Devisenmarkt

IWF fordert flexibleren Yuan-Wechselkurs von China

26.08.2004
, 13:58
Der Yuan sollte baldmöglichst frei gehandelt werden, lautet die Botschaft des Internationalen Währungsfonds an China. Eine derartige Maßnahme könnte dabei helfen, die Inflation und das Wirtschaftswachstum zu bremsen.
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Der Internationale Währungsfonds hat China aufgefordert, die Bindung des Yuan an den Dollar „ohne unangemessene Verzögerung" zu lockern, um die Inflation zu bekämpfen. „Das wird die Effizienz der Geldpolitik beim Dämpfen der Inlandsnachfrage und des Preisdrucks erhöhen, und die Fähigkeit der Wirtschaft stärken, Schocks zu verkraften", schreibt der IWF in seinem Jahresbericht zu Chinas Wirtschaft.

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China hat den Yuan seit 1995 zu einem Kurs von 8,3 Yuan je Dollar an die amerikanische Währung gekoppelt, das hat die Exporte auf Touren gebracht und dem Land im Vorjahr einen Rekordhandelsüberschuß von 124 Milliarden Dollar gegenüber Amerika beschert. Analysten rechnen allerdings nicht damit, daß die chinesische Regierung die Dollar-Bindung des Yuan beendet, weil sie mehr Zeit braucht, um die Banken zu stabilisieren. „China wird sagen, ja, wir verstehen das und schätzen den Rat", sagt Arthur Lau, Analyst bei Barclay Capital in Singapur. „Im Endeffekt werden alles beim alten bleiben."

IWF rechnet mit positiven Effekten bei einer Aufwertung

Die chinesische Volkswirtschaft wird dieses Jahr neun Prozent wachsen, erwartet der IWF, verglichen mit 9,1 Prozent im Jahr 2003. Für 2005 geht der IWF von einer Wachstumsrate von 7,5 Prozent aus. Einige der 24 Mitglieder des IWF-Vorstands drängten darauf, daß China den Wechsel zu einem flexiblen Wechselkurs möglichst bald vollzieht, um von der stabilen Wirtschaft zu profitieren und negative Effekte auf das Wachstum und den Arbeitsmarkt zu begrenzen.

„Scheller wäre wahrscheinlich besser, um sicherzustellen, daß das Wirtschaftswachstum schön gebremst wird", sagte Steve Dunaway, stellvertretender Direktor des IWF in der Region Asien-Pazifik, in einer Telefonkonferenz. Seiner Auffassung nach gibt es jedoch wenig Anzeichen, daß der Yuan deutlich unterbewertet ist.

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Wäre die chinesische Währung frei handelbar, würde der Kurs innerhalb eines Jahres von 8,1105 Yuan je Dollar auf 8,1075 Yuan anziehen, zeigen Yuan-Termin-Kontrakte ohne Lieferung. Mit den Kontrakten können Investoren auf den künftigen Wert der nicht frei handelbaren Währung setzen oder Yuan-Investments absichern. Am 7. Januar hatte der implizite Wert des Yuan ein Hoch bei 7,762 Yuan je Dollar markiert.

Uneinigkeit über den richtigen Zeitpunkt einer Aufwertung

Nicht einig ist der IWF-Vorstand über den richtigen Zeitpunkt für die Lockerung der Dollar-Bindung des Yuan. „Die volkswirtschaftlichen Daten, die wir beobachten, sind gemischt", erläutert Dunaway unter Bezug auf hohe Investitionen und eine höhere Inflation. Die Teuerung im Reich der Mitte hat im August mit 5,3 Prozent den höchsten Stand seit sieben Jahren erreicht, berichtet das Nationale Statistikamt. Das verstärkt den Druck auf die Zentralbank, die Zinsen anzuheben.

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Auch die Arbeitslosigkeit ist auf dem Vormarsch. In städtischen Gebieten betrug sie im letzten Jahr 4,3 Prozent, das sind 0,3 Prozentpunkte mehr als 2002, berichtet der IWF. „Die größte Herausforderung für die Zukunft wird sein, das starke Potential für eine nachhaltige wirtschaftliche Expansion in China zu schaffen, gleichzeitig das makroökonomische Gleichgewicht zu halten und eine stabile Wirtschaftentwicklung auf breiter Basis zu sichern", so der IWF in seinem Bericht.

Der IWF empfiehlt China, eine Zinserhöhung in Betracht zu ziehen, um die überschüssige Liquidität bei den Banken zu halten. Chinas Zentralbank hat bisher eine Zinsanhebung hinausgeschoben, während sie die Auswirkungen der Kreditbeschränkungen beobachtet, die das Wirtschaftswachstum bremsen sollen. Eine Inflationsrate, die höher liegt als die Finanzierungskosten, dürfte dazu führen, daß Leute Kredite aufnehmen, um Sachgüter zu horten. Der Ein-Jahres-Zinssatz in China liegt bei 5,31 Prozent, zuletzt angehoben wurde er im Juli 1995. „Wir beobachteten eine größere Notwendigkeit für zusätzliche geldpolitisch restriktive Maßnahmen", erklärte Dunaway.

Chinas Volkswirtschaft beinhaltet neben großen Chancen auch viele Risiken

Ein sogenanntes "Soft Landing", bei dem die Wirtschaft gerade so stark wächst, daß eine Rezession vermieden und gleichzeitig die Inflation im Zaum gehalten wird, ist für China noch nicht gesichert, warnt der IWF. Die Investitionen, vor allem in überhitzte Branchen wie Stahl, Zement und Immobilien, lagen in den ersten sieben Monaten 2004 31 Prozent höher als in der Vorjahresperiode.

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Der IWF empfiehlt China, sein Finanzsystem zu verbessern, um sicherzustellen, daß die einheimischen Banken solide und wettbewerbsfähig sind. Außerdem sollte das Land die Corporate Governance verbessern und die Fähigkeit der Banken, mit Risiken umzugehen, stärken, so der IWF. Daneben fordert der IWF strengere Vorschriften für die Kreditvergabe und ein strengeres juristisches Regelwerk für Gläubigerrechte, Zwangsvollstreckung und Insolvenzen. Auch die inländischen Aktien- und Anleihemärkte sollen weiter entwickelt werden.

„Chinas Wirtschaft beschreibt man derzeit besser als "aus dem Gleichgewicht" denn als "überhitzt"", sagte Donald H. Straszheim, Präsident von Straszheim Global Advisors Inc., in einem Interview mit Bloomberg News.

Die Chinesen grübeln noch über die richtige Strategie

Bei chinesischen Regierungsvertretern, unter ihnen Zentralbankgouverneur Zhou Xiaochuan, ist seit zwei Jahren die Flexibilisierung des Wechselkurses und der Austausch des Dollars als Ankerwährung gegen einen Währungskorb im Gespräch. Die Regierung hat angekündigt, den Yuan schließlich frei handelbar zu machen, ohne jedoch einen Zeitplan anzugeben, mit der Begründung, erst müsse das Bankensystem saniert werden, bevor der Yuankurs flexibilisiert werden kann.

„Ihre Befürchtung - und ich denke, es ist eine sehr berechtigte Befürchtung - ist, daß wenn sie zulassen, daß Kapital aus ihrem Bankensystem abfließt, die Anleger, die Bankguthaben in Yuan halten, diese Gelder abziehen" und ins Ausland transferieren, sagte der amerikanische Finanzminister John Snow am 19. August. „Das würde den Wert des Dollar nach oben treiben" und so genau das entgegengesetzte Ergebnis erzielen, führte er aus.

Quelle: Bloomberg
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