NE-Metalle

Preisauftrieb für Aluminium könnte bis 2008 anhalten

08.11.2005
, 18:22
Kapazitätsabbau: Das Hamburger Aluminiumwerk schließt
Aluminiumproduzenten haben es derzeit schwer. Die Energiekosten sind hoch, Bauxit- und Sodapreise steigen, während die Aluminiumpreise sich gemächlich nach oben bewegen. Doch könnte dies für Anleger eine längere Hausse bedeuten.

Alles redet von Gold und Kupfer - doch was populär ist, muß nicht immer am besten laufen. Derzeit steht Aluminium häufig im Mittelpunkt des Interesses der Rohstoffanleger. Seit über zwei Jahren befindet sich das Metall im Aufwärtstrend und krönte seine jüngste Aufwärtsbewegung erst wieder mit einem Zehn-Jahres-Hoch.

Und die Nachrichten aus den Reihen der Produzenten des Leichtmetalls sind derzeit gut. Rio Tinto äußerten vor kurzem erst die Überzeugung, daß die Autarkie Chinas in der Versorgung innerhalb der nächsten zwei oder drei Jahre enden dürfte.

Kapazitätsabbau wegen Kostendruck

Ähnlich äußerte sich Alcan-Vorstand Richard Evans. Aluminium sei in der Preisentwicklung konkurrierenden Metallen in den vergangenen drei bis fünf Jahren hinterher gehinkt. Das spreche dafür, daß beim heutigen Preisniveau noch Spielraum für einen weiteren Anstieg bestehe, allein um die Anpassung an die Wettbewerbssituation wieder zu vollziehen. Ein wenig dürfte dabei auch der Wunsch vater des Gedankens sein, denn die Kostensituation ist derzeit für die Produzenten recht ungünstig.

Bild: London Metal Exchange

Auch sind die Bedingungen für die energieintensive Produktion in Europa nicht besser geworden. Das zeigte sich am Freitag, als der „Aluminium-Gipfel“ zur Rettung der Aluminium-Werke in Hamburg und Stade scheiterten, da der norwegische Konzern Norsk Hydro alle Angebote zur Rettung der Standorte „strikt abgelehnt“ habe, wie der Hamburger Bürgermeister Ole von Beust mitteilte. Die beiden Werke sollen zum Ende des Jahres geschlossen werden. Und es dürften nicht die einzigen bleiben. Auch die Schmelze im amerikanischen Eastalco steht vor dem Aus, weil sie neue Verträge mit den Stromversorgern verhandeln muß.

Steigende Tonerdepreise dämpfen Produktion

Kompliziert ist die Kostenlage auch auf der Rohstoffseite. Die Aluminiumindustrie arbeitet weltweit sehr nahe an der Kapazitätsgrenze. Das macht sie für Störungen anfällig. Außerdem hat es die Spotpreise für Tonerde deutlich nach oben getrieben. Und Michael Widmer von der australischen Macquerie Bank sieht die Tonerdepreise weiter steigen. Denn bis neue Kapazitäten auf den Markt kommen dürfte das Jahr 2007 erreicht sein, so seine Einschätzung.

Das wiederum dürfte auch die befürchteten chinesischen Exporte entmutigen, da zusätzliche Produktion die Tonerdepreise schneller steigen lassen würde. Chinesische Reservekapazitäten von rund 20 Prozent werden derzeit für das Ausbleiben einer Rally wie bei Kupfer verantwortlich gemacht. Die Furcht, daß steigende Aluminiumpreise chinesische Exporte ermutigt, verhindert ein stärkeres Ansteigen der Preise.

Dabei haben diese noch mehr Spielraum, da die chinesischen Schmelzen nicht gerade profitabel sind. Chris Ding, Metall-Analyst von China International Capital, der größten chinesischen Investmentbank, etwa sah in der Drosselung der Produktion das Bemühen, nicht noch mehr Schmelzen in die roten Zahlen rutschen zu sehen und das marode Bankensystem mit noch mehr faulen Krediten zu belasten.

Gute Aussichten

Zudem gehören die Aluminiumschmelzen nicht zu den profitabelsten Fabriken. Ebenso zu berücksichtigen ist die Tatsache, daß Aluminium physisch offenbar nicht knapp ist. Vielmehr, so heißt es, gebe es nicht berichtete Lagerbestände in Rußland und anderenorts. Auch das dürfte eine kupferähnliche Rally verhindern. Widmer geht von einem ausgeglichenen Markt aus, rechnet aber im kommenden Jahr mit einem möglichen Angebotsdefizit.

Alles in allem sieht es danach aus, als ob der Preisauftrieb bei Aluminium noch etwas länger anhalten könnte, als noch im Sommer gedacht, auch wenn er nicht so spektakulär wie bei Kupfer werden dürfte. Für „Aluminium-Anleger“ ist dies aber durchaus eine gute Nachricht.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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