Agrarprodukte

Zuckermarktreform gibt Zucker nur verhalten Impulse

25.11.2005
, 17:07
Zuckerernte in Kuba
Die EU-Zuckerreform ist durch. Zwar etwas anders als ursprünglich geplant, aber nichtsdestoweniger ist jetzt klarer als je zuvor, daß für den Weltzuckermarkt tatsächlich eine neue Ära anbricht. Doch das Potential für den Zuckerpreis ist eher mäßig.

Da sich die EU ausgerechnet am amerikanischen Thanksgiving-Wochenende, an dem die Märkte in den Vereinigten Staaten geschlossen bleiben, auf ihre Zuckermarktreform einigte, blieb die Reaktion bislang aus.

Nichtsdestoweniger zeigten sich die Futures an der Euronext-Liffe am Freitag freundlicher. Der März-Kontrakt gewann bis 14:45 Uhr 1,11 Prozent dazu und überschritt mit 300,50 Dollar wieder die 300er-Marke. Der Mai-Kontrakt wurde gegen 11:15 Uhr zuletzt 0,85 Prozent höher bei 307,80 Dollar gehandelt.

EU-Zuckerproduktion wird um 40 Prozent schrumpfen

Unter dem Druck der weltweiten Marktöffnung mußte die EU die beinahe 40 Jahre alten Vorschriften zum Schutz der Zuckerwirtschaft reformieren. Das Ergebnis fiel zwar leicht anders aus, als noch vor sechs Wochen geplant, doch das Ergebnis ist letztlich ähnlich. Im Mittelpunkt der Reform steht eine Senkung des Garantiepreises für Weißzucker um 36 Prozent über vier Jahre bis zum Wirtschaftsjahr 2009/10 auf dann noch 400 Euro je Tonne. Derzeit liegt der Garantiepreis mit 631,90 Euro etwa um das Zweieinhalbfache über dem Weltmarktpreis.

Bild: Bloomberg

In der Folge rechnet der Vorsitzende der Wirtschaftsvereinigung Zucker, Hans-Jörg Gebhard damit, daß die EU auf mittlere und lange Sicht etwa 40 Prozent ihres Verbrauchs einführen werde. Von den derzeit 20 Millionen Tonnen EU-Jahresproduktion blieben „bestenfalls elf bis zwölf Millionen Tonnen“.

Für den Zuckerpreis bedeutet dies, daß das Angebot auf dem Weltmarkt zurückgehen wird. Gleichzeitig wird Zucker fungibler und daher ist davon auszugehen, daß der Markt auch liquider wird. Dennoch bedeutet das Verhandlungsergebnis vom Donnerstag nur das Ende der letzten Unsicherheit über die Marktreform. Daß sie kommen würde und wie sie aussehen soll, stand ja schon eine ganze Zeit fest und war deswegen auch schon länger eingepreist.

Thailand, Brasilien und Australien geben Gas

Außerdem wirken die neuen Exportchancen auf der andern Seite schon wieder angebotssteigernd. Thailand, der zweitgrößte Zucker-Exporteur der Welt und Australien werden wohl den Anbau forcieren. „Das ist die größte Nachricht für die thailändische Zuckerindustrie, die ich je gehört habe“, sagte Rachai Choosilkul, Generalsekretär von Thailands Zuckerrohrpflanzer-Vereinigung. „Die EU-Subventionen waren der wichtigste Faktor der die Zuckerpreise so niedrig gehalten hat. Auch wenn der Preis zuletzt gestiegen ist, deckt er doch nur eben so die Kosten.“

Die Preisentwicklung war der Hauptgrund auch für einen Exodus australischer Zuckerfarmer gewesen. 328 Millionen Dollar hatte die australische Regierung für Anpassungshilfen aufgewendet.

Für das kommende Zuckerjahr 2006/2007 rechnete die International Sugar Organization zuletzt mit einem Nachfrageüberhang von 1,07 Million Tonnen. Preistreibend wirkt auch der weiterhin hohe Ölpreis, da ein großer Teil der Produktion zu Äthanol als Antriebsstoff für besonders in Brasilien populäre „Flex-Fuel-Cars“ verarbeitet wird, die auch mit Äthanol betrieben werden können. Daher baut auch Brasilien die Produktion aus. „Solange das so bleibt, wird das den Zuckerpreis dämpfen“, sagt Smirk.

Nichtsdestoweniger ist für 2006 mit weiter steigenden Zuckerpreisen zu rechnen - solange nicht der Ölpreis der Hausse das Fundament entzieht. Ganz von der Hand zu weisen ist dies nicht - insofern heißt es bei Investitionen in Zucker auch den Ölpreis im Auge behalten.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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