“, sagte der SPD-Energiepolitiker Hermann Scheer am Freitag der „Berliner Zeitung“. Bereits am Vortag hatte der Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes, Norbert Schindler eine ähnliche Mitteilung gemacht und sich dabei auf ein Gespräch mit dem stellvertretenden Vorsitzenden der CDU/CSU Bundestagsfraktion, Michael Meister, bezogen.

Besteuerungs-Roulette

Nunmehr läuft alles offenbar auf einen Kompromiß hinaus. Scheer zufolge sollen Biokraftstoffe in Reinform wie bisher von der Mineralölsteuer befreit werden. Dies sichert Biodiesel an den Zapfsäulen gegenüber normalem Diesel einen Preisvorteil zwischen zehn und zwanzig Cent je Liter. Mit der Mineralölsteuer sollen dagegen künftig diejenigen Biokraftstoffe belegt werden, die regulären Kraftstoffen beigemengt werden.

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Auch wenn sich die Lage allem Anschein nach jetzt positiv gewendet hat, so zeigt sich doch deutlich, wie sehr die positive Preisentwicklung bei Rapssaaten in Europa von den launischen Winden der Politik abhängt. Momentan sieht alles danach aus, als ob das Loch in der Biodiesel-Blase (Biodiesel-Blase bei Raps geplatzt) erst einmal geflickt sei. Nichtsdestoweniger ist das Aufwärtspotential nicht unbegrenzt, solange die kanadischen Canola-Raps-Futures im Trend der Soja-Kontrakte weiter nach unten laufen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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