Devisenmarkt

Überraschende Zinssenkung soll die feste tschechische Krone bremsen

27.01.2005
, 16:27
Der Chart zeigt die Entwicklung bei der Parität Euro - tschechische Krone
Mit einer Zinssenkung hat die tschechische Notenbank den Markt auf dem falschen Fuß erwischt. Die Landeswährung Krone, die wegen ihrer jüngsten Stärke vermutlich das Zielobjekt der Maßnahme ist, gibt bisher aber nur leicht nach.
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Mit der an diesem Donnerstag getroffenen Entscheidung, ihren als Leitzins fungierenden zweiwöchigen Refinanzierungssatz um 25 Basispunkte auf 2,25 Prozent zu senken, hat die tschechische Notenbank die Märkte völlig überrumpelt. Nach einer zuletzt viermonatigen Zinspause und zuvor zwei Zinserhöhungen hatte ein Großteil der Bankvolkswirte erst zur Jahresmitte wieder mit einer geldpolitischen Änderung gerechnet, wobei da dann eher von einer Zinsanhebung als von einer -senkung ausgegangen wurde.

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Wie groß die Überraschung unter den Marktteilnehmern ist, zeigt sich daran, daß Miroslav Plojhar, Analyst bei der Ceska Sporitelna, einer Tochter der österreichischen Erste Bank, in einer Ausarbeitung zu dem Entscheid von einem regelrechten Schock schreibt. „Wir können es kaum glauben. Von Konsistenz in der Geldpolitik scheinen die Verantwortlichen wenig zu halten“, zeigt sich Plojhar völlig perplex.

Marktteilnehmer geben sich völlig überrascht

Bei ihren zunächst etwas ratlos anmutenden Versuchen, die Zinssenkung zu erklären, verweisen Experten auf die voraussichtlichen sinkenden Inflationsraten und als wahrscheinlichsten Grund auf die Stärke der tschechischen Krone. Dafür spricht auch die Tatsache, daß sich Notenbankvertreter zuletzt bereits wiederholt besorgt über deren anhaltende Aufwertung gezeigt hatten.

„Die Entscheidung muß eine Schnellreaktion auf die Entwicklung bei der Krone sein“, mutmaßt auch Radomir Jac, Volkswirt bei PPF AS, der größten privaten tschechischen Finanzgruppe. „Die neuen Prognosen verheißen zwar auch sinkende Inflationsraten, aber die Zinssenkung war zu 90 Prozent von der Stärke der Krone diktiert.“

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Krone reagiert mit etwas nachgebenden Notierungen

Nachdem die Krone am Mittwoch zum Euro mit 29,98 Krone die Marke von 30 Kronen verletzt hat, und diesem Niveau auch psychologische Bedeutung zukommt, kann es gut sein, daß der Vorstoß der Notenbank wirklich primär auf eine Schwächung der Währung abzielt. In einer ersten Reaktion zeigte das vermeintliche Zielobjekt auch Wirkung und schwächte sich bis auf 30,24 Kronen ab.

Ob der jetzigen Zinsschritt aber ausreicht, um der Stärke der Krone, die sich auch in einem lupenreinen intakten Aufwärtstrend Ausdruck verleiht, nachhaltig Einhalt zu gebieten, bleibt abzuwarten. Analyst Plojhar von der Ceska Sporitelnavon zeigt sich diesbezüglich etwas skeptisch. „Die Stärke der Krone basiert nicht auf den Zinsunterschieden, sondern auf anderen Faktoren, die weiter bestehen“, so seine Ansicht.

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Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @JüB
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