Devisenmarkt

Norwegische Krone wird zum Franken-Ersatz

07.09.2011
, 13:22
Die norwegische Krone wertet auf. Sie ist die stärkste Währung der vergangenen vier Wochen. Der Markt werde die Reagibilität der norwegischen Zentralbank testen, heißt es.

Am Devisenmarkt zeichnet sich schon seit längerem ein immer intensiver werdender Abwertungswettlauf ab. Während Japan schon vor Jahrzehnten mit extremen geld- und fiskalpolitischen Strategien auf die durch wirtschaftspolitische Misswirtschaft entstandene Deflation reagierte und versuchte, den Kurs der eigenen Währung zu schwächen, sind in den vergangenen Jahren weitere Staaten auf diese Linie eingeschwenkt.

Das hat zu einer weitgehenden Angleichung der Zinsen weltweit auf sehr tiefem Niveau geführt und dazu beigetragen, dass die Entwicklung der Wechselkurse weniger als in der Vergangenheit von Zinsdifferenzen beeinflusst wird. Dagegen haben Faktoren wie Staatsschulden und die Suche nach Diversifikation und relativer Sicherheit an Bedeutung als Kurstreiber zugenommen.

Norwegische Krone - die stärkste Währung der vergangenen Wochen

Das zeigte sich unter anderem an der massiven Aufwertung des Schweizer Frankens in der jüngeren Vergangenheit. Nachdem nun auch die Schweizer Zentralbank im Wettbewerb um eine schwache Währung in den Ring gestiegen ist, ein Kurzziel zum Euro definiert hat und massiv interveniert, sucht sich der Markt Alternativen. In den vergangenen Tagen scheint er eine in Form der norwegischen Krone gefunden zu haben. Denn sie war zumindest in den vergangenen vier Wochen die stärkste Währung weltweit.

Bild: F.A.Z.

Sie wertete in diesem Zeitraum gegen den Euro um knapp vier Prozent auf, während der Franke aufgrund der Interventionen der Nationalbank um zehn, der polnische Zloty um 4,4 Prozent und der brasilianische Real, dessen Kurs ebenfalls durch Notenbankmaßnahmen beeinflusst wird, um etwas mehr als drei Prozent abwertete. Gegen den Euro befindet sich der Kurs der norwegischen Krone inzwischen auf dem tiefsten Stand seit März des Jahres 2003. Während im professionellen Handel immer weniger Einheiten der norwegischen Währung nötig werden, um eine Einheit der europäischen Einheitswährung zu erwerben, knabbert der Kurs wieder einmal an der unteren Spanne der volatilen Seitwärtsbewegung, in die er in den 90er-Jahren nach einer stetigen Abwertung zuvor übergegangen war.

Krone - sicherer als der Schweizer Franken

Diese Entwicklung wird kaum überraschen, nachdem die Währung Norwegens inzwischen von verschiedenen Währungsanalysten als sicherer als der Schweizer Franken bezeichnet wird. Die Finanzsituation Norwegens sei solider als die der Schweiz, heißt es. Die Arbeitslosigkeit ist gering, das Land erzielt beachtliche Überschüsse im Außenhandel und im Haushalt, es hat kaum Schulden und verfügt über beachtliche Reserven in Form seines Ölfonds. Zudem werde das Land im Gegensatz zur Schweiz nicht durch angeschlagene Großbanken und die damit verbundenen Risiken belastet, erklärt beispielsweise Währungsanalyst David Bloom von HSBC. Er geht davon aus, dass der Markt auf Sicht weiterhin norwegische Kronen kaufen wird. Letztlich werde er die Reagibilität der norwegischen Zentralbank testen.

Die Analysten der UBS erklären, die finanz- und wirtschaftspolitische Lage der Schweiz und Norwegens als kleine offene Volkswirtschaften mit solider Finanzsituation und beachtlichen Überschüssen im Außenhandel ähnelten sich. Ähnlich wie die Schweiz wolle das Land eine starke Aufwertung der eigenen Währung vermeiden. Das zeige sich an einer überraschend ausgebliebenen Zinserhöhung ebenso wie an verbalen Interventionen und Budgetvorschlägen, die den Aufwertungsdruck dämpfen sollten. Gerade diese Kombination jedoch könne auf Sicht zu einer weiteren Aufwertung der Krone führen, heißt es weiter.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors wieder.

Quelle: @cri
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