Devisen

Norwegen - erste Zinserhöhung in Europa

28.10.2009
, 15:45
Die norwegische Krone vollführt am Mittwoch mit Blick auf die erste Leitzinserhöhung in Europ einen kurzfristigen Ritt auf der Achterbahn. Die Zentralbank möchte Aufwertungsspekulationen vermeiden und warnt vor den Risiken einer „Dutch Desease“.
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Die norwegische Krone vollführt am Mittwoch mit Blick auf die Leitzinsentscheidung der Norges Bank einen Ritt auf der Achterbahn. Sie hatte unmittelbar vor der Zinsentscheidung gegen den Euro zunächst etwas mehr als ein Prozent auf bis zu 8,4646 Kronen verloren, holte diese Verluste jedoch unmittelbar bis zur Entscheidung um 14.00 Uhr wieder weitgehend auf und lag am frühen Nachmittag mit 8,3850 Kronen je Euro auf dem Niveau des Vortags. Gegen den Dollar sah die Entwicklung vergleichbar aus, wenn auch auf tieferen Kursniveau.

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Norges Bank gab bekannt, als erste Zentralbank in Europa den Leitzins um einen Viertelprozentpunkt von 1,25 auf 1,5 Prozent zu erhöhen. Die norwegische Inflation sei etwas höher als erwartet, während die Arbeitslosigkeit beträchtlich tiefer geblieben sei als befürchtet und während sich die Wirtschaft des Landes rascher als erwartet von der Krise erhole, erklärte sie nach der Zinsentscheidung.

Allmähliche, aber gemächliche Zinserhöhungn abzusehen

Sollten externe Schocks ausbleiben, werde sich der Leitzins bis zum nächsten geldpolitischen Bericht im März des kommenden Jahres zwischen 1,5 und 2,25 Prozent bewegen, hieß es weiter. Danach sollte er gemäß dem Resultat der aktuellen Analyse allmählich angehoben werden, erklärt die Bank weiter.

Bild: FAZ.NET

Selbst nach dieser Zinserhöhung sei die Geldpolitik der Zentralbank weiterhin stimulativ, sagte Notenbankgouverneur Svein Gjerdrem in der Pressekonferenz nach dem Zinsentscheid. Volkswirte erwarten in Norwegen keinen aggressiven Zinspfad, obwohl das Land wegen der Öleinnahmen finanziell in einer vorteilhaften Lage sei und sich, im Unterschied zu vielen anderen, die fiskalischen Stimulationsprogramme leisten kann, die eingeleitet wurden und die die Wirtschaft stützen.

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Diese Erwartungen werden bestätigt durch weitere Äußerungen Gjerdrems. Er erklärte, das Risiko der so genannten „Dutch Desease“, die die Gefährdung eines rohstoffreichen Landes beschreibt, bequem zu werden und wegen einer aufwertenden Währung deindustrailisiert zu werden, sei groß. Hohe Kosten belasteten die Industrie, die zunehmend dazu neige, ihre Produktionsstätten ins Ausland zu verlagern. Generell werde sich das Land wirtschaftlich frühestens im Jahr 2011 wieder auf normalem Niveau befinden.

Risiko der „Dutch Desease“ - eine starke Währung könnte Kopfschmerzen bereiten

Die Entwicklung der Währung sei ein Risiko und könne zu „Kopfschmerzen“ führen, erklärte der Gouverneur weiter. Solche Äußerungen deuten darauf hin, dass die Zentralbank eine starke Aufwertung aus spekulativen Gründen, wie sie zum Beispiel in Australien, Brasilien oder auch Neuseeland zu beobachten ist, vermeiden möchte, obwohl der projektierte Zinspfad nach oben genommen wurde. Tatsächlich hat die norwegische Währung in den vergangenen Jahren im Trend gegen den Dollar aufgewertet, während sie gegen den Euro, abgesehen von kurzfristigen Ausreißern wie im vergangenen Jahr, vergleichsweise stabil blieb.

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Der Blick auf die Entwicklung des effektiven, handelsgewichteten Wechselkurs des Landes in den vergangenen Jahren zeigt, dass die Währung im Trend langsam etwas aufwertet und dass starke Abweichungen vom Trend immer wieder ausgeglichen wurden. Insgesamt deutet alles darauf hin, dass die Zentralbank eine starke Aufwertungsbewegung vermeiden möchte.

Im Unterschied zu vielen anderen Staaten blieb das Wachstum der Kredite der privaten Haushalte in Norwegen in den vergangenen Monaten stabil. Nach einem Rückgang der Hauspreise im vergangenen Jahr nehmen sie im laufenden Jahr schon wieder zu. Nach einer leicht rezessiven Entwicklung wächst die Wirtschaft wieder leicht, während sich die Lage am wenig bewegten Arbeitsmarkt des Landes stabilisiert. Die Banken haben die Kreditvergabestandards an die Unternehmen schon wieder gelockert, im Konsumbereich ist die Rücknahme restriktiver Maßnahmen zu erwarten.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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