Devisenmarkt

Die Slowakische Krone ist derzeit einfach nicht zu stoppen

18.11.2004
, 14:10
Der Chart zeigt die Entwicklung der slowakischen Krone gegen den Euro
Ein Hoch nach dem anderen markiert derzeit die slowakische Krone im Verhältnis zum Euro. Der IWF heißt diese Entwicklung gut, die wieder einmal alle jene Anleger bestraft, die gegen bestehende Trends argumentieren.
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Fast täglich legt derzeit die slowakische Landeswährung Krone in ihrem Verhältnis zum Euro etwas zu. Umgekehrt bedeutet das natürlich, daß für den Kauf von einem Euro immer weniger Kronen nötig sind. Wie der Chart unten zeigt, werden dafür inzwischen sogar schon weniger als 40 Kronen gebraucht.

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Im Juni 2002 waren dazu noch rund 45 Kronen erforderlich, was nichts anderes bedeutet, als daß die Krone beständig aufwertet. Dadurch hat sich mittlerweile zu ihren Gunsten ein überzeugender Aufwärtstrend herausgebildet.

Und erfahrungsgemäß macht es wenig Sinn, auf dessen baldiges Ende zu setzen. Da es überzeugende Gründe für diese Entwicklung gibt, ist es zumindest wenig verwunderlich, daß alle jene Akteure, die immer wieder vorschnell auf eine Trendumkehr setzen, zuletzt wieder einmal eines Besseren belehrt wurden.

Die Notenbank gibt sich neuerdings gelassener

Den Exporteuren in der Slowakei wird die Stärke ihre Landeswährung inzwischen zwar vermutlich längst ein Dorn im Auge sein. Schließlich steigen dadurch in Euro gerechnet die Preise der von ihnen angebotenen Produkte. Doch die Notenbank, die als einzige zumindest theoretisch einige Instrumente in der Hand hätte, um dagegen etwas zu unternehmen, hat sich offenbar mit der Aufwertung der Krone abgefunden.

Zumindest hat Notenbankgouverneur Pavel Jusko zuletzt die Bereitschaft signalisiert, die Landeswährung weiter aufwerten zu lassen. „Die Notenbank wird sich nicht gegen die Aufwertung stemmen, solange sie von einer sich bessernden Wirtschaftslage gedeckt wird“, lautete einer seiner jüngster Kommentare.

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Gedeckt wird diese Haltung auch vom Internnationalen Währungsfonds (IWF). Denn der Rat der dortigen Experten an die Adresse der Slowaken lautet, eine Aufwertung zuzulassen, um über die dadurch sinkenden Importpreise die Inflation zu bekämpfen.

Inflation bremst Phantasie auf weitere Zinssenkungen

Barbara Nestor, Strategin bei der Commerzbank, kommentiert dazu: „Seit einigen Monaten greift die Notenbank nicht mehr in den Markt ein. Sie zeigt damit, daß sie bereit ist, die Krone aufwerten zu lassen und auf den IWF zu hören.“ Der IWF argumentiert wie erwähnt vor allem über die noch hohe Inflation. Diese ist im Oktober zwar auf 6,6 Prozent von 6,7 Prozent im Vormonat gesunken. Doch um sich für den Euro zu qualifizieren, gibt es hier noch viel zu tun.

Was die Beurteilung der weiteren Kursaussichten angeht, so spricht neben der vorteilhaften Charttechnik auch das fundamentale Umfeld weiter für die Krone. So dürfte ein voraussichtliches BIP-Wachstum von rund fünf Prozent im Jahr 2005 weiteres Kapital ins Land locken. Außerdem dürften auch vor dem Hintergrund dieser Wachstumsrate weitere Zinssenkungen keinen Sinn machen.

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Drei Mal hat die Notenbank ihren Leitzins in diesem Jahr trotzdem schon nach unten geschleust, was primär mit dem Kampf gegen eine Aufwertung der Krone begründet wurde. Wenn man es im Kampf gegen die Inflation aber ernst meint, macht diese Taktik nicht wirklich Sinn. Sollte das die Notenbank genauso sehen, wäre dies ebenfalls positiv für die Krone.

Wie immer am Devisenmarkt gilt es aber auch hier zu bedenken, daß Devisenkurse in der Regel keine Einbahnenstraßen gleichen, sondern es auch in bestehenden Trends immer wieder zu Rückschlägen kommen kann.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @JüB
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