Euro-Währungsreserven

Weiter die Nummer zwei

Von Gerald Braunberger
11.01.2012
, 11:55
Euro-Anlagen waren eine Zeitlang international sehr gefragt. Mittlerweile hat sich der Trend umgekehrt. Das wird auf den Kurs Einfluss nehmen.

Die Staatsschuldenkrise im Euroraum hat im dritten Quartal 2011 den Anteil des Euro an den registrierten Währungsreserven geringfügig leiden lassen, aber an der langfristigen Tendenz wenig verändert: Der Dollar bleibt die mit weitem Anstand wichtigste Reservewährung, doch ist ihr Anteil seit dem Jahr 1999 von 71 auf 61,7 Prozent gesunken.

Der Anteil des Euro stieg seit 1999 von 17,9 auf 25,7 Prozent. Alle anderen Währungen kommen zusammen nur auf 12,6 Prozent - wobei hier das Pfund und der Yen die wichtigsten Rollen spielen.

Zahlen mit kleinen Fragezeichen

Die Währungsreserven und ihre Verteilung werden vierteljährlich vom Internationalen Währungsfonds (IWF) veröffentlicht. Es handelt sich um die besten Angaben über die Währungsreserven in der Welt, aber auch sie sind nicht vollständig, weil kein Land gezwungen ist, Angaben gegenüber dem IWF zu machen. Weiterhin gibt es Länder, die dem Fonds einen Gesamtbetrag für ihre Währungsreserven nennen, diesen Betrag aber nicht nach einzelnen Währungen aufschlüsseln.

Für das dritte Quartal 2011 nennt der Fonds ihm bekannte Währungsreserven im Wert von 10.177 Milliarden Dollar, von denen sich aber nur Reserven über 5446 Milliarden Dollar aufschlüsseln ließen. So wurden 3360 Milliarden Dollar Reserven in amerikanischer Währung gehalten, während sich Euro im Wert von 1401 Milliarden Dollar in den Reserven befanden.

Nur Währungen politisch starker Länder eignen sich

"Ich argumentiere schon lange, dass der Abgesang auf den Dollar als führende Reservewährung unbegründet ist", schreibt der in London ansässige Hedgefondsmanager Stephen L. Jen in seinem neuesten Marktkommentar. "Es ist nicht so einfach, eine neue Reservewährung herzustellen."

Jen erinnert daran, dass ein Land, das die führende Reservewährung bereitstellen will, über einen starken Status als Militärmacht verfügen müsse. Die Möglichkeit der Zentralbanken, ihre Bestände an Dollar und Euro zugunsten von Währungen wie dem australischen Dollar oder der norwegischen Krone zu reduzieren, hält Jen für begrenzt, weil die alternativen Märkte allesamt sehr klein seien.

Raus aus Euro-Anleihen

Wie die Europäische Zentralbank (EZB) in ihrem jüngsten Monatsbericht schreibt, haben sich die privaten Kapitalflüsse im Herbst 2011 stark verändert. Zuvor hatten Ausländer noch in großem Umfange Wertpapiere aus dem Euroraum erworben. Seit dem Herbst 2011 wurden jedoch gegenseitige Liquidierungen von Kapitalanlagen registriert: So verkauften Ansässige aus dem Euroraum netto Wertpapiere auf fremde Währung, während ausländische Kapitalanleger ihre Bestände an Euro-Wertpapieren verringerten.

Die Angaben der EZB finden ihre Bestätigung in anekdotischer Evidenz. Zahlreiche Anleger außerhalb Europas haben im vergangenen Jahr ihre Bestände an Staatsanleihen aus der Euro-Peripherie erheblich reduziert. Amerikanische Geldmarktfonds haben ihre ehemals sehr großen Bestände an kurzfristigen Papieren europäischer, und hier vor allem französischer, Banken deutlich zurückgefahren.

Am deutschen Aktienmarkt wurden im vergangenen Jahr umfangreiche Verkäufe nicht zuletzt von amerikanischen Großanlegern registriert. Die Entwicklung dieser Kapitalströme im laufenden Jahr wird fraglos auf die Bewertung des Euro an den Devisenmärkten Einfluss nehmen.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Braunberger, Gerald
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