Devisen

Zinserhöhung spricht für die Norwegische Krone

30.06.2005
, 19:14
Die norwegische Zentralbank hat den Leitzins erhöht, die Krone gibt jedoch leicht nach gegen den Euro. Längerfristig dürfte die Währung fester tendieren, immerhin sind weitere Zinserhöhungen angekündigt worden.
ANZEIGE

Die „Devisenwelt“ ist manchmal schon seltsam. Denn sie funktioniert nicht immer nach der momentanen Logik und kurzfristig wohl noch seltener nach der blanken Theorie. Das zeigt sich am Donnerstag wieder einmal am Beispiel der norwegischen Krone.

ANZEIGE

Denn sie gibt gegen den Euro leicht nach, obwohl die Zentralbank des Landes den Leitzins zum ersten Mal seit drei Jahren angehoben hat. Lag er zuvor auf rekordtiefen 1,75 Prozent so liegt er nun bei zwei Prozent und damit auf dem Niveau des europäischen Währungsraumes.

Erste Zinserhöhung seit langem ...

Nach der Theorie müßte eine Zinserhöhung die Währung attraktiver machen und sie aufwerten lassen. In der Praxis dürften die Finanzmärkte das schon längst vorweggenommen haben, ganz abgesehen davon, daß ein einzelner kleiner Zinsschritt absolut betrachtet keine sonderlich große Bedeutung hat.

Bild: Bloomberg

Die hat sie dann, wenn es die erste Zinsänderung seit langem ist und möglicherweise gar der Beginn einer längeren Serie. Und genau so etwas könnte sich nun in Norwegen andeuten. Denn die Zentralbank hat weitere, wenn auch kleine und nicht zu häufige Zinserhöhungen angekündigt.

Damit steht sie im deutlichen Gegensatz zu Schweden, wo die Zentralbank vor wenigen Tagen den Leitzins wenn nicht überraschend, so überraschend stark gesenkt hat. Die Begründung dürfte in der unterschiedlichen wirtschaftlichen Entwicklung und vor allem auch in der Wirtschaftsstruktur zu finden sein.

ANZEIGE

Während die Wirtschaft in Schweden vor sich dahindümpelt, rechnet die Zentralbank in Norwegen im laufenden Jahr mit einem Wachstum von 3,75 Prozent und im kommenden Jahr noch von etwa drei Prozent. Das Land profitiert nicht nur vom relativ hohen Ölpreis, sondern auch von der in den vergangenen Jahren von den tiefen Zinsen ausgelösten Investitionen und vom Konsum.

... denn es gibt Überhitzungserscheinungen

Die Norweger haben inzwischen private Schulden im Gegenwert von 264 Milliarden Euro aufgehäuft. Das ist mehr als das Eineinhalbfache des Bruttoinlandsproduktes des Landes. Diese Entwicklung dürfte die Zentralbank dazu bringen, eine Überhitzung vermeiden zu wollen. Sie rechnet mit einer anziehenden Preisentwicklung von 0,3 Prozent im vergangenen Jahr auf ein Prozent im laufenden und 1,5 Prozent im kommenden Jahr auf Jahresbasis.

ANZEIGE

In Norwegen sind auf Grund der tiefen Zinsen ähnliche Zustände wie in den Vereinigten Staaten zu beobachten: Starkes Kreditwachstum, viele Neubaubeginne und schnell steigende Häuserpreise. Aus diesem Grund hatte die OECD schon im Mai höhere Zinsen in Norwegen angemahnt. Norwegen ist eine der reichsten Nationen in Europa. Sie profitiert in erster Linie von den Einnahmen aus Öl- und Gasverkäufen.

Alleine aus diesem Grund tendiert die Währung des Landes dazu, aufzuwerten. Früher oder später müssen die Dollareinnahmen in die heimische Währung transferiert werden. Allerdings wehrt sich die Exportindustrie gegen eine zu starke Währung, da sie fürchtet, ins Hintertreffen zu geraten. Auf dieser Basis dürfte die Versuchung groß sein, bei der Leitzinsentwicklung auch die Lage am Devisenmarkt im Blick zu halten und ein Überschießen zu vermeiden. Grundsätzlich dürfte die Krone freundlich tendieren.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot
ANZEIGE