Rohstoffe

Kakaopreis vor der Erholung?

26.08.2005
, 15:05
Kakao Pflanzung, Elfenbeinküste
Sah es noch bis vor kurzem so aus, als ob es bei Kakao in diesem Jahr eine gute Ernte geben könnte, so hat sich die Lage inzwischen verändert. Es ist ein Angebotsrückgang bei zunehmender Nachfrage denkbar, was den Preis treiben könnte.
ANZEIGE

Der Kakaopreis, der an der Börse New York im Juli auf ein 12-Monatstief abgerutscht ist, steht vor einer Erholung, prognostiziert Rohstoffanalystin Judy Ganes- Chase von J. Ganes Consulting in New York. Der Markt spekuliere darauf, daß wegen der Trockenheit an der Elfenbeinküste und in Ghana die Erntemenge zurückgehen wird. Die beiden Länder liefern 60 Prozent des Weltangebots an Kakao.

ANZEIGE

Der Kakaopreis dürfte auf 1.500 Dollar je Tonne anziehen und in den nächsten Monaten bis auf 1.900 Dollar klettern, wenn die Ernte in den westafrikanischen Ländern „ernsthaften Schaden“ genommen hat, erwartet sie. Am Donnerstag wurde eine Tonne Kakaobohnen am New York Board of Trade bei 1.403 Dollar gehandelt. Die Nachfrage nach dem Schoko-Grundstoff nähert sich auch dem saisonalen Gipfel.

Wetterlage hat sich in Westafrika deutlich verschlechtert

„Bis Mitte Juli war das Wetter in Westafrika ideal für Kakao, so daß eine Super-Ernte erwartet wurde,“ berichtet Ganes Chase, die seit 22 Jahren Rohstoffmärkte analysiert. „Aber danach hat sich die Wetterlage verschlechtert, es gab nur wenig Niederschlag, was die Hoffnung auf eine gute Ernte zunichte machte.“

Bild: Bloomberg

Wenn die Ernte der Elfenbeinküste und in Ghana niedriger ausfällt, sind die Kakaoverbraucher, darunter die schweizerischen Unternehmen Barry Callebaut AG und Nestlé SA, gezwungen, auf ihre Lagerbestände zurückzugreifen. Die Kakao-Reserven waren im September 2004 auf das höchste Volumen seit mindestens vier Jahren angewachsen.

ANZEIGE

Seit dem 12-Monats-Tief von 1.372 Dollar am 7. Juli hat sich Kakao 2,3 Prozent verteuert. Vor einem Jahr waren Kakaobohnen indes noch 18 Prozent teurer. „In den letzten zwölf Monaten war ich negativ für den Markt gestimmt. Ich ging davon aus, daß eine Aufwärtsbewegung nur von kurzer Dauer sein wird,“ erläutert Ganes-Chase. „Jetzt haben sich möglicherweise erstmals seit einem Jahr die Rahmenbedingungen geändert. Die Nachfrage erscheint recht kräftig und wahrscheinlich wird die Ernte doch nicht so toll ausfallen wie ursprünglich angenommen.“

Die weltweite Kakaonachfrage wird in dem Geschäftsjahr bis 30. September das Angebot voraussichtlich um 106.000 Tonnen übersteigen, erwartet Ganes-Chase. Im nächsten Jahr dürfte die Angebotslücke auf 206.000 Tonnen anwachsen, sollte es zu einem „moderaten“ Rückgang des Erntevolumens in Westafrika kommen. Sollte ein „ernsthafter“ Rückgang eintreten, würde die Angebotslücke 323.000 Tonnen steigen.

ANZEIGE

Angebotsrückgang bei zunehmender Nachfrage denkbar

Das Kakaoangebot von der Elfenbeinküste, dem weltgrößten Anbauer, dürfte im kommenden Jahr auf etwa 1,1 Millionen Tonnen zurückgehen, prognostiziert Cropcast Agricultural Services von Earth Satellite Corp. Zuvor war der Wetterdienst für die Landwirtschaft von 1,3 Millionen Tonnen ausgegangen. In den zwölf Monaten bis 30. September belief sich die Erntemenge auf 1,23 Millionen Tonnen.

Darüber hinaus nimmt die Nachfrage nach höherpreisiger dunkler Schokolade zu, die mehr Kakao-Flavonoide enthält. Einige Wissenschaftler schreiben diesen Antioxidantien blutdruck- und cholesterinsenkende Eigenschaften zu. „Wir beobachten ein neues und starkes Interesse an Produkten mit einem hohen Kakaoanteil, insbesondere von erwachsenen Verbrauchern, die nicht so sehr süße Schokoladen wollen,“ berichtete Ernst Tanner, der Vorstandsvorsitzende von Lindt & Sprüngli AG in einer Telefonkonferenz am 23. August.

„Die Risiken für den Kakaopreis sind derzeit nach oben gerichtet,“ erläutert Jonathan Parkman, stellvertretender Direktor Agrarrohstoffe bei Fortis Bank in London. „Bisher hat die Trockenheit in Westafrika meiner Meinung nach noch keinen erheblichen Schaden angerichtet. Aber die Lage muß beobachtet werden.“

Neben einer höher als erwarteten Nachfrage dürfte auch die Gefahr von Unruhen an der Elfenbeinküste eine Rolle bei der Preisentwicklung spielen, sagen Händler. Die Rebellengruppe „New Forces“ erklärte am Donnerstag, daß freie und gerechte Wahlen bis zum Stichtag 30. Oktober nicht möglich seien. Damit ist ein Friedensplan zur Beendigung des seit drei Jahren andauernden Konflikts gefährdet.

Quelle: Bloomberg
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot
ANZEIGE