Devisenmarkt

Massive Kursverluste des Schweizer Frankens

12.08.2011
, 11:48
Nachdem die Schweizer Nationalbank lange Zeit vom Markt, von Analysten und auch von Journalisten als zahnloser Tiger verspottet wurde, scheint sie nun zumindest kurzfristige Abwertungserfolge zu haben. Es bleiben Zweifel an der Nachhaltigkeit.
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Nachdem die Schweizer Nationalbank lange Zeit vom Markt, von Analysten und nicht zuletzt auch von Journalisten angesichts der massiven Aufwertungsbewegung des Schweizer Frankens als zahnloser Tiger verspottet wurde, scheint sie nun zu handeln.

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Nachdem in den vergangenen Tagen schon eine beachtliche verbale Interventionen in Zusammenhang mit einer überraschenden Leitzinssenkung sowie einer mehrfachen Ausweitung der Liquidität zu zum Teil deutlichen Kursrückschlägen geführt hat, überstürzten sie sich in den vergangenen beiden Tagen.

War der Kurs der Schweizer Währungen schon am Donnerstag im Verhältnis zum Dollar um bis zu 5,7 Prozent gestiegen, so kommt es am Freitag erneut zu deutlichen Kurssteigerungen. Nachdem er über Nacht wieder etwas gefallen war, geht es im Laufe des Vormittags um bis zu drei Prozent nach oben auf bis zu 77,70 Centimes je Dollar beziehungsweise von 1,0688 auf bis zu 1,1047 Franken je Euro.

Bild: Bloomberg

Für diese Entwicklung sind mehrere Faktoren verantwortlich. Erstens ist es die ulta lockere geldpolitische Strategie der Schweizer Zentralbank, die hinter den Kulissen faktisch auch intervenieren mag, um so etwas wie eine Anbindung des eigenen Wechselkurses an den ansonsten so verachteten Euro zu erreichen. Zweitens sind viele spekulative Marktteilnehmer nun zur Anpassung ihrer Positionen gezwungen, nachdem sie sich in den vergangenen Monaten hatten auf die scheinbar sicheren Gewinne aus Wetten auf eine weitere Aufwertung der Schweizer Währung hatten verlassen können.

Diese Kombination kann zumindest kurzfristig zusammen mit der Unterbewertung dazu führen, dass der Franken gegen Euro und Dollar alleine schon aus technischen Gründen noch weiter abwertet. Dazu mag auch eine Skepsis unter Marktteilnehmern beitragen. Sie wollen nach den Erfahrungen der vergangenen Monate nicht wahr haben, dass der Trend nur beendet sein sollte. Der Unglaube dieser Art zeigt sich anhand einer Vielzahl von Analysen, die zusammen davon ausgehen, dass sich die durch die Schuldenkrise ausgelösten Turbulenzen noch weiter fortsetzen werden und die bald wieder zu einer Aufwertung der Schweizer Währung führen werde.

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Es dominiert der Zweifel daran, ob die Schweizer Zentralbank die Nerven haben werde, sich im Zweifelsfalle gegen den massiven Zustrom von Kapital wehren und die damit verbundenen Konsequenzen in Form verzerrender Preissignale in die Binnenwirtschaft tragen zu wollen, sollte es hart auf hart gehen. Viele vergleichen die enormen Summen an Liquidität, die in aller Welt unterwegs sind, mit dem vergleichsweise kleinen Währungsraum der Schweiz. Die Lage sei vergleichbar mit Umschichtungen in die Rohstoffmärkte: Sollte auch nur einer kleiner Teil aus bisherigen Anlage- und Währungspräferenzen umgeschichtet werden, gingen die Preise und Kurse durch die Decke - seien es Schweizer Franken, norwegische Krone, Gold, Silber auch die von Industriemetallen und von Agrargütern.

Dazu komme der permanente Überschuss der Schweiz im Außenhandel und die Repatriierung von Erträgen, die Schweizer Unternehmen - darunter große Weltkonzerne, die bei hartem Franken allenfalls Umrechnungsverluste bei der Bilanzerstellung hinnehmen müssten, während das operative Geschäft kaum davon berührt werde - im Ausland erzielen.

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Interventionen könnten kurzzeitig die Aufwertung gefragter Währungen verhindern, änderten jedoch nichts an der fundamentalen Lage. Komme es nicht zu koordinierten Devisenmarktinterventionen in großem Stile, seien die Maßnahmen der Schweiz und Japans zum Scheitern verurteilt, erklären Devisenmarktanalysten von HSBC, der Citigroup und anderen.

Auf der anderen Seite zeigen sich die ersten Folgen der Schweizer Geldpolitik schon in Form einer unheimlichen Vermögenspreisrally an der Schweizer Börse. Denn dort streben die Kurse am Freitag in einem beinahe mechanistischen Tagestrend nach oben, der SMI hat bis zum Mittag um mehr als vier Prozent zugelegt.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors wieder.

Quelle: @cri
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