Agrarrohstoffe

Bedingungen für Sojabohnenpreise könnten sich verbessern

07.10.2005
, 18:36
Sojabohnen werden entladen
Sojabohnen kennen die meisten Anleger höchstens von chinesischem Essen. Doch auch damit läßt sich spekulieren - nicht zuletzt auf hohe Ölpreise und einen steigenden Bedarf an Biodiesel.
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Die Preise für agrarische Rohstoffe sind ausgesprochen wetterwendisch. Am vergangenen Dienstag erlebten Sojabohnen ihren tiefsten Einbruch innerhalb von sieben Wochen als sich am Markt die Auffassung durchzusetzen begann, daß Regenfälle im August die prognostizierten Hitzeschäden an der amerikanischen Ernte wieder wettgemacht hätten.

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Mittlerweile aber haben sich die Ansichten im Markt schon wieder geändert. Nachdem zuvor statt mit einer Ernte von 2,84 Milliarden Scheffel mit 3,105 Milliarden gerechnet wurde, liegen die Schätzungen jetzt bei drei Milliarden. So erklärt sich das kurzfristige Auf und Ab.

Biodiesel begünstigt Preisanstieg für Sojaöl

Langfristig aber bewegen andere Trends die Preise. Da ist zum einen die Nachfrage. Ein Faktor wird derzeit auf dem Markt gespielt, der den Sojabohnenpreis und vor allem den Preis für Sojabohnenöl in den kommenden Jahren nach oben hieven könnte: der Ölpreis. Denn dieser wird wohl auf Dauer hoch bleiben, so daß selbst in den eher verschwendungssüchtigen Vereinigten Staaten plötzlich über alternative Treibstoffe nachgedacht wird.

So hat der Staat Minnesota am 29. September verfügt, daß dem in den Staatsgrenzen verkauften Diesel-Kraftstoff künftig ein Minimum von zwei Prozent an Biodiesel beigemischt wird, zu dessen Herstellung in Amerika Diesel und Sojabohnenöl verwendet wird. „Die Verwendung von Biodiesel wurde früher durch das Preisgefüge gehemmt“, sagt Dale Durchholz, von AgriVisor Services. „Derzeit ist Pflanzenöl im Vergleich zu anderen Treibstoffen relativ billig“.

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Die Produktion von Biodiesel in den Vereinigten Staaten soll sich in diesem Jahr auf 50 Millionen Gallonen verdoppeln, schätzt das National Biodiesel Board (NBB). Die Kapazität wird auf 180 Millionen Gallonen geschätzt. Indes ist die Nachfrage im Vergleich zur Ernte derzeit noch nicht wirklich bedeutend. Das NBB schätzt den Bedarf in diesem Jahr auf 34 Millionen Scheffel - wenig mehr als ein Prozent der Ernte. Allerdings seien für die nächsten beiden Jahre bereits 54 neue Fabriken geplant, so daß die Kapazität auf 300 Millionen Gallonen steigen könnte.

Widersprüchliche Entwicklung bei Sojamehl

Das Preisgefüge hat sich derzeit in Amerika auch bei Sojabohnenmehl wieder positiver entwickelt. „Sojamehl ist derzeit das preiswerteste Proteinfutter in Amerika“, sagt Roy Huckabay, Vizepräsident des Brokers Linn Group. „Es beginnt sich eine Nachfrage zu entwickeln.“ Indes hängen die Preise immer an denen der Konkurrenzprodukte.

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Und natürlich wirken sich niedrigere Preise für Sojamehl auch auf Sojabohnen aus. Nach einem Bericht des mit dem chinesischen Landwirtschaftsministeriums assoziierten Peking Orient-Instituts wird die Nachfrage aus China im kommenden Jahr nur noch um 1,9 Prozent steigen, vor allem weil die Preise für chinesisches Sojamehl gefallen sind.

Anbauflächen könnten zurückgehen

Auf der anderen Seite dürfte auch die chinesische Ernte um 2,3 Prozent sinken.Und nicht nur diese. Auch für brasilianische Bauern lohnt der Sojaanbau nicht mehr im selben Maß wie früher. Daher wird auch damit gerechnet, daß die brasilianische Ernte im kommenden Jahr keineswegs die prognostizierten 60 Millionen Tonnen erreicht. Indes dürfte sie dennoch die 51,1 Millionen Tonnen des laufenden Jahres übersteigen.

Schuld sind in Brasilien steigende Zinsen, Trockenheit und nicht zuletzt der starke Real. Daher dürften die Landwirte die Anbauflächen verringern, sagte der brasilianische Landwirtschaftsminister Rodrigues der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Auch in den Vereinigten Staaten könnte der Anbau niedriger ausfallen. Denn die Bush-Regierung plant die Agrarsubventionen in den kommenden zehn Jahren um 5,7 Milliarden Dollar zu senken.

Auch 2006 sollten Preise wieder anziehen

Insgesamt zeichnet sich langfristige eine vorsichtig positive Gemengelage für Sojabohnen ab. Das könnte dazu führen, daß der Sojabohnenpreis, der aktuell wieder auf seine langjährige Untergrenze bei 500 Cents zusteuert, spätestens dort wieder kehrt macht und im kommenden Jahr wieder eine neue Hochphase ausbildet, so wie eigentlich in jedem Jahr.

Die Frage ist allerdings, in welcher Intensität. So stieg der Preis 2003 bis auf 1.055 3/4 Cents, 2004 schaffte er es indes gerade mal bis auf 744 1/2. Preise über 600 Cents sollten allerdings drin sein, und so erscheint ein Einstieg in der Gegend von 500 Cents nicht allzu abwegig, zum Beispiel mit dem Open Ende-Zertifikat von ABN Amro (ISIN: NL0000414019). Allerdings spielt für deutsche Anleger dabei immer der Dollarkurs eine nicht zu unterschätzende Rolle. Selbst bei günstiger Preisentwicklung kann die Wechselkursentwicklung Anlageerfolge zunichte machen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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