Devisenmarkt

Die Alternative zu einem moderaten Dollar-Abstieg ist ein starker Verfall

04.10.2004
, 08:20
Der Chart zeigt die Entwicklung der Parität Euro-Dollar
Amerika lebt über seine Verhältnisse, was laut Goldman Sachs langfristig nicht durchzuhalten ist. Für eine Korrektur halten die Analysten eine Dollar-Abwertung von bis zu 31 Prozent für unausweichlich.
ANZEIGE

Nach einem Anstieg von 13,4 Prozent auf handelsgewichteter Basis zwischen Februar 2002 und Januar 2004 hat der Dollar in diesem Jahr bisher um 3,44 Prozent aufgewertet. Gleichzeitig deutet sich an, daß das amerikanische Leistungsbilanzdefizit dieses Jahr sechs Prozent gemessen am Bruttoinlandsprodukt betragen könnte. Und auch die Nettoverschuldung Amerikas im Ausland, die sich im Vorjahr auf 22,1 Prozent vom BIP belief, dürfte weiter steigen.

ANZEIGE

Dabei sind aus Sicht der Analysten Jim O´Neill, Alberto Ades und Monica Fuentes von Goldman Sachs zwei Dinge klar: Solche Ungleichgewichte können mittelfristig nicht bestehen bleiben und zu ihrer Korrektur wird eine weitere Abwertung des Dollar erforderlich sein. Die Frage ist nur, wie stark diese Bewegung ausfallen wird.

Korrekturbedarf von bis zu 31 Prozent

Den eigenen Berechnungen zufolge, müsse der Dollar auf handelsgewichteter Basis um 20 Prozent abwerten, damit sich das Leistungsbilanzdefizit auf wieder vertretbare drei Prozent vom BIP ermäßigt. Noch ungünstiger für den Dollar fällt die Berechnung aus, wenn die Nettoposition der Amerikaner bei der Auslandsverschuldung verbessert werden soll. Auf Basis einer im Schnitt um 2,5 Prozent steigenden amerikanischen Nachfrage und einer um 3,1 Prozent steigenden Auslandsnachfrage müßte der Dollar dann sogar um 31 Prozent abwerten.

Erst im Jahr 2009 könnte der Dollar dann wieder an Stärke gewinnen und an die im Jahr 1997 gültigen Kursniveaus anknüpfen. Insgesamt dürfte sich der Dollar auf Notierungen einpendeln, die um 16,5 Prozent unter dem handelsgewichteten Hoch des Jahres 2002 liegen. Das würde zur Annahme passen, daß der Dollar in seinem Hoch um 14,8 Prozent überbewertet war, so daß eine Abwertung nur einer Normalisierung gleichkäme.

ANZEIGE

Selbst vorteilhafte Szenarien verlangen eine weitere Abwertung

Zum besseren Verständnis: Langfristige Untersuchungen zeigen, daß sich das Leistungsbilanzdefizit bei einer Abwertung des realen Dollar-Index um ein Prozent um 0,06 Prozent verringert. Ein Anstieg der amerikanischen Importnachfrage erhöht das Defizit dagegen um 0,13 Prozent, während es durch einen Anstieg der ausländischen Nachfrage um 0,10 Prozent gedrückt wird. Diese Zahlen zeigen laut Goldman Sachs, was für eine wichtige Rolle einer Dollar-Abwertung zur Eingrenzung des Defizits zukommt, falls weder die Nachfrage aus dem Ausland markant steigt oder die Importnachfrage spürbar nachläßt.

Selbst wenn die Konjunktur in Amerika einbrechen und als Folge davon die Importe deutlich sinken sollten, wäre gemäß den Goldman Sachs-Analysten noch immer ein Rückgang des Dollar gemessen am derzeitigen Niveau von 13,6 Prozent nötig.

Dollar noch nicht am Ende seines Abstiegs angelangt

Die Zahlen zum Handelsbilanz- und Leistungsbilanzdefizit in Amerika sind zuletzt wieder enttäuschend ausgefallen, nachdem sich zwischenzeitlich eine Stabilisierung anzudeuten schien. Das hat sich auf den Dollarkurs aber nicht deutlich niedergeschlagen, weil die amerikanische Landeswährung von der Hoffnung auf eine deutliche Konjunkturerholung und der Aussicht auf steigende Leitzinsen gestützt wurde.

ANZEIGE

Beim detaillierten Blick auf die volkswirtschaftlichen Rahmendaten kommen die Analysten von Goldman Sachs zu dem Schluß, daß Amerika seit 1997 deutlich über seinen Verhältnissen gelebt hat, was die Netto-Auslandsassets angeht. Ob momentan das Umfeld schon für die theoretisch erforderliche Dollar-Abwertung bereitet ist, sei zwar fraglich. Für die Analysten bei Goldman Sachs ist es längerfristig aber schwer vorstellbar, daß der Dollar schon am Ende seines Abstiegs angelangt sein soll.

Quelle: @JüB
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot
ANZEIGE