Devisenmarkt

Forint - schwach, aber nicht ungewöhnlich schwach

04.06.2010
, 09:55
Die ungarische Regierungspartei erklärt, die Finanzlage des Landes sei mit der Griechenlands zu vergleichen. Allerdings dramatisiert sie, um von Wahlversprechen abrücken zu können. Die kritische Lage dürfte Anleger kaum überraschen.

Mit einem Kursverlust von 24 Prozent seit Ende Oktober des vergangenen Jahres war der ungarische Forint noch schwächer als der Euro, der in dieser Zeit einen großen Teil seiner vorhergehenden Überbewertung abgab. Aufgrund dieser Kombination gab der Kurs des Forints sogar gegen den Euro etwas nach.

Der Kurs der Währung war schon immer stark schwankungsanfällig. Kurzfristig wird die Volatilität allerdings erhöht durch politische Schlagzeilen. Ungarn habe nur eine „geringe Chance, eine ähnliche Situation wie in Griechenland zu vermeiden, erklärte am Donnerstag Lajos Kosa, ein hochrangiger Vertreter der seit dem 29. Mai regierenden Fidesz- Partei, gegenüber dem Nachrichtenportal Napi.hu. Hauptaufgabe des Kabinetts sei es, einen Zahlungsausfall bei den Staatsanleihen zu vermeiden.

Ungarn musste Anlegern schon immer hohe Renditen bieten

Diese Aussage dramatisiert die finanzielle Lage das Landes allerdings etwas, auch wenn sie noch nie sonderlich gut war. Die Finanzierungsschwierigkeiten sind nicht neu, sondern sie zeigten sich schon immer in den vergleichsweise hohen Renditen, die das Land Anlegern schon immer bieten musste, um sich refinanzieren zu können. Bereits im Jahr 2008 hatte Ungarn ein 20 Milliarden Euro schweres Rettungspaket unter der Federführung des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Anspruch nehmen müssen. Am Mittwoch dieser Woche erklärte die Zentralbank, das Land werde möglicherweise sein angestrebtes Haushaltsdefizit von 3,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im laufenden Jahr nicht erreichen und stattdessen auf die Marke von 4,5 Prozent zusteuern.

Bild: FAZ.NET

Nach Schätzungen aus der Regierungspartei könnte das Haushaltsdefizit Ungarns mit bis zu 7,5 Prozent rund doppelt so hoch sein wie bislang angenommen. Die Regierung werde daher zügig einen Plan zum Umgang mit der Krise vorlegen, hieß es am Donnerstag. Analysten vermuten allerdings, solche Schätzungen dramatisierten die Lage. Der Vergleich mit Griechenland sei schlichtweg nicht nachvollziehbar, das Defizit werde in diesem Jahr fünf und im kommenden Jahr etwa vier Prozent betragen, erklärte etwa David Nemeth von ING. „Das bedeutet aber nicht, dass Ungarn kurz vor dem Bankrott steht.“

Währung etwas unter Druck - allerdings nicht ungewöhnlich

Dagegen wird vermutet, die gerade erst gewählte Mitte-Rechts-Regierung unter Ministerpräsident Viktor Orban wolle sich aufgrund solcher Nachrichten von den Steuersenkungen drücken, die sie im Wahlkampf vollmundig versprochen hatte, „um das Wachstum anzutreiben“. Zu durchsichtig sind Argumente, die Vorgängerregierung der Sozialisten habe viel höhere Schulden hinterlassen als gedacht.

Im Gegensatz zur Währung mussten die Rentenpapiere des Landes bisher nur leichte Kursverluste hinnehmen. Die Prämien, die zum Abschluss einer Versicherung gegen den Kreditausfall des Landes mit einer Laufzeit von fünf Jahren notwendig werden, haben in den vergangenen Tagen angezogen. Allerdings sind sie mit 308 Basis- oder 3,08 Prozentpunkten je Euro Nominalwert der versicherten Anleihen nicht einmal halb so hoch wie die für die Absicherung von Papieren Griechenlands notwendigen.

Grundsätzlich ist die Finanzsituation Ungarns nicht überragend. Allerdings überrascht sie niemanden, während die dramatisierende Darstellung vor allem politisch bedingt ist. Aus diesem Grund sollte die Auswirkung auf den Wechselkurs der ungarischen Währung begrenzt bleiben. Auf der anderen Seite dürfte die Schuldenproblematik in Europa immer wieder für Schlagzeilen sorgen. Vor allem auch deswegen, weil sich gerade in Osteuropa viele Kreditnehmer in ausländischen Währungen verschuldet haben. Aus diesem Grund ist immer mit einer gewissen Wechselkursvolatilität zu rechnen.

Quelle: @cri
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