Aufruf zum Boykott

Protest gegen Diamantenexporte aus Zimbabwe

Von Bettina Schulz, London
12.12.2011
, 16:20
In den Marange-Minen in Zimbabwe schürfen Frauen und Männer nach Diamanten
Die Regierung pocht auf ihr Recht, Diamanten exportieren zu dürfen: Trotz harter Kritik von Menschenrechtlern hat Zimbabwe nach einer Pause erstmals wieder Diamanten versteigert.
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Die wegen Menschenrechtsverletzungen international geächtete Regierung von Zimbabwe profitiert von offiziellen Diamantexporten aus den umstrittenen Marange-Minen. Nachdem die internationale Staatengemeinschaft auf Druck afrikanischer Länder Zimbabwe im vergangenen Monat den Export von Diamanten mit dem Gütesiegel des Kimberley-Prozesses genehmigt hat, war die erste Auktion von Diamanten nach Berichten aus Harare offenbar sehr erfolgreich. Versteigert wurden vor wenigen Tagen Diamanten des Gemeinschaftsunternehmens Anjin, an dem der Staat Zimbabwe und ein chinesisches Staatsunternehmen beteiligt sind. Die Gesellschaft Anjin hat Schürfrechte in den umstrittenen Marange-Minen.

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Aus Protest über die Zugeständnisse gegenüber Zimbabwe hat die Nichtregierungsorganisation Global Witness den Kimberley-Prozess verlassen. Das Kimberley-Verfahren ist die Anstrengung von 75 Mitgliedstaaten, Rohdiamanten mit einem international anerkannten Gütesiegel zu versehen, wenn die Erlöse der Steine keinen Bürgerkrieg finanzieren und Länder ein Mindestmaß an Regulierung ihrer Diamantenproduktion vorweisen können. Der Gütestempel beweist allerdings nicht, dass in dem Ursprungsland nicht gegen die Menschenrechte verstoßen und nicht gefoltert wird. Daher unterliegen die Diamanten aus Zimbabwe trotz des Gütesiegels und trotz der Exportgenehmigung in der Europäischen Union und in den Vereinigten Staaten Sanktionen, dürfen also nicht gehandelt und besessen werden. Juwelierverbände in Europa haben ihre Mitglieder daher aufgerufen, den Ursprung ihrer Diamanten sorgfältig festzustellen.

Weltmarktpreise haben sich erholt

Das Kimberley-Verfahren wurde im Jahr 2003 angestoßen, nachdem die Branche durch die „Blutdiamanten“ aus Sierra Leone in Verruf geraten war, sich aber selbst regulieren wollte. Im Schneckentempo sind in der Tat in vielen Ländern Reformen eingeführt worden. Aber Interessenverquickungen und vor allem der Widerwillen afrikanischer Staaten, Nachbarstaaten wie Zimbabwe harte Bandagen anzulegen, haben das Verfahren in den Augen seiner Kritiker unterminiert.

So wirft Global Witness dem Verfahren vor, Probleme des Diamantenhandels in der Elfenbeinküste, in Venezuela und Zimbabwe nicht gelöst zu haben. Gerade das Regime in Zimbabwe mache sich immer noch schwerer Menschenrechtsverletzungen schuldig, wende Gewalt an und übe militärischen Einfluss auf die Marange-Minen aus. „Der Kimberley-Prozess geht von einem faulen Kompromiss zum nächsten“, sagt Charmian Gooch, Gründungsmitglied von Global Witness. „Das Verfahren hat mit so viel Hoffnung begonnen, letztlich aber nicht geliefert.“ Der Diamantendienst Rapaport Group rief die internationale Händlergemeinschaft auf, die Marange-Diamanten zu boykottieren. Die Juwelierbranche ist indessen wenig begeistert, dass dieses Thema gerade vor dem lukrativen Weihnachtsgeschäft immer wieder hochgekocht wird. Die Regierung in Zimbabwe sagt, sie sei vielen Reformanforderungen nachgekommen. Sie pocht auf ihr Recht, Diamanten exportieren zu dürfen. Der Finanzminister, Tendai Biti, erwartet, dass Erlöse aus dem Diamantenhandel im kommenden Jahr 20 Prozent der Haushaltserträge ausmachen. Kritiker warnen, die Diamantenerlöse bereicherten das Regime.

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Zimbabwe dürfte vor allem deshalb stark an Exporterlösen aus dem Diamantenverkauf interessiert sein, weil sich die Preise seit dem Höhepunkt der Finanzkrise im Jahr 2008 und 2009 wieder deutlich erholt haben. Allerdings spüren die Händler die restriktive Finanzierung durch Banken. Dies schränkt ihre Möglichkeiten ein, Rohdiamanten auf Vorrat zu kaufen.

Quelle: F.A.Z.
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