Rohstoffe

„Der Rohstoffsektor durchläuft einen Super-Zyklus“

25.10.2005
, 10:55
Neigt sich die Rohstoff-Hausse langsam ihrem Ende zu oder befinden wir uns erst mitten in einem langen Super-Zyklus? In der Debatte um diese Frage gehört Merrill-Lynch-Star-Fondsmanager Evy Hambro eindeutig dem Bullenlager an.

Die Hausse im Rohstoffsektor dauert nun schon einige Jahre (siehe Chart: Die Entwicklung der realen Basismetallpreise). Trotzdem werden die Marktteilnehmer immer dann nervös, wenn wie jetzt mit dem Ölpreis ein wichtiger Eckpfeiler dieser Hausse in eine Korrektur eintritt. Bange wird dann immer die Frage gestellt, ob sich der Aufwärtszyklus nicht vielleicht doch langsam seinem Ende zuneigt.

Zur Beantwortung dieser Frage machen wir uns den Rat von Evy Hambro zu nutze. Sein Wort hat Gewicht, gilt der Managing Director von Merrill Lynch Investment Managers doch als einer der besten Kenner der Rohstoffszene. Die beiden von ihm verwalteten Fonds World Mining (ISIN: LU0075056555) und World Gold (ISIN: LU0055631609) sind im Dreijahreszeitraum mit plus 114 und plus 59 Prozent die besten Vertreter unter den in Deutschland zum Vertrieb zugelassenen Branchenfonds. Das Rohstoff-Analystenteam, dem er angehört, ist außerdem das Einzige, das von Forsyth Partners und der S&P Group mit der Bestnote AAA ausgezeichnet worden ist.

Bei so viel geballter Kompetenz dürften alle Rohstoff-Anhänger unter den Anlegern froh darüber sein, daß Hambro für den Rohstoff-Sektor weiter ausgesprochen zuversichtlich gestimmt ist. „Die Industrie erfreut sich nach wie vor der besten Rahmenbedingungen seit einer ganzen Generation“, lautet sein optimistisches Fazit. Die größten Rohstoffunternehmen hätten im Vorjahr mit Rekordergebnissen geglänzt, in diesem Jahr würden diese Rekordzahlen sogar noch einmal übertroffen und auch die Signale für 2006 seien sehr ermutigend, so sein Ausblick.

Gegebenheiten am Goldmarkt sprechen für steigende Preise

Zufrieden stellt Hambro außerdem fest, daß sich die Verantwortlichen anders als früher mit dem daraus resultierenden Geldsegen weitaus disziplinierter umgehen. Es werde nur relativ behutsam in neue Explorationsprojekte investiert, stattdessen werde sehr oft aktionärsfreundlich agiert. So haben seit Juni 2004 alleine die vier großen Branchenvertreter Anglo American, BHP Billiton, Rio Tinto und Xstrata über sieben Milliarden Dollar in Form von Dividenden oder Aktienrückkäufen an die Aktionäre zurückgegeben. „Und so wie ich das sehe, kommt in dieser Hinsicht noch mehr“, meint der Merrill Lynch-Fondsmanager.

Was die Rohstoffe selbst angehe, zeigten sich die Basismetallpreise weiter in einer starken Verfassung. Einige Metalle wie Kupfer (siehe Grafik: Charts im Vergleich Basismetall-Index, Zink, Nickel und Kupfer) werden beispielsweise auf den höchsten Ständen seit Jahrzehnten gehandelt und generell notieren die Preise über ihren langfristigen Durchschnitten. Die Nachfrage in den wichtigsten Abnahmeländern liege beständig über den Erwartungen, während ein Ausbau des Angebots unter anderem durch Streiks und stark steigenden Kosten verzögert werde. Neben den Basismetallen sehe auch sonst beim Blick auf den Sektor alles sehr positiv aus. Beim Eisenerz und bei Kohle gebe es Rekordpreise zu verzeichnen, der Goldpreis sei nach oben ausgebrochen und auch Platin sowie die Schwestermetalle entwickelten sich gut.

