Edelmetalle

Analysten halten Korrektur bei Gold für überzogen

Von Tim Höfinghoff
30.01.2012
, 17:10
Nachdem sich das Edelmetall stark verteuert hat, gab es viele Gewinnmitnahmen. Leihgeschäfte sind bei den Anlegern derzeit beliebt.

Der Preisanstieg ist beachtlich: Um 10 Prozent hat sich Gold innerhalb der vergangenen vier Wochen verteuert. Zwar gab der Preis des Edelmetalls am Montag nach, weil Anleger Gewinne mitnehmen, wie die Analysten der Commerzbank urteilen. Doch nach dem starken Preisrückgang im vergangenen Jahr haben wieder viele Anleger zugegriffen. "Ich glaube, die Korrektur am Goldmarkt im vergangenen Jahr war überzogen", sagt Rohstoffanalyst Gabor Vogel von der DZ Bank. Grundsätzlich habe sich an der Gemengelage an den Finanzmärkten nicht viel verändert - und deshalb setzten viele Investoren weiterhin auf Gold.

Gold ist als Krisenwährung schon lange begehrt, der Preis steigt seit elf Jahren in Folge. Kein Wunder, dass nicht nur Großinvestoren und Notenbanken viel Kapital in Gold investieren, sondern auch viele Privatanleger Münzen und Barren präferieren. Der Goldpreis kletterte im vergangenen September auf ein Rekordhoch von 1921 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Dann sank der Preis bis auf 1545 Dollar im Dezember, nachdem Anleger die Goldgewinne nutzten, um ihre Liquidität zu erhöhen und Verluste in anderen Anlageklassen auszugleichen. Am Montag kostete Gold rund 1730 Dollar.

Gold profitiert durch mangelnde Anlagealternativen

Mittlerweile sind viele Investoren an den Goldmarkt zurückgekehrt, zumal es wenige Anlagealternativen gibt. Die Zinsen sind sehr niedrig, das spricht für Gold, das keine Zinsen im Vergleich zu Anleihen oder im Vergleich zu Aktien keine Dividenden abwirft. Die amerikanische Notenbank Fed hatte vergangene Woche angekündigt, ihre Leitzinsen aller Voraussicht nach bis Ende 2014 auf einem sehr niedrigen Niveau zu belassen. Auch die Euro-Schuldenkrise belastet die Märkte weiterhin, daher ist Gold als Schutz vor Geldentwertung beliebt.

"Viele spekulativ orientierte Anleger hatten sich im Dezember aus dem Goldmarkt mit hohen Gewinnen verabschiedet", sagt Analyst Vogel, "nun kommen sie zurück und geben dem Goldpreis Auftrieb." Auch die Commerzbank urteilt in einem Bericht, dass der Preisanstieg zuletzt "durch spekulative Finanzanleger begünstigt" wurde: Die Netto-Long-Positionen (also Wetten auf steigende Preise) dieser Anlegergruppe haben sich "auf das höchste Niveau seit sechs Wochen" erhöht. Derweil haben sich die langfristig orientierten Investoren, die vor allem physisch abgesicherte, börsennotierte Goldfonds (Exchange Traded Funds, ETF) nutzen, nicht so stark zurückgezogen. Das hat die Preise gestützt.

Geliehenes Gold

Es gibt noch einen weiteren Grund, der den Goldpreis angetrieben hat: "In den vergangenen Monaten waren Goldleihgeschäfte beliebt", sagt Analyst Vogel. "Marktteilnehmer leihen sich Gold und verkaufen es, um sich mit Liquidität zu versorgen." Inzwischen müssten viele dieser Anleger das Gold zurückkaufen. Viele dieser Geschäfte seien für drei bis sechs Monate angelegt gewesen. "Das Gold wird jetzt zurückgekauft und könnte mit ein Grund dafür sein, dass der Goldpreis zugelegt hat", sagt Vogel.

Quelle: F.A.Z.
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot