Rohstoffe

Gold nicht nur aufgrund der Abkopplung vom Dollar attraktiv

09.09.2005
, 17:00
Seit Januar ist der Preis der Unze Gold in Euro um gut elf Prozent gestiegen
Anders als in den vergangenen Jahren läuft der Goldpreis nicht mehr mit dem Dollar auf- oder abwärts. Dadurch können in Euro rechnende Anleger mit dem Edelmetall schönes Geld verdienen: rund elf Prozent je Unze seit Jahresbeginn.

Für in Dollar rechnende Anleger war Gold immer eine lohnende Angelegenheit: Lief der Dollar etwa gegenüber dem Euro abwärts, stieg der Goldpreis entsprechend. Denn in solchen Fällen wird das Edelmetall für in Euro rechnende Anleger günstiger. Wer mit der Gemeinschaftsdevise kalkulierte, hatte aber wegen der Kursverluste der amerikanischen Währung wenig vom Kursplus bei Gold. Doch seit einigen Monaten ist das anders.

Der Goldpreis hat sich vom Dollar abgekoppelt. Die vergangenen beiden Handelstage stehen stellvertretend für diese Entwicklung: Der Dollar hat gegenüber dem Euro wieder an Boden gewonnen - doch Gold ist trotzdem teurer geworden. Das ist auch am Freitag der Fall. So ist das Edelmetall in Dollar gerechnet seit März um zwei Prozent teurer geworden, während der Dollar zum Euro um etwa 7,25 Prozent aufgewertet hat. Seit Jahresbeginn ist Gold in Euro gerechnet um gut elf Prozent teurer geworden.

Dem Edelmetall kommen dabei nicht nur Käufe von Spekulanten zugute, sondern auch ein rückläufiges Angebot eines Großproduzenten: Weil sich wegen der Aufwertung der drastischen Landeswährung Rand gegenüber dem Dollar () und gestiegener Kosten der Abbau von Gold in vielen Minen nicht mehr lohnt, ist die Produkton eingebrochen; im Frühjahr hatte sie den Stand des Jahrea 1931 erreicht.

Für diese Woche liegt Gold 0,5 Prozent im Plus. Damit steuert das Edelmetall auf den dritten Wochengewinn in Folge zu, wie Bloomberg News anmerkt.

„Stärkere physische Nachfrage“

Die Nachfrage nach Gold ist im zweiten Quartal um 14 Prozent gestiegen, berichtete das World Gold Council. Daraufhin kletterte der Goldpreis am Donnerstag auf 447,40 Dollar die Unze, das ist der höchste Stand seit Dezember 2004. Ein höherer Bedarf bei Juwelieren und Goldkäufe von Investoren, die keine Zinserhöhung der Federal Reserve Bank in Amerika erwarten, haben den Preis für das gelbe Edelmetall in die Höhe getrieben.

Die Anleger setzen darauf, daß die Auswirkungen des Hurrikans Katrina im Süden der Vereinigten Staaten eine Zinsanhebung der Fed unwahrscheinlicher machen. Bleiben die amerikanischen Zinsen unverändert, ist Gold weiter attraktiv als Alternative zu amerikanischen Investments, folgert Bloomberg.

„Die Zahlen vom Gold Council zeigen, daß es eine stärkere physische Nachfrage nach Gold gibt. Das ist sehr positiv für Investoren“, sagte James Moore, Edelmetallanalyst bei TheBullionDesk.com im englischen Kettering, in einem Telefoninterview mit Bloomberg News. Eine Pause bei den Zinserhöhungen der Fed „wird sich positiv für Gold auswirken“, weil sie den Dollar schwächen dürfte, fügte er hinzu.

Die Hochzeitssaison in Indien als Nachfragetreiber

Juweliere decken sich mit Gold ein, um für die kommende Hochzeitssaison in Indien sowie für das Weihnachtsgeschäft in Amerika und Europa gerüstet zu sein, berichtete das World Gold Council, eine Organisation der Goldproduzenten, am Mittwoch. Schmuckhersteller nehmen den größten Teil der Goldproduktion ab, im letzten Jahr entfielen nach Angaben des Analyseunternehmens GFMS Ltd. 68 Prozent der weltweiten Nachfrage auf sie.

Im zweiten Quartal lag die Goldnachfrage bei 949 Tonnen, verglichen mit 835 Tonnen in der Vorjahresperiode, teilte das Gold Council weiter mit. Besonders stark fiel der Anstieg in Indien, dem größten Abnehmer für das Edelmetall, mit plus 47 Prozent auf 277 Tonnen aus. Schmuckhersteller fragten 42 Prozent mehr Gold nach, bei Investoren war der Anstieg mit plus 79 Prozent noch deutlicher. In Südafrika, dem größten Goldproduzenten weltweit, wurde im August zwölf Prozent weniger Gold gefördert als im gleichen Monat des Vorjahres, teilte das südafrikanische Statistikamt auf seiner Website mit. „Die Fundamentaldaten für Gold sehen sehr gut aus“, erklärte Moore.

Analysten uneins

Analysten sind sich aber keineswegs einig über den weiteren Weg des Godpreises: Am Goldmarkt bestehe jetzt die Möglichkeit eines Rückschlags in den Bereich zwischen 430 und 432 Dollar je Feinunze, meint Heraeus in Hanau zu Monatsbeginn. Dies würde zwar die längerfristig nach oben weisende Tendenz nicht beschädigen, doch wäre es eine negative Überraschung für die Haussiers. Derzeit kostet eine Unze 446,70 Dollar. Auf mittlere Sicht könnten sich die Notierungen zwischen 420 und 445 Dollar bewegen. Der Versuch, sie auf eine „höhere Umlaufbahn“ zu hieven, würde dann wohl auf das vierte Quartal verschoben.

Der Goldpreis dürfte bis auf 450 Dollar je Feinunze anziehen, hatte zuvor Barclays Capital verlauten lassen. Das technische Bild erscheine auch in Euro günstig, nachdem die Widerstandszone bei 360 Euro je Unze überschritten worden sei; derzeit kostet die Unze gut 360,50 Euro. Als nächstes Ziel biete sich der Bereich von 370 Euro an.

Anlegern können mit Zertifikaten auf Gold wetten

Wenn Anleger auf einen weiter steigenden Goldpreis setzen wollen, können sie dies mit einer Vielzahl von Zertifikaten tun, wie sie etwa ABN Amro anbietet. Darunter ist ein Gold Quanto-Zertifikat ohne Laufzeitbegrenzung, das gegen Währungsschwankungen abgesichert ist; Euro und Dollar werden 1:1 gesetzt. Dieser Umstand hat seinen Preis: Dieser beträgt 3,7 Prozent des Wertes. Dadurch liegt das Zertifikat im Halbjahresvergleich aber mit 0,8 Prozent im Minus, da der Auftrieb des Goldpreises die Gebühr nicht ausgleichen konnte.

Das einfache, auf den Dollar laufende Open End-Papier hat dagegen von der Aufwertung der Weltleitwährung profitiert und um fast 9,6 Prozent zugelegt. In dieser Performance spiegeln sich die Aufwertung des Dollar um gut 7,8 Prozent und das Plus beim Gold wider. Wer also einen robusten Dollar erwartet, sollte auf das entsprechende Investment setzen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @thwi mit Bloomberg
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