Bis zu 93,60 Euro je Barrel

Rohölpreis in Euro so hoch wie nie

Von Tim Höfinghoff, Frankfurt
23.02.2012
, 17:09
Die Verteuerung des Rohstoffes steigert die Risiken für die Konjunktur. Allerdings erwarten Anleger keine langfristigen Störungen am Ölmarkt.

Die Ölpreise setzen ihren Höhenflug fort und haben am Donnerstag im Tagesverlauf einen Rekordwert in Euro erreicht: Mit bis zu 93,60 Euro je Barrel (159 Liter) für Rohöl der europäischen Sorte Brent ist der Preis mittlerweile über das Rekordniveau gestiegen, das im Juli 2008 erzielt wurde. Auch in britischen Pfund gerechnet ist Öl so teuer wie noch nie.

Wegen der Irankrise, der hohen Ölnachfrage in Asien und dem relativ niedrigen Eurokurs in den vergangenen Monaten zum Dollar legen die Ölpreise zu. Seit Anfang des Jahres hat der Preis für Brent ein Plus von 15 Prozent verbucht. In Deutschland zahlen Autofahrer Rekordpreise an der Tankstelle. Derweil sorgen die stark gestiegenen Preise für Öl und Kraftstoffe dafür, dass die Risiken für die Konjunktur zunehmen: „Ein Niveau über der 130-Dollar-Marke würden die weltweite Konjunktur deutlich belasten“, sagt Jeffrey Currie, der die Rohstoffanalyse von Goldman Sachs leitet. Höhere Rohölpreise verteuern nicht nur die Rohstoff- und Transportkosten der Unternehmen. Sie schmälern auch die Konsummöglichkeiten der privaten Haushalte. Außerdem nimmt der Inflationsdruck zu, wenn sich die Energiekosten erhöhen.

Ab Juli Importstopp für iranisches Öl

Zwar verbessern sich die Konjunkturaussichten in Deutschland - so ist der Ifo-Geschäftsklimaindex für den Monat Februar auf ein Sieben-Monats-Hoch gestiegen. Doch auch beim Ifo-Institut heißt es, dass die Öl- und Benzinpreisentwicklung am Bild einer makellosen Konjunkturentwicklung kratze. Der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, argumentiert allerdings, dass „trotz hoher Ölpreise das Wirtschaftswachstum nicht nennenswert gebremst werden muss“. Zwar gebe es den Konflikt mit dem ölreichen Iran, doch wegen der verbesserten Konjunkturlage auf der Welt steige auch die Ölnachfrage. „Der hohe Ölpreis spiegelt vor allem das ordentliche Wachstum der Weltwirtschaft.“ Allerdings könne eine Verschärfung des Irankonflikts inklusive einer langfristigen Öllieferunterbrechung erhebliche Probleme für die Konjunktur mit sich bringen.

Schon seit Wochen führt der Atomkonflikt zwischen Iran und dem Westen zu einer angespannten Lage am Ölmarkt. Iran ist nach Saudi-Arabien der zweitgrößte Ölproduzent in der Organisation der erdölexportierenden Länder (Opec). Iran produzierte im Januar rund 3,5 Millionen Barrel Öl am Tag. Saudi-Arabien produzierte knapp 10 Millionen Barrel am Tag. Die Drohung Irans, die für den Ölmarkt wichtige Meerenge von Hormus zu blockieren, hat für Aufregung am Ölmarkt gesorgt. Ab Juli gilt in der Europäischen Union (EU) zudem ein Importstopp für iranisches Öl. Iran hat angekündigt, Länder wie Frankreich und Großbritannien umgehend nicht mehr zu beliefern. Dabei senkt die EU schon seit einiger Zeit ihre Öleinfuhren aus Iran. Manche Konzerne, wie Total in Frankreich und der niederländisch-britische Anbieter Shell, hatten Iran zuletzt gar kein oder nur noch sehr wenig Öl abgenommen. Bisher gingen etwa 25 Prozent der iranischen Ölexporte in die EU.

Alarmsignal aus Saudi-Arabien

Das hohe Ölpreisniveau hat auch mit der gesteigerten Nachfrage in Asien zu tun. Besonders in China ist der Bedarf groß. China will weiterhin Öl aus Iran beziehen. Dies gilt auch für Indien. Der schwächere Eurokurs in den vergangenen Monaten hat ebenfalls dazu geführt, dass Öl in Europa teurer wird. Der Euro hat zum Dollar innerhalb von sechs Monaten rund 8 Prozent an Wert verloren. Da Rohöl primär in Dollar gehandelt wird, steigen für Europas Konsumenten die Kosten, wenn der Eurokurs nachgibt.

Nach Einschätzung des Ölfachmanns Steffen Bukold von Energycomment haben die wichtigsten Akteure am Ölmarkt derzeit kein Interesse an sinkenden Preisen: „Ob Ölproduzent, Händler oder Raffineriebetreiber - so lange die Preise für die Endverbraucher schneller steigen als die eigenen Kosten, ist man zufrieden.“ Wenn Saudi-Arabiens stellvertretender Ölminister nun berichte, dass die Ölmärkte gut versorgt seien, „ist das ein Alarmsignal“, so Bukold. „Es bedeutet, dass Saudi-Arabien nichts unternehmen wird, um die Ölpreise zu drücken.“ Allerdings habe das Land die Ölproduktion schon erheblich ausgeweitet. Bukold weist darauf hin, dass anscheinend viele Akteure am Ölmarkt nicht mit einer Verschärfung der Irankrise rechnen: „Während Öl zur Lieferung in den kommenden Wochen erheblich teurer geworden ist, hat sich Öl zur Lieferung in einem Jahr oder darüber hinaus nur unwesentlich verteuert.“ Das deute darauf hin, dass die Anleger nicht von einer dramatischen oder längerfristigen Unterbrechung des Ölangebots ausgehen.

Quelle: F.A.Z.
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