Devisenmarkt

Norwegische Krone versucht aus dem Kursband auszubrechen

25.05.2005
, 14:04
Der Chart zeigt den Kursverlauf der Norwegischen Krone zum Euro.
Die norwegische Krone schickt sich an, gegenüber dem Euro auf den höchsten Stand seit Juni 2003 zu steigen. Werden die Leitzinsen in Norwegen erhöht, könnte der Währung der Ausbruch gelingen.
ANZEIGE

Die Wechselkurse zwischen dem Euro und der norwegischen Krone schwanken normalerweise nur in relativ engen Bahnen. In den vergangenen beiden Jahren bewegte sich der Preis für einen Euro im Bereich zwischen 8,0458 Kronen und 8,8631 Kronen. Die Differenz zwischen dem Tief- und dem Hochpunkt betrug somit gerade einmal gut zehn Prozent. Und wenn es im ersten Quartal 2004 nicht zu einem Ausreißer nach oben gekommen wäre, dann wäre die Schwankungsbreite noch geringer ausgefallen.

ANZEIGE

Doch die jüngste Kursentwicklung beinhaltet jetzt zumindest die Möglichkeit, daß mittelfristig etwas mehr Bewegung in diese Parität kommt. Denn bei einem aktuellen Stand von 8,09523 Kronen ist die norwegische Landeswährung nicht mehr weit davon entfernt, das höchste Kursniveau seit Juni 2003 zu erklimmen.

Sollte der Euro nachhaltig unter 8,0459 Kronen fallen, wäre dies charttechnisch gesehen ein bedeutsames Signal. Schließlich hat sich dieser Kursbereich zuletzt immer wieder als nachhaltige Stütze für die europäische Einheitswährung erwiesen.

Wachstumsaussichten stützen die Krone

Wer nach Gründen sucht, die dafür sorgen könnten, daß der Krone endlich der Ausbruch gelingt, der wird im fundamentalen Umfeld auch fündig. In erster Linie spricht dafür die Aussicht auf steigende Leitzinsen. Geht es nach den Marktbeobachtern, könnte sich die norwegische Notenbank schon an diesem Mittwoch dazu durchringen, verbal eine mittelfristige Zinserhöhung vorzubereiten. Nachdem das Leitzinsniveau seit März 2004 auf einem Rekordtief von 1,75 Prozent konstant gehalten wurde, käme dies nach den zuvor seit Dezember 2002 beschlossenen zehn Zinssenkungen einem Paradigmenwechsel gleich.

Anlaß dazu, die Zinszügel etwas anzuziehen, hätte die Notenbank durchaus. Schließlich präsentiert sich die Volkswirtschaft nach dem Flautejahr 2003 mit einem im Vorjahr verbuchten BIP-Anstieg von 3,5 Prozent und dem für 2004 von der Notenbank erwarteten Plus von 3,7 Prozent wieder in einer robusten Verfassung. Zum Vergleich: Die Euro-Staaten kommen in diesem Jahr vielleicht auf ein Wachstum von 1,2 Prozent.

ANZEIGE

Zinserhöhung deutet sich an

Die Inflationsseite läßt den Verantwortlichen aber im Grunde genommen noch etwas zeitlichen Spielraum. Mit plus 0,8 Prozent sind die Konsumentenpreise im April zwar etwas stärker gestiegen als erwartet, absolut betrachtet ist die Inflation bei einer von der Notenbank für 2005 erwarteten Rate von einem Prozent und von 1,75 Prozent für 2006 aber noch im Zaum. Die jährliche Zielrate liegt jedenfalls bei höheren 2,5 Prozent.

Außerdem werden die Notenbanker bei ihrer Entscheidungsfindung auch die Entwicklung der Krone mit einbeziehen. Zum Schutz der Exporteure ist eine zu starke Krone nämlich unerwünscht. Analystin Elisabeth Holvik von der SEB Merchant Banking rechnet deshalb mit einer vorsichtigen Vorgehensweise: „Sie werden vermutlich den Boden für eine Zinserhöhung bereiten. Gleichzeitig wollen sie aber auch kein zu starkes Zinssignal aussenden, weil sie sich Sorgen um eine zu feste Krone machen.“

ANZEIGE

Die Verbindung aus den Zinsaussichten und den robusten Perspektiven beim Wirtschaftswachstum spricht aber nichtsdestotrotz für eine tendenziell eher weiter feste Krone.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @JüB
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot
ANZEIGE