Finanzmärkte

Koreanischer Won nach Zinserhöhung stärker

09.07.2010
, 10:01
Der südkoreanische Won wertet am Freitag auf. Er profitiert sowohl vom kurzfristig auflebenden Wirtschafts- und Konjunkturoptimismus, als auch von einer etwas überraschenden Leitzinserhöhung. Das Land befindet sich momentan in einem Exportboom.

Das Pendel an den Finanzmärkten hat in den vergangenen Tagen zurückgeschlagen. Wurde die Stimmung zuvor von einem Konjunktur pessimistischen Unterton geprägt, so hat sich das gerade ins Gegenteil verwandelt. Die Marktteilnehmer sind zumindest auf Sicht wieder sehr optimistisch geworden. Gerade die systematischen Händler setzen simultan bei dünnen Umsätzen auf die üblichen Trends.

Sie kaufen Aktien zyklischer Unternehmen, Energie- und Rohstoffkontrakte, verkaufen in der Tendenz Anleihen und wetten auf Währungen rohstoffreicher- und exportorientierter Staaten. In diesem Rahmen werten Währungen wie der australische Dollar, Euro und der koreanische Won auf. Der Won wertet am Freitag gegen den Dollar etwas mehr als ein Prozent auf 1197 Won je Dollar auf und gegen den Euro um 0,75 Prozent auf 1519 Won.

Südkoreanischen Währung vom kurzfristig auflebenden Wirtschafts- und Konjunkturoptimismus beflügelt ....

Der Kurs der südkoreanischen Währung wird nicht nur vom kurzfristig auflebenden Wirtschafts- und Konjunkturoptimismus beflügelt, sondern auch von der ersten Leitzinserhöhung seit Februar des vergangenen Jahres. Die Bank of Korea erhöhte den so genannten Repo-Satz für sieben Tage von zwei auf 2,25 Prozent, nachdem sie ihn zwischen September des Jahres 2008 und Februar 2009 von 5,25 auf zwei Prozent gesenkt hatte.

Südkorea schließt sich Indien, Malaysia und Taiwan an, die in den vergangenen Wochen zins- und geldpolitisch alle schon restriktiver geworden waren, nachdem sich laxe Geldpolitiken und wirtschaftspolitische Stimulierungsmaßnahmen zunehmend in Form steigender Inflations- und Erzeugerpreisraten zeigten. Der Erzeugerpreisindex des Landes lag im Juni bei 4,6 Prozent. Er hatte im Jahr 2008 aufgrund der spekulativen Überhitzung der Energie- und Rohstoffmärkte Werte von bis zu 12,5 Prozent erreicht, war nach dem deflationären Schock der Finanzkrise auf bis zu minus 3,8 Prozent gefallen, nur um danach schließlich wieder deutlich nach oben zu laufen. Die Inflationsrate lag im Juni bei 2,6 Prozent.

Südkorea konnte in den vergangenen Monaten überproportional von den weltweiten Konjunkturprogrammen profitieren. Die Exporte stiegen in kürzester Zeit auf nie zuvor gesehene Rekordwerte. Ende Juni lag der Exportwert nach einem Zuwachs von neun Prozent im Vergleich mit dem Vormonat bei 42,65 Milliarden Dollar. Die Wirtschaft des Landes eist sehr zyklisch. Im Boom nimmt die Exportnachfrage nach den Gütern sowie den Wertpapieren des Landes und damit indirekt nach dessen Währung zu. Auf diese Weise kann sie in solchen Phasen rasch und deutlich aufwerten.

... sowie von einer Zinserhöhung und weiteren geldpolitischen Phantasien

Auf der anderen Seite jedoch beschneidet eine aufwertende Währung nach und nach die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie im internationalen Handel. Aus diesem Grund intervenierte die Zentralbank des Landes in der Vergangenheit immer wieder, um die Währung zu schwächen. Das führte dazu, dass die Fremdwährungsreserven in den vergangnen Jahren im Trend zunahmen und Ende Juni bei 274 Milliarden amerikanischen Dollar lagen. Das entspricht einem Drittel des Bruttoinlandsprodukts des Landes. Sie sind im internationalen Vergleich sehr hoch.

Das Wirtschaftswachstum lag im zweiten Quartal bei etwas mehr als einem Prozent und damit über dem Trendwachstum, sagte Zentralbankgouverneur Kim Choong Soo am Freitag. Das führe zu inflationären Risiken, die von der Nachfrageseite ausgingen, erklärte er weiter. Das Zinsniveau sei ziemlich tief im Verhältnis zum Wachstum und der Preisentwicklung. Allerdings könne die Zentralbank nicht zu rasch restriktiver werden, da die globale Wirtschaftskrise noch nicht vorbei sei. Damit dürfte er recht haben, denn vorlaufende Indikatoren deuten auch in Südkorea auf eine abnehmende wirtschaftliche Dynamik hin.

Kurzfristig dürfte der koreanische Won trotz aller Bemühungen, eine rasche Aufwertung zu verhindern, weiteren Kursauftrieb haben. Alleine schon, weil die Währung deutlich unterbewertet ist. Mittelfristig jedoch kann es zu deutlichen Rückschlägen kommen, sobald die gegenwärtige Phase des Wirtschaftsoptimismus ebenso plötzlich wieder ausläuft, wie sie eingesetzt hat. Ähnliches dürfte für die Börsen des Landes gelten. Der Kospi Index lief in den vergangenen neun Monaten volatil seitwärts, nähert sich allerdings einem möglichen Ausbruch nach oben. Günstig wären die Papiere allerdings nur dann, wenn die Unternehmen des Landes ihre Gewinne so stark steigern könnten, wie optimistische Analysten das unterstellen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors wieder.

Quelle: @cri
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