Devisenmarkt

Dollar ist noch lange nicht über den Berg

10.10.2005
, 19:28
„Steigende Leitzinsen in Amerika stützen den Dollar,“ heißt es immer wieder. Das stimmt, allerdings nur bedingt. Steigende Zinsen können auch schlecht für den Greenback sein, zeigt eine Studie der UBS.
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Seit März des Jahres 2003 haben sich erholende Börsen und eine flacher werdende amerikanische Renditekurve den Risikoappetit der Anleger angeheizt und hochgehalten. Dieser Umstand hat auch dazu geführt, daß sich der Dollar seit Jahresbeginn gegen den Euro und viele andere Weltwährungen erholen konnte, als die amerikanische Zentralbank begann, den Leitzins nach und nach anzuheben.

Glaubt man manchen Strategen, so werden weiter anziehende Zinsen in Amerika den Dollar noch stärker werden lassen. Immerhin geht der Markt inzwischen davon aus, daß der amerikanische Leitzins auch am ersten November und am 13. Dezember um jeweils einen Viertelprozentpunkt auf dann 4,25 Prozent erhöht werden wird. Damit läge er mehr als doppelt so hoch wie in Europa.

Langsame Inversion der Zinskurve: „Dollargütlich“

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Allerdings dürfte die Wechselkursentwicklung nicht alleine von den kurzfristigen Zinsen abhängen, sondern vielmehr von Reaktion des gesamten Kapitalmarktes auf entsprechende Veränderungen. Nach einer Analyse der UBS ist entscheidend, wie der Markt auf die absehbare Inversion der amerikanischen Zinskurve reagieren wird. Sie zeichnen drei Szenarien.

Bild: UBS

Das erste, das „gütliche“, geht davon aus, daß sich die Zinskurve langsam dreht. In diesem Fall rechnen sie mit einem durch so genannte Carry Trades fundierten Dollar, und mit anhaltend hohen Notierungen sowohl am Renten- als auch am Aktienmarkt.

Sollte sich die Zinskurve jedoch im zweiten Szenario rasch invertieren und „versteilen“, wie etwa im Jahr 1994, dann würde der Risikoappetit der Anleger rasch abnehmen. Das könnte beispielsweise dann passieren, wenn steigende Zinsen und hohe Rohstoffpreise den amerikanischen Konsum beeinträchtigen und zusammen mit einem einbrechenden Immobilienmarkt die amerikanische Konjunktur ausbremsen.

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In diesem Fall könnte der Dollar fallen, da ausländische Anleger das amerikanische Leistungsbilanzdefizit nicht mehr finanzieren wollen, obwohl die kurzfristigen Zinsen steigen und die Renditen am langen Ende fallen. Genau dies könnte wohl passieren, wenn die amerikanische Notenbank einen Zinsschritt von mehr als 25 Basispunkten machen würde, wie im Jahr 1994 (siehe Graphik).

Schnelle Inversion oder „Versteilung“: Stark dollarnegativ

Das dritte Szenario unterstellt, daß sich die amerikanische Zinskurve nicht invertiert, sondern steiler wird. Das heißt, sowohl die kurzfristigen Zinsen steigen als auch die Renditen der länger laufenden Papiere, weil sich der Markt vor inflationären Tendenzen fürchtet. Das würde nicht nur die Aktien- und Rentenmärkte in die Bredouille bringen wie im Jahr 1987, sondern auch den Dollar. Denn ausländische Anleger werden in diesem Fall alles tun, aber nicht mehr das amerikanische Leistungsbilanzdefizit finanzieren.

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Das heißt, sowohl für den Dollar als auch die Börsen und den Rentenmarkt gibt es ein deutliches Risiko für die beiden Fälle, daß am Markt die Wahrnehmung aufkommen könnte, die amerikanische Konjunktur werde kollabieren oder die amerikanische Zentralbank (Fed) habe die Preisentwicklung nicht im Griff. In diesem Sinne tanzt die Fed auf einem Hochseil. Sollte sie abrutschen, dürften Anleger über Absicherungsstrategien froh sein.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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