Goldman Sachs

„Es gibt eine Gold-Blase“

23.02.2012
, 17:00
Jeffrey Currie, Leiter Rohstoffanalyse Goldman Sachs
Der Leiter der Rohstoffanalyse von Goldman Sachs, Jeffrey Currie, spricht über die Gefahren im Goldmarkt und warum der Ölpreis weiter steigt.
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Herr Currie, die Ölpreise sind im Höhenflug, wird es noch teurer?

Wir gehen davon aus, dass der Preis weiter steigt. Auf Sicht von 12 Monaten prognostizieren wir einen Ölpreis von 127,50 Dollar für die Sorte Brent. Klettert der Ölpreis sogar darüber hinaus, sollte dies allerdings die Nachfrage drücken und den Preis senken. Ein Niveau über der 130-Dollar-Marke, verursacht zum Beispiel durch erhebliche Probleme auf der Angebotsseite, würden die weltweite Konjunktur deutlich belasten.

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Treibt nur die Iran-Krise die Preise?

Die Situation am Ölmarkt ist sehr angespannt. Die Lagervorräte sind auf einem niedrigen Niveau, die Produktionskapazität ist beinahe ausgereizt. Außerdem haben Notenbanken wie die EZB mit ihren entschiedenen Maßnahmen dafür gesorgt, dass sich die Lage am Finanzmarkt verbessert. Hinzu kommt, dass die volkswirtschaftlichen Daten aus den Vereinigten Staaten überraschend stark sind, auch die Konjunktur in China hat eine sanfte Landung hingelegt. Es gibt also eine verbesserte Nachfrage in Amerika und China, derweil wurde in Europa eine Verschärfung der Schuldenkrise bislang verhindert.

Muss die Opec mehr Öl liefern?

Saudi-Arabien hat bereits damit begonnen, die Produktion zu erhöhen, um die vom EU-Embargo betroffenen iranischen Liefermengen zu ersetzen. Das Problem ist, die Fördermenge kurzfristig über eine Million Barrel pro Tag hinaus zu erhöhen. Dafür sind große Investitionen nötig. Opec-Länder, die über fast die gesamten Reservekapazitäten verfügen, sind Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und vielleicht auch Kuweit. Saudi-Arabien produziert schon so viel Öl wie seit 30 Jahren nicht mehr. Saudi-Arabien sitzt allerdings nicht auf einer riesigen Menge Öl, die es sofort liefern könnte. Das dauert.

Wohin bewegen sich die Rohstoffpreise allgemein hin?

Wir haben unsere Ertragsprognose für Rohstoffe gesenkt, nicht weil die Fundamentaldaten so schlecht sind, sondern weil die Rohstoffpreise seit Anfang des Jahres schon so stark gestiegen sind. Wir rechnen auf Sicht eines Jahres statt eines Ertrages von 15 Prozent mit 12 Prozent. Das ist immer noch ziemlich viel. Anleger sollten Rohstoffe nach unserer Meinung weiterhin übergewichten.

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Welche Preise steigen am stärksten?

Metalle sollten nicht vor der zweiten Jahreshälfte zulegen. Kurzfristig werden sich Energierohstoffe wie Öl verteuern, ebenso Gold. Das Edelmetall ist wegen des niedrigen Realzinsen unterbewertet, die Opportunitätskosten sind gering. Unsere Jahresprognose für Gold liegt bei 1940 Dollar je Unze.

Der Goldpreis steigt das elfte Jahr in Folge. Gibt es eine Blase?

Wir denken, dass es mit ziemlicher Sicherheit eine Gold-Blase gibt. Die Frage ist wohl eher, wann sie platzen wird. Es ist eine Blase, weil Gold in großem Stil gehortet wird. Die Investoren in den mit Gold hinterlegten börsennotierten Indexfonds (ETF) sind nach den Vereinigten Staaten und Europa inzwischen der drittgrößte Besitzer von Goldreserven auf der Welt. Das Gold in diesen Rohstofffonds kann allerdings leicht auf den Markt zurückkommen. Dann würde die Blase platzen. Solange jedoch die Staatsschuldenproblematik auf beiden Seiten des Atlantiks nicht gelöst ist, werden die Anleger an Gold festhalten. So lange sollte man als Anleger auf steigende Goldpreise setzen.

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China ist der größte Energieverbraucher, wie ist Ihr Ausblick bezüglich der Rohstoffpreise?

Viele Anleger vergessen, dass China nicht nur ein großer Verbraucher, sondern auch ein wichtiger Anbieter von Rohstoffen ist. Es ist davon auszugehen, dass China seine Aluminium-Produktion zurückfahren wird, weil der Strom teurer wird. Mit Blick auf Öl und das Industriemetall Kupfer wird China auch weiterhin für eine hohe Nachfrage sorgen, so dass die Preise zulegen.

Das Gespräch führte Tim Höfinghoff.

Quelle: F.A.Z.
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