Rohstoffe

Hoffen auf eine Renaissance des Goldes

26.08.2005
, 18:40
Gold in den vergangenen drei Jahren.
Nicht nur das Weihnachtsgeschäft ist eine Stütze für den Goldpreis. Auch eine Dollarschwäche könnte sich positiv niederschlagen.

Gold wird in den kommenden Monaten immer wieder ein wichtiges Thema an den Finanzmärkten sein. Zum einen sprechen jahreszeitliche Einflüsse bis weit in den Oktober hinein für steigende Preise, da sich die Schmuckhersteller ihren noch nicht voll gedeckten Bedarf für das Weihnachtsgeschäft beschaffen. Zum anderen wird der amerikanische Dollar wohl weiterhin einiges an Bewegung bieten.

Da sich Gold zum Dollar tendenziell so verhält wie eine dritte Währung, ließe eine Schwäche des Greenback die Goldnotierungen anziehen, während ein starker Dollar das Edelmetall eher unter Druck setzen würde. Wegen des steil gestiegenen und womöglich weiter anziehenden Ölpreises dürften die in den nächsten Monaten erscheinenden Zahlen über die amerikanische Handelsbilanz immer höhere Defizite ausweisen, erklären Analysten. Sollte sich diese Voraussage bestätigen, könne der Dollar spürbar unter Druck geraten, was den Goldpreis nach oben tragen dürfte, heißt es.

Angebot der Zentralbanken schrumpft

Auf der Angebotsseite bereiten die währungsbedingt steigenden Kosten der Produzenten besonders in Südafrika Sorgen. Die Bergwerksgewinnung dort und in anderen Ländern, deren Valuten gegenüber dem Dollar fest tendieren, dürfte auf unabsehbare Zeit hinaus insgesamt stagnieren, wenn nicht sogar sinken, erklären Analysten.

Dies wäre an sich noch nicht unbedingt ein Grund für steigende Preise, denn vor allem die europäischen Zentralbanken stehen als potentielle Verkäufer aus ihren Goldreserven Gewehr bei Fuß. Da jedoch mancherorts erwartet wird, daß die Institutionen künftig weniger Gold anbieten, als es ihr Goldabkommen gestattet, könnte das Gesamtangebot an dem Edelmetall wenigstens phasenweise knapper werden und den Preis zumindest stützen.

Auf der Nachfrageseite ist das Bestreben zahlreicher Produzenten, bereits getätigte Sicherungs- oder Vorausverkäufe aus ihrer künftigen Gewinnung durch den Kauf physischen Goldes glattzustellen, seit etwa drei Jahren eine Konstante am Goldmarkt. Diese Käufe werden sich, wenn auch in abnehmendem Umfang, fortsetzen.

Und immer wieder China

Doch eine neue Konstante von nicht abschätzbaren Dimensionen könnte bald hinzukommen. Seit die Führung in Peking den Aufwertungsprozeß für den Yuan in Gang gesetzt wird, mindert sich der auf China und anderen asiatischen Ländern lastende Zwang, den amerikanischen Dollar zur Aufrechterhaltung ihrer Exportchancen zu stützen. Weithin wird die Überzeugung geäußert, daß dies den Beginn einer Neuordnung der enormen asiatischen Währungsreserven markiert. Es wäre nicht verwunderlich, wenn Teile dieser Reserven in Gold angelegt würden, zumal dies eine veritable Absicherung eines Teils der noch verbleibenden Dollarreserven böte.

Doch Experten denken auch an eine mögliche Neuordnung des internationalen Währungssystems, bei der Gold ihrer Ansicht nach mit hoher Wahrscheinlichkeit seinen monetären Charakter zurückgewinnen würde. Sollten die immensen Ungleichgewichte in diesem System, in dessen Mittelpunkt der amerikanische Dollar steht, unkontrollierbar werden, dürfte die Kaufbereitschaft privater Anleger am physischen Goldmarkt sprunghaft zunehmen und den Preis steil nach oben treiben, heißt es.

Der Silberpreis hält sich seit Anfang des Jahres in einem breiten Band, zeigt jetzt aber eine Schwächeneigung, die nach dem Urteil von Analysten den Beginn einer ausgedehnteren Baissephase ankündigen könnte. Die spekulativen Fonds verfügen am Terminmarkt für das Edelmetall schon seit langem über hohe Netto-Kaufpositionen. Händler halten es für wahrscheinlich, daß kein ausreichendes Kaufinteresse vorhanden wäre, wenn diese Engagements liquidiert würden.

Für viele von ihnen sind keine fundamentalen Gründe zu erkennen, die einen Silberpreis im Bereich von sieben Dollar je Feinunze rechtfertigen könnten. Der Bedarf stagniere oder sinke sogar wegen der stark wachsenden Nutzung digitaler Verfahren im fotografischen Sektor. Andererseits nehme die Bergwerksproduktion spürbar zu, denn Silber falle bei der wachsenden Gewinnung von Kupfer, Blei und Zink als Nebenprodukt an.

Quelle: F.A.Z., 27.08.2005, Nr. 199 / Seite 22
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