Sehr gut demonstrieren lassen sich die aktuellen Kräfteverhältnisse am Rohstoffmarkt am Beispiel des Goldes. Während die weltweite Nachfrage nach diesem Edelmetall steige, sei die Produktion im Vorjahr um vier Prozent (und damit so stark wie seit 1940 nicht mehr) und das Angebot sogar um 14 Prozent gefallen. Mit einem schnell steigenden Goldangebot sei auch weiterhin nicht zu rechnen. Dagegen spreche schon die Tatsache, daß die Goldminen ihre Forschungsbudgets seit 1998 um 76 Prozent gekürzt hätten und die Zahl der Neufunde auf einem Rekordtief angelangt sei. Dieser Umstand stehe in scharfem Kontrast zur stetig wachsenden Nachfrage aus China (siehe Grafik: Chinas Anteil an der weltweiten Nachfrage) und das Land der Mitte hat gemäß Hambro „noch einen weiten Weg vor sich.“ Während Indien für 20 Prozent der weltweiten Nachfrage aufsaugt, kommen aus dem Riesenreich China trotz des starken Wachstums erst drei Prozent der Nachfrage. Vor diesem günstigen Hintergrund traut Hambro dem Goldpreis schon bald den nachhaltigen Sprung über die Marke von 500 Dollar je Feinunze zu.

Analystenprognosen in den vergangenen drei Jahren stets zu vorsichtig

Unter den Marktteilnehmern sei trotz des nachhaltigen Aufschwungs, der nicht nur beim Goldpreis, sondern auch bei anderen Rohstoffpreisen zu registrieren sei, noch immer viel Skepsis zu spüren. Laut Hambro zeigt sich das auch an den Analystenschätzungen. Diese hätten die Preissteigerungen in den vergangenen drei Jahren stets unterschätzt. „Auch jetzt müssen die Analysten wieder ihre Schätzungen für 2006 nach oben anpassen. Aber obwohl sie das teilweise schon getan haben, liegen die Prognosen noch immer unter den aktuellen Preisen“, stellt Hambro verwundert fest. (siehe Tabelle: Prognosen Commodities).

Der entscheidende Punkt, der die Analysten ständig umtreibt, ist die Frage, ob wir uns im Rohstoffsektor bereits in der Nähe der Spitze in einem normalen Zyklus befinden oder erst am Anfang in einem echten Superzyklus. Hambro selbst glaubt an die letztere Variante. Für einen Super-Zyklus spricht aus seiner Sicht das zu geringe Angebot, der anhaltende Konsolidierungsprozeß in der Branche und der China- und Indieneffekt auf die Nachfrage. Trotz aller Unkenrufe wachse die chinesische Wirtschaft weiterhin sehr stark und die Sorge am Markt vor einer Abschwächung des Wachstums erscheine unbegründet. Die Stahlnachfrage aus China beispielsweise dürfte im nächsten Jahrzehnt jedes Jahr um neun Prozent zunehmen.

Stimmen Hambros Schlußfolgerungen, bleiben die Aussichten im Rohstoffsektor rosig. Dabei präsentieren sich die Bilanzen der Unternehmen schon jetzt in sehr guter Verfassung. Die Schulden wurden auf Rekordtiefs abgebaut und die Cash-Flows bewegen sich auf Rekordniveau. Steigende Investitionskosten halten die Unternehmen gemäß dem Merrill Lynch-Experten außerdem von zu ehrgeizigen neuen Explorationsaktivitäten ab. Stattdessen werde viel Kapital in die Konsolidierung der Branche gesteckt und dieser Prozeß dürfte auch künftig anhalten.

Ausgeklügelte Anlagestrategie

Auf der Suche nach Performance für die hauseigenen Fonds setzt man bei Merrill Lynch einerseits auf aktionärsfreundlich agierende Unternehmen und andererseits auf Übernahmekandidaten. So habe man von den Fusionen von Inco und Falconbridge, von BHP Billiton und WMC Resources sowie von Goldcorp und Wheaton River stark profitiert. Laut Hambro werden primär werthaltige Aktien gekauft und Gesellschaften, die von den steigenden Rohstoffpreisen überproportional profitieren. In reine Explorationswerte werde nur vereinzelt, dann aber sehr konzentriert investiert. Sehr gut aufgegangen sei diese Strategie bei kleineren Werten wie First Quantum, Eramet, Grupo Mexiko, Zijin Mining, Oxiana und Aur Resources.

Was die regionale Gewichtung angehe, vertraue man neben einer allgemein globalen Ausrichtung verstärkt auf neue Produzentennationen wie China, Afrika, Indien und die Nachfolgestaaten der früheren Sowjetunion. Australien finde dagegen vergleichsweise wenig Berücksichtigung, was damit zusammenhängt, daß es in Down Under an neuen erstklassigen Abbaugebieten fehlt. Innerhalb des Sektors setzt man bei Merrill Lynch beim Versuch den Vergleichsmaßstab zu schlagen derzeit vor allem auf Metall- und Minenwerte. Über die größten Positionen im World Mining Fonds, denen Hambro übrigens weiterhin einiges Kurspotenzial zubilligt, gibt die angehängte Tabelle (Die zehn größten Positionen im World Mining Fund) Aufschluß.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @JüB
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