Rohstoffe

Goldpreis nach 22 Jahren kurzzeitig wieder über 500 Dollar-Marke

29.11.2005
, 16:50
Der Preis für Gold hat zum ersten Mal seit Februar 1983 die Marke von 500 Dollar je Unze überschritten. Bei Investoren ist das Edelmetall angesichts zunehmender Inflation gefragt, um das Risiko ihrer Portfolios breiter zu streuen.

Der Preis für Gold hat zum ersten Mal seit Februar 1983 die Marke von 500 Dollar je Unze überschritten. Bei Investoren ist das Edelmetall angesichts zunehmender Inflation gefragt, um das Risiko ihrer Portfolios breiter zu streuen. Hinzu kommt, daß das Angebot nicht mit der Goldnachfrage Schritt halten kann.

Seit Jahresbeginn hat sich Gold 14 Prozent verteuert und weist damit eine bessere Performance auf als der Leitindex Dow Jones Industrial Average oder amerikanische Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit. Marktteilnehmer gehen davon aus, daß der Trend anhalten wird. So rechnet Ron Cameron, Metall-Analyst bei Ord Minnett Ltd. damit, daß der Goldpreis im nächsten Monat auf 525 Dollar zulegt.

„Gold wird von Investoren weltweit immer mehr als Investment-Alternative gesehen“, sagt Wolfgang Wrzesniok- Rossbach, Leiter Marketing bei Heraeus Holding GmbH in Hanau. Investoren kaufen Gold. „um ihre Portfolios stärker zu diversifizieren“.

In der Spitze bei 502,70 Dollar je Unze

In asiatischen Handel stieg der Preis für Gold am Tagesmarkt bis zu 0,8 Prozent auf 502,70 Dollar je Unze. Aufgrund von Gewinnmitnahmen fiel er im Vormittagshandel in London wieder 0,6 Prozent zurück auf 495,90 Dollar. Gold- Terminkontrakte zur Lieferung im Februar verteuerten sich im nachbörslichen Handel in New York am Montag bis zu 0,8 Prozent auf 506,70 Dollar je Unze, das war der höchste Stand seit 1987. Sie bröckelten im Handelsverlauf 0,4 Prozent auf 500,50 Dollar.

„Die Inflation wirkt sich stützend auf den Goldpreis aus“, sagte Misha Collins, Vermögensverwalter bei BT Financial Group, im Interview mit Bloomberg News in Sydney. „Rohstoffe sind bei den Investoren als Investment-Möglichkeit stärker in den Mittelpunkt gerückt und Gold ist dabei besonders attraktiv.“

Zum hohen Preis hat auch beigetragen, daß das Angebot knapp ist. So erklärte der weltgrößte Goldproduzent Südafrika diesen Monat, die Förderung sei im dritten Quartal 15 Prozent geschrumpft, nachdem Stellen gestrichen und Minen geschlossen wurden. Newmont Mining Corp., der weltgrößte Produzent des Edelmetalls, rechnet damit, daß der Preis in den nächsten fünf bis sieben Jahren auf über 1000 Dollar klettern wird. Vor allem die Nachfrage aus asiatischen Ländern übertreffe das Angebot, erläuterte Newmont-Präsident Pierre Lassonde am 27. November.

Bei steigender Inflation auf Gold setzen

Einige Investoren setzen bei steigender Inflation auf Gold, da sie den Wert festverzinslicher Anlagen, beispielsweise Anleihen, aufzehrt. Gold-Terminkontrakte hatten 1980 in New York ein Rekordhoch von 873 Dollar je Unze markiert, als die Verbraucherpreise gegenüber dem Vorjahr zwölf Prozent hochgeschnellt waren.

Zurzeit klettern die amerikanischen Verbraucherpreise auf Jahresbasis 4,9 Prozent, nach 3,7 Prozent im Vorjahr, gab das amerikanische Arbeitsministerium am 16. November bekannt. Dafür verantwortlich ist nicht zuletzt der Ölpreis, der seit Jahresbeginn 31 Prozent zugelegt hat. Die Ölnachfrage gipfelt normalerweise im vierten Quartal, wenn die weltgrößten Volkswirtschaften Amerika, Japan und Deutschland mehr Heizöl einkaufen, um ihre Eigenheime zu wärmen.

Hedgefonds-Manager und andere spekulativ orientierte Investoren haben ihre Wetten darauf, daß der Goldpreis weiter anziehen wird, in der Woche zum 22. November erhöht, geht aus Daten der Commodity Futures Trading Commission hervor. Die so genannten „long positions“ an der New York Mercantile Exchange übertrafen die „short positions“, die auf sinkende Preise setzen, um 162.982 Kontrakte, gab die Aufsichtsbehörde mit Sitz in Washington am Montag bekannt.

Nachfrage nach physischem Gold stark gestiegen

Wie der World Gold Council bekannt gab, ist die Nachfrage nach Goldmünzen, Goldbarren und goldgedeckte Aktien im dritten Quartal 56 Prozent hochgeschnellt. Dabei zog vor allem die Nachfrage aus Ländern des Mittleren Ostens an, deren Erlöse aus dem Ölexport diesem Jahr bis zu 61 Prozent kletterten. Schmuckhersteller, die für 73 Prozent der weltweiten Nachfrage verantwortlich sind, kaufen im zweiten Halbjahr gewöhnlich mehr ein, um sich auf die Heiratssaison in Indien und das Weihnachtsgeschäft einzustellen. Indien hat weltweit den größten Verbrauch an Gold.

Am 15. November kündigte die Zentralbank Rußlands an, ihre Goldreserven aufzustocken. Auch Südafrika und Argentinien überlegen, ihre Goldreserven zu erhöhen. Zentralbanken, vor allem in den Vereinigten Staaten und Europa, halten knapp ein Fünftel des weltweiten Gold-Angebots als Reserven.

Quelle: Bloomberg
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