Devisenmarkt

Zinsspekulationen treiben die norwegische Krone

09.10.2009
, 19:21
Der erholte Ölpreis und die Aussicht auf eine Zinserhöhung haben der Krone zum Euro seit Ende 2008 ein Plus von fast 17 Prozent beschert. Und der intakte charttechnische Aufwärtstrend lässt Raum für weitere Kursavancen.
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Auf den ersten Blick sieht die Kursentwicklung der norwegischen Krone zum Euro unspektakulär aus. Zumindest erweckt diesen Eindruck die Einjahres-Performance. Denn auf Sicht von zwölf Monaten hat sich die Notiz der norwegischen Landeswährung gegenüber der europäischen Einheitswährung kaum verändert.

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Doch das ist nur die eine Seite der Medaille. Innerhalb der Distanz von zwölf Monaten kam es nämlich zu erheblichen Kursschwankungen. So fiel die Krone von Ende August bis Ende Dezember 2008 erst von 7,90 Kronen auf 9,97 Kronen, bevor sie sich dann bis zum März wieder bis auf 8,59 Kronen befestigte. Und nach einer anschließenden Verschnaufpause hat die Notiz zuletzt wieder an Stärke gewonnen.

Auch zum Wochenausklang reicht es für kleine Aufschläge. Am späten Nachmittag kostet ein Euro 8,3115 Kronen, was einem Tagesplus für die Krone von 0,44 Prozent entspricht. Gemessen an dem Ende des Vorjahres erreichten Tiefstand summiert sich der Anstieg dadurch inzwischen auf 16,6 Prozent. Und da der Dollar allgemein zur Schwäche neigt, demonstriert die Krone natürlich auch gegenüber der amerikanischen Landeswährung Stärke.

Bild: Tai Pan

Inflationsrate im September höher als erwartet

Als Triebkräfte hinter dem Anstieg gelten der erholte Ölpreis, weil das dem ölreichen Land Norwegen (48 Prozent der Exporte entfallen auf Öl) die Staatskassen füllt sowie die Spekulationen auf eine baldige Zinserhöhung. Die jüngsten Äußerungen der Zentralbank wurden jedenfalls als Ankündigung für einen Zinsschritt nach oben bei der nächsten Sitzung am 28. Oktober interpretiert. Und nachdem mit dem ebenfalls rohstoffreichen Australien der erste Vertreter unter den G20-Staaten die Leitzinsen erhöht hat, erhielt diese Spekulation noch zusätzliche Nahrung. Die Analysten bei der Commerzbank haben sich jedenfalls darauf eingestellt, dass die Norges Bank im Oktober die Zinssenkung vom Juni rückgängig macht und die Zinsen um 25 Basispunkte auf 1,50 Prozent anheben wird.

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Was die Inflation angeht, hat die Zentralbank aber eigentlich keinen akuten Handlungszwang. Schließlich die Inflationsrate noch immer unter dem internen Zielwert der Norges Bank von 2,5 Prozent. Allerdings ist die Jahreskernteuerung im September, wie an diesem Freitag mitgeteilt wurde, höher ausgefallen als erwartet. Der Verbraucherpreisindex lag in der Kernberechnung (ohne Energie und bereinigt um Steueränderungen) um 2,4 Prozent über dem Vorjahresniveau. Von Bloomberg befragte Volkswirte hatten eine Rate von 2,0 Prozent prognostiziert, nachdem im August eine Kernteuerung von 2,3 Prozent verzeichnet worden war.

Die Entwicklung an der Inflationsfront könnte die Angst vor Lohn- und Preissteigerung verstärken, welche die Verantwortlichen nach Einschätzung der Commerzbank mit Blick auf die geringer als erwartete Arbeitslosigkeit, die niedrigen Zinsen, die höhere Kapazitätsauslastung und das schwache Produktivitätswachstum vermutlich ohnehin schon umtreibt. Zumal zuletzt auch die Konjunkturdaten eine Stabilisierung signalisierten. So stieg die Produktion im Verarbeitenden Gewerbe im August mit 0,8 Prozent so stark wie seit 16 Monaten nicht mehr. Das schürt die Hoffnung, dass die tiefen Zinsen und das 130 Milliarden Krone schwere Konjunkturpaket ihre stimulierende Wirkung auf den Volkswirtschaft des weltweit fünfgrößten Ölexporteurs nicht verfehlen. Im zweiten Quartal konnte Norwegen zudem die Rezession bereits hinter sich lassen. Und die OECD prognostiziert, dass die norwegische Wirtschaft in diesem Jahr weniger schrumpft als die des Euroraums und 2010 stärker zulegen wird. Konkret dürfte die norwegische Wirtschafsleistung in diesem Jahr um ein Prozent zurückgehen und nächstes Jahr um 0,8 Prozent wachsen.

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Intakter Aufwärtstrend spricht für die Krone

Vor diesem Hintergrund sagt UBS-Analyst Gareth Berry: „Wegen starker Fundamentaldaten und der wachsenden Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung wird die Krone derzeit eindeutig favorisiert.“ Ähnlich klingt auch die Lagebeurteilung von Peter Lucas, Fondsmanager bei RBC Wealth Management. „In einem Umfeld steigender Rohstoffpreise und moderaten Risikoappetits wird die Krone zu den stärksten Währungen weltweit gehören.

Gestützt wird diese Einschätzung im Übrigen auch durch die charttechnische Ausgangslage. Das Chartbild wird dominiert von einem intakten mittelfristigen Aufwärtstrend und ein Anstieg bis zum nächsten wichtigen Widerstandsbereich von 8,10 Kronen erscheint wegen der skizzierten fundamentalen Konstellation nicht völlig abwegig zu sein.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @JüB
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