Devisen

Zloty - Währung des Jahres 2004

29.12.2004
, 12:26
Der Euro sorgte in den vergangenen Jahren und Monaten auf Grund seiner Stärke gegen den Dollar für Schlagzeilen. Dabei gab es noch deutlich stärkere Währungen. Zum Beispiel der Zloty, der Rand oder auch der Forint.
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Alle Welt schreibt, jammert oder freut sich gar über die Stärke des Euro gegen den Dollar in den vergangenen Jahren und in den vergangenen Wochen. Noch nie waren so viele Einheiten der amerikanischen Währung notwendig gewesen, um einen Euro erwerben zu können, wie in den vergangenen Tagen.

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Die Kritiker dieser Entwicklung blicken vor allem auf die europäische Exportindustrie, die auf Grund dieser Entwicklung an internationaler Wettbewerbsfähigkeit einbüße. Denn es werde immer schwieriger, die in Europa hergestellten Produkte in Amerika, Asien oder in den anderen Teilen der Welt abzusetzen.

Starke Währungen haben nicht nur Nachteile

Das dürfte allerdings eine etwas oberflächliche und auch einseitige Betrachtungsweise sein. Denn erstens geht der größte Teil der europäischen Exporte in den europäischen Binnenmarkt, so daß die Währungsverschiebungen kaum eine Rolle spielen. Außerdem bietet eine starke Währung auch gigantische Vorteile. Beispielsweise dann, wenn es um den Einkauf von Rohstoffen geht. Sie werden in der Regel in Dollar gehandelt und sind in den vergangenen Wochen und Monaten in Dollar gerechnet vielfach unheimlich teuer geworden. Der starke Euro hat diesen Preisanstieg für europäische Unternehmen und auch Konsumenten deutlich abgefedert.

Bild: Bloomberg

Blickt man über den Tellerrand und die mediale Dollarhype hinaus, so wird man auch feststellen können, daß nicht nur der Euro gegen den Dollar massiv an Wert gewonnen hat. Andere Währungen - allen voran der polnische Zloty - haben in den vergangenen Monaten noch deutlicher zugelegt. Und niemand scheint sich bisher ernsthaft darüber aufzuregen.

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Im Gegenteil, sowohl Polen, als auch Südafrika, Ungarn, Island, die Slowakei, Kolumbien und auch Tschechien blicken auf solides Wirtschaftswachstum und scheinen von den starken Währungen eher zu profitieren, als daß sie schaden. Das mag damit zusammenhängen, daß diese Länder nicht alle so stark vom Welthandel abhängig sind wie Deutschland. Auf der anderen Seite zeigen sich die Vorteile der Aufwertung der Währung deutlich in Südafrika. Denn dort dämpfte die starke Währung den Importpreisdruck so stark, daß die Zentralbank die Zinsen auf ein für das Land tiefes Niveau senken konnte.

... sondern auch Vorteile

Im historischen Vergleich tiefe Zinsen führten inzwischen zu einer deutlich anziehenden Binnennachfrage. Das heißt, das Land lebt immer mehr von der sich im inneren entwickelnden wirtschaftlichen Eigendynamik aus zunehmendem Wohlstand und dem dadurch induzierten Konsum. Das ist genau der Effekt, der in Deutschland bisher nicht zu beobachten ist. Denn hierzulande führen vor allem die politische Unsicherheit über die Auswirkungen sowieso nur halbherziger Reformen zu einem Konsumstau, der die Wirtschaftsentwicklung deutlich hemmt. Er dürfte sich nur dann auflösen, wenn die Politik Reformen beherzter und entschlossener anpackt.

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Das peinliche Scheitern der Föderalismuskommission bei der Neuordnung von Kompetenzen zwischen Bund und Ländern spricht Bände. Im Kern sind nicht nur die Kompetenzen neu zu ordnen, sondern manche Länder und Behörden gehören schlicht und einfach aufgelöst. Denn sie kosten mehr als sie bringen.

Aus diesem Grund dürfte es wenig verwundern, wenn sich die Wirtschaft und damit auch die Währungen jener Staaten in Zukunft stärker entwickeln, die innovativer und deutlich effizienter sind als die Mitglieder der Europäischen Union.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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