Anlegen in Gold

Der Goldminenindex sieht gut aus

Von Wieland Staud
18.03.2016
, 10:02
Eine Goldmine von Barrick Gold in Pueblo Viejo.
Aus einem Abwärtstrend für Goldminen und Gold ist womöglich ein Aufwärtstrend geworden. Ist technische Analyse immer so einfach?
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Technische Analyse kann so einfach sein: Man zeichnet eine Linie in den Chart und erklärt damit die Welt. Ein paar Jahre später macht man das Gleiche wieder und erzielt abermals einen gewaltigen Erkenntnisfortschritt. Ist das zu simpel? Mit Sicherheit nicht. Technische Analyse kann manchmal wirklich so einfach sein. Der besondere Charme dabei:

Diese Trendlinien kann jeder einzeichnen. Ein tieferes Verständnis für die technische Analyse ist dafür keine Voraussetzung. Wer einen Aufwärtstrend zeichnen will, der verbindet, ausgehend von einem markanten Tiefpunkt, die jeweiligen lokalen Minima miteinander. Wer einen Abwärtstrend zeichnen will, der invertiert dieses Vorgehen: Ausgehend von einem markanten Hochpunkt, werden die nachfolgenden lokalen Maxima miteinander verbunden. Immer dann, wenn die ansteigende Trendlinie vom Kurs unter- oder die fallende Trendlinie überboten wird, ändern sich im Regelfall die Vorzeichen radikal.

Bild: F.A.Z.

Der abgebildete Chart des Nyse Arca Gold Bugs Index ist ein ideales Beispiel dafür. Zwei Trendlinien genügten in den letzten drei Jahren vollauf, um als Analyst zu einem halbwegs akzeptablen Ergebnis zu kommen und als Anleger die gröbsten Schnitzer zu vermeiden. Als im Jahr 2013 die grün eingezeichnete ansteigende Trendlinie vom Index unterboten wurde, war dies das letztmögliche Signal dafür, dass jetzt Schmalhans dauerhaft Küchenmeister werden würde. Damals ging die seit dem Jahr 2000 währende Erfolgsgeschichte der Index-Heimat von Barrick Gold, Newmont Mining, Gold Fields & Co. ultimativ zu Ende. Aus einem langfristigen Aufwärtstrend wurde per definitionem ein langfristiger Abwärtstrend. Wie kaum anders zu erwarten, wurden es danach erst richtig unlustig. Dem Trendbruch bei 330 Punkten folgte ein Kurseinbruch von rund 70 Prozent bis auf 100 Punkte.

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Vor diesem Hintergrund ist die jüngste Entwicklung dieses Charts richtig spannend. Denn im Februar geschah das Gegenteil von dem, was sich 2013 zutrug: Der Index überbot den rot eingezeichneten langfristigen Abwärtstrend. Dieses Ereignis dürfte wiederum Signalwirkung haben. So wie sich vor drei Jahren mit dem Bruch des Aufwärtstrends ein analytischer Gezeitenwechsel vollzog, so darf jetzt davon ausgegangenen werden, dass mit dem Bruch des Abwärtstrends das Elend ein Ende gefunden hat und die nächsten rund zwei Jahre von per Saldo steigenden Notierungen geprägt sein werden.

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Mein Ziel für diesen Zeitraum sind Kurse um 250 Punkte. Ein etwas näherer Blick auf den Chart könnte Fragen aufwerfen: Während der Index für seinen jüngsten Anstieg von rund 100 auf rund 180 Punkte nur zwei Monate benötigte, soll er für eine etwas geringere Kurssteigerung rund die zehnfache Zeit brauchen? Ja, das ist so. Die Erfahrung lehrt, dass einem ersten dynamischen Anstieg fast immer eine manchmal sogar extrem ausgedehnte, oft sehr volatile Konsolidierungs- oder Korrekturphase folgt, in der die Investoren damit beginnen, sich an die neue Grundrichtung des Charts zu gewöhnen.

Mögliche Gründe für eine ordentliche Krise gibt es reichlich

Eruptive Anrisse wie der aktuelle beim Nyse Arca Gold Bugs Index sind oft das Ergebnis von Short-Covering. Sie kommen also nicht unbedingt freiwillig zustande. Vielmehr sehen sich viele Marktteilnehmer, die auf fallende Kurse gesetzt hatten, gezwungen, ihre Positionen zu räumen, bevor das Problem für sie noch größer wird. Aber nur die wenigsten drehen ihre Positionen sofort komplett und setzen fortan auf steigenden Kurse. Die meisten brauchen dafür Zeit. Zeit, in der der Chart erst einmal konsolidiert. Mit einigen Abstrichen könnte man als Daumenregel sogar formulieren: Je heftiger der erste Kursanstieg war, desto länger dauert die nachfolgende Konsolidierung.

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Übrigens hat auch der Chart der Feinunze Gold vergleichbare Signale entwickelt. Auch er hat seinen Abwärtstrend der letzten drei Jahre gebrochen, und auch für ihn dürfte sich deshalb der Anstieg über kurz oder lang fortsetzen. Wenn aber der Preis für das gelbe Metall ebenso wie die Aktienkurs des Gold Bugs Index steigt: Liegt dann wieder eine große Krise in der Luft, wie beispielsweise zu Beginn des neuen Jahrtausends mit dem Platzen der Dotcom-Blase und 9/11?

Völlig ausschließen wird man dies wohl nicht können. Mögliche Gründe für eine ordentliche Krise liefert uns die Welt ja gerade reichlich. Aber diese oft und gern behauptete Abhängigkeit ist nicht gottgegeben. Beispielsweise stieg der Goldpreis von 2000 bis 2011 kontinuierlich an, aber bestenfalls in der Hälfte dieser Zeit wurde unser Planet von Krisen beherrscht. Besser noch: Während der Lehman-Krise verlor der Gold Bugs Index sogar rund 70 Prozent seines Wertes. Wer ausschließlich steigende Goldnotierungen als Krisenindikation nutzt, dürfte sich deshalb schon des Öfteren die Finger ordentlich verbrannt haben.

Um noch einmal auf den Ausgangspunkt dieses Beitrages zurück zu kommen: Ist technische Analyse immer so einfach? Nein, mit Sicherheit nicht. Die technische Analyse kennt eine ganze Reihe von Methoden und Techniken, die erhebliches spezifisches Wissen und auch eine ordentliche Portion Erfahrung voraussetzen. Aber immerhin: Sie kann so einfach sein. Manchmal genügen wirklich zwei gerade Linien.

Der Autor leitet die Staud Research GmbH in Bad Homburg.

Quelle: F.A.Z.
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