Britisches Pfund

Gegen den Euro auf Erholungskurs

01.06.2010
, 18:27
Sterling Banknoten
Die Unbeliebtheit des Euro hat dazu geführt, dass sich der Kurs des britischen Pfunds erholt und dabei neuerdings eine kritische technische Marke überwunden hat. Ungeachtet der fundamentalen Zweifel kann das zu weiteren Kursgewinnen führen.

Die gegenwärtige Unbeliebtheit des Euro hat dazu geführt, dass dessen Wechselkurs in den vergangenen Tagen sogar gegen das britische Pfund ins Hintertreffen geraten ist.

Nach einer eineinhalb jährigen Konsolidierung auf schwachem Niveau ist der britischen Währung zumindest aus charttechnischer Sicht die Überwindung einer Widerstandszone bei 85 Pence je Euro gelungen.

Überwindung einer Widerstandszone

Nach einem Kursgewinn von knapp einem Prozent sind am Dienstag noch 83,87 Pence nötig, um im professionellen Handel eine Einheit der europäischen Einheitswährung erwerben zu können. Das ist der tiefste Stand seit Dezember des Jahres 2008, als sich die britische Währung in Folge der Wirtschaft- und Finanzkrise mitten in der zweiten Welle einer massiven Abwertungsbewegung gegen den Euro und am Ende seiner damaligen Wertverluste gegen den Dollar befand.

Bild: FAZ.NET

Die Erholung der Pfunds dürfte kaum etwas mit den tatsächlichen wirtschaftlichen Perspektiven Großbritanniens als vielmehr mit technischen Faktoren und einer vergleichsweise hohen Inflationsrate zu tun haben. Nachdem die Anleger sich in den vergangenen Wochen an den Terminmärkten in ausgeprägter Weise gegen das Pfund positioniert hatten, kann alleine schon ihre Korrektur zu einer deutlichen Kursbewegung in die andere Richtung beitragen.

Dazu kommt ein beachtlicher Preisdruck, der sich in Großbritannien noch Ende April in Form einer Inflationsrate von 5,3 Prozent auf Jahresbasis gezeigt hatte. Der Retail Price Index lag auf dem höchsten Niveau seit Jahren. Diese Entwicklung schränkt den geldpolitischen Spielraum der Zentralbank ein, auch wenn sie von einer moderateren Entwicklung in der Zukunft ausgeht.

Gleichzeitig bemüht sich die neue britische Regierung um eine hohe Glaubwürdigkeit. So sollen Wirtschaftsprognosen, welche in den Budgetierungsprozess einfließen, künftig nicht mehr vom britischen Finanzministerium sondern dem eigens geschaffenen und unabhängigen „Amt für verantwortliche Haushaltsführung“ abgegeben werden. Es dürfte auch bisher außerhalb der offiziellen Bilanz geparkte Verbindlichkeiten künftig offen ausweisen.

Ein zusätzlicher Pluspunkt von Großbritannien ist die vergleichsweise lange Laufzeit der Verschuldungspapiere, die das Land ausstehen hat. Mit durchschnittlich neun Jahren ist sie deutlich länger als die der Vereinigten Staaten mit sechs oder Euroland mit fünf Jahren. Eine längere Laufzeit schafft mehr Zeit, um die Staatsfinanzen unter Kontrolle zu bringen.

Diese Kombination mag Anleger zusammen mit der andauernden Abneigung gegen den Euro dazu verleiten, das Pfund künftig in ihren Depots künftig etwas stärker zu gewichten als in den vergangenen Monaten. Das kann alleine schon aus technischen Gründen zu einer weiteren Kurserholung der britischen Währung gegen den Euro führen. Dagegen wirken die fundamentalen Aussichten der britischen Wirtschaft wenig überzeugend und werden sehr wahrscheinlich überschätzt.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors wieder.

Quelle: @cri
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