Devisenmarkt

Der Forint steckt eine weitere Zinssenkung weg

25.01.2005
, 18:34
Der Chart zeigt die Entwicklung der Parität Euro-Forint
Die ungarische Notenbank hat ein weiteres Mal ihre Leitzinsen gesenkt. Aber obwohl das schon die achte Zinssenkung seit März 2004 ist, kann sich die Landeswährung Forint bisher ganz gut halten.
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Die ungarische Notenbank hat jetzt schon zum achten Mal seit März 2004 ihre Leitzinsen gesenkt. Konkret wurde der Satz dieses Mal von 9,5 auf 9,0 Prozent gesenkt. Nachdem die Inflation im Dezember mit 5,5 Prozent auf den tiefsten Stand seit Oktober 2003 gesunken ist, sah die Notenbank offenbar kein Hindernis mehr für einen weiteren Zinsschritt nach unten.

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Auch am Markt war dieser Schritt allgemein erwartet worden. Das fehlende Überraschungsmoment ist dann möglicherweise auch ein Grund, warum der Forint die Maßnahme locker weggesteckt hat. Mit Kursen von 246 Forint präsentiert er sich zum Euro weitgehend stabil. Die ungarische Landeswährung verhält sich somit genauso wie schon in den vergangenen Monaten. Da hatten die Zinssenkungen nur dazu geführt, den zuvor zu beobachtenden Aufwärtstrend zu stoppen, waren aber nicht in der Lage, ihn umzukehren.

Nach wie vor lockt ein Zinsvorsprung Anlagekapital ins Land

Die letztlich konstruktive Haltung hat zum einen vermutlich damit zu tun, daß Ungarn auch jetzt noch immer die höchsten Leitzinsen in ganz Europa zu bieten hat, was Anlagen im Forint weiter interessant macht. Und außerdem herrscht jetzt die Annahme vor, daß die Notenbank nun zunächst etwas vorsichtiger agieren und der Zinsvorsprung somit auch weiterhin erhalten bleiben wird.

Sorglosigkeit ist deswegen mit Blick auf den traditionell schwankungsfreudigen Forint aber nicht angesagt. Fundamental betrachtet erweisen sich die jeweils zu hohen Defizite im Staatshaushalt und in der Leistungsbilanz als hartnäckige Belastungsfaktoren. Aktuell stehen diese Faktoren zwar nicht im Mittelpunkt des Interesses der Investoren, aber das kann sich jederzeit wieder ändern. Insbesondere dann, wenn die Regierung nicht aufhören sollte, an der Unabhängigkeit der Notenbank herumzudoktern.

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Rückstufung des Ratings belegt die Probleme

Daß die genannten Punkte nicht auf die leichte Schulter genommen werden sollten, zeigt sich auch an der kürzlich getroffenen Entscheidung der Ratingagentur Fitch, die Einstufung der auf Forint lautenden Langfristverbindlichkeiten des ungarischen Staates auf “A“ von “A+“ gesenkt und den Ausblick zugleich auf stabil (negativ) zu ändern. Denn zur Begründung für den Schritt wurde ausdrücklich auf das beträchtliche und anhaltende Haushaltsdefizit verwiesen, welches die öffentliche Verschuldung erhöht, das volkswirtschaftliche Gleichgewicht gestört und das Leistungsbilanzdefizit ausgeweitet habe.

Am Devisenmarkt hat diese Bürde bisher zwar noch nicht nachhaltig durchgeschlagen. Eine echte Probe würde auf den Forint aber vermutlich dann warten, wenn er das bisherige Jahrestief von 148, 6 Forint zum Euro unterschreiten sollte. Sehr positiv zu seinen Gunsten zu werten wäre es dagegen, wenn er es schaffen sollte, zur Euro das Vorjahreshoch von 243,8750 Forint zu überwinden.

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Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @JüB
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