Devisenmarkt

Der Ölpreis zieht die norwegische Krone nach unten

19.12.2008
, 15:56
Die norwegische Krone hat zum Euro seit Ende August fast 20 Prozent verloren. Auch Überschüsse in der Leistungsbilanz und im Staatshaushalt konnten den Absturz nicht verhindern. Was derzeit einfach schwerer wiegt ist der stark gefallene Ölpreis.
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Wenn eine Währung in etwas weniger als vier Monaten fast 20 Prozent an Wert gegenüber dem Euro verliert und dabei auf das tiefste Niveau seit mindestens 1991 absackt, dann bringt man das als Beobachter zunächst mit einer Bananenrepublik in Verbindung. Doch in diesen turbulenten Börsenzeiten ist nichts und niemand vor volatilen Kursausschlägen in dieser Größenordnung gefeit.

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In diesem Fall ist von der norwegischen Krone die Rede, deren Notiz zum Euro sich von Februar 2008 bis November 2008 nur in einer relativ engen Bandbreite von 13,00 bis 11,28 Euro pro 100 Kronen bewegte und nunmehr nur noch 10,16 Euro kostet. Der jetzt erlittene massive Wertverlust ist auch deshalb erstaunlich, weil das ölreiche skandinavische Land mit Überschüssen im Staatshaushalt und in der Leistungsbilanz aufwarten kann. Hinzu kommen ein mit 180 Milliarden Euro bestückter Stabilitätsfonds und eine Arbeitslosenquote von 2,0 Prozent im November.

Konjunkturelle Dynamik lässt nach

Doch Pluspunkte wie diese haben die Akteure am Devisenmarkt ganz offensichtlich zuletzt wenig interessiert. Sie orientierten sich anscheinend mehr am Ölpreis, dem wichtigsten Exportgut Norwegens. Dieser ist zuletzt bekanntlich von einem noch im Sommer gültigen Rekordniveau von knapp 150 Dollar je Barrel in der Spitze bis auf unter 40 Dollar eingebrochen. Für die norwegische Krone ist das eine schwere Bürde, korrelierten die Kursausschläge zum Dollar in der Vergangenheit mit einer hohen Rate von 80 Prozent mit der Ölpreisentwicklung (siehe Chart).

Bild: Datastream

Weil der Konjunkturboom der vergangenen fünf Jahre auch stark vom hohen Ölpreis profitierte, ist naheliegend, dass ein fallender Ölpreis Bremsspuren hinterlassen wird. Nach einem Wirtschaftswachstum von beachtlichen 6,2 Prozent im Vorjahr dürfte die Dynamik schon in diesem Jahr deutlich nachlassen. Die Volkswirte bei Goldman Sachs rechnen für 2008 nur noch mit einem Plus von 2,3 Prozent. Und 2009 sowie 2010 sollen die Zuwachsraten den aktuellen Schätzungen zufolge sogar nur 0,1 und 1,2 Prozent betragen.

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Rekordverdächtige Zinssenkung

Auch die Notenbank befürchtet offenbar eine spürbare konjunkturelle Abschwächung. Sonst hätte sie wohl kaum in dieser Woche ihre Leitzinsen gleich um rekordhohe 175 Basispunkte auf drei Prozent gesenkt. Auch dieser drastische Zinsschritt belastete natürlich die Krone, wie der größte Tagesverlust zulasten der norwegischen Landeswährung seit der Einführung des Euro in Reaktion auf den Zinsbeschluss belegt. Doch weil auch die Europäische Zentralbank, deren Leitzins derzeit bei 2,5 Prozent liegt, weiter unter Zugzwang steht, dürfte letztlich ein gewisser Zinsvorsprung der Krone verglichen mit der Euro-Zone erhalten bleiben.

Relativ gut schneidet das Land im relativen Vergleich auch beim Wirtschaftswachstum ab. Zumindest liegen die erwähnten Schätzungen für das Bruttoinlandsprodukt von Goldman Sachs deutlich über dem für 2009 für Euroland erwarteten Minus von 1,2 Prozent. Sehen lassen kann sich vermutlich zudem auch weiterhin die Leistungsbilanz. So sagt Goldman Sachs für 2008 einen Überschuss gemessen am Bruttoinlandsprodukt von 16,0 Prozent und für die beiden folgenden Jahre von 8,9 und 15,4 Prozent.

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Punkte wie diese sprechen dafür, dass bei der norwegischen Krone inzwischen nach unten übertrieben wird. Das sieht auch Paul Robson, Währungsstratege bei der Royal Bank of Scotland so: „Die norwegische Krone ist mittlerweile eine ziemlich interessante Wette gegenüber dem Euro.“ Bevor man sich entsprechend positioniert, sollte aber erst abgewartet werden, bis die Notiz den völlig intakten charttechnischen Abwärtstrend beendet. Und ob und wann das gelingt, wird wiederum stark davon anhängen, wie es mit dem Ölpreis weitergeht.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @JüB
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