Rohstoffe

Kein Ende der Hausse absehbar

14.09.2005
, 20:16
Chinas Wirtschaft und generelle Versäumnisse vergangener Jahre treiben die Preise für Rohstoffe in die Höhe. Nicht nur beim Öl, auch bei Edel- und Industriemetallen wird die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage größer.

Nicht nur der Ölpreis, auch die meisten anderen Rohstoffe haben in den vergangenen Monaten kräftig zugelegt - und Experten glauben an eine Fortsetzung der Kursgewinne.

Zwei Faktoren treiben die Rohstoffpreise derzeit: die starke Nachfrage und die Versäumnisse vergangener Jahre. Die gestiegene Nachfrage resultiert Experten zufolge vor allem aus dem Wachstum der chinesischen Wirtschaft. „Wer an weiter steigende Rohstoffpreise glaubt, glaubt an die chinesische Wirtschaft“, sagt Oliver Plein von der DWS, der Fondsgesellschaft der Deutschen Bank.

Angebotsengpässe auch bei Edelmetallen

Nicht nur Öl, auch die Preise für Industriemetalle und bei steigendem Einkommen auch für Agrargüter dürften ihm zufolge von dem Wachstum der chinesischen Wirtschaft profitieren. Auch die Angebotsseite wirke preistreibend: „In den neunziger Jahren waren Investitionen in vielen Rohstoffbranchen wegen der niedrigen Preise und der hohen Renditen bei den Technologiewerten nicht rentabel.

Die dadurch entstandene Investitionslücke führt jetzt zu Engpässen auf der Angebotsseite, die zudem erst mittelfristig geschlossen werden. Das Angebot hat jahrelang von der Substanz gelebt“, erklärt er.

Solche Angebotsengpässe sind auch bei Edelmetallen, vor allem beim Gold, zu erwarten, sagt Norbert Faller von der Fondsgesellschaft Union Investment: „Die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage wird in den kommenden drei Jahren immer größer, zum einen, weil die Nachfrage steigt, aber auch, weil das Angebot sich nicht nennenswert erhöhen wird.“

Stahlpreis steigt

Auch der Silberpreis werde anziehen, auch wenn das Angebot hier derzeit nicht knapp sei - erfahrungsgemäß folge der Preis für Silber dem Goldpreis mit einer Verzögerung von sechs bis acht Monaten. Das mangelnde Angebot an Rohstoffen macht sich auch in den sinkenden Lagerbeständen bemerkbar: So befinden sich die Lagerbestände für Nickel und Kupfer auf langjährigen Tiefständen, was die Preise dieser Metalle zumindest stabil halten dürfte.

Nicht nur bei Öl, Edelmetallen und Industriemetallen, auch bei Stahl dürften in den kommenden Monaten die Preise weiter steigen, meint Faller: „Wir wissen jetzt schon, daß die Stahlproduzenten in Europa ihre Preise zum Oktober um rund 30 Dollar je Tonne erhöhen werden, und auch der Wiederaufbau in New Orleans dürfte die Preise für Stahl weiter nach oben treiben“, sagt er.

Die Rohstoff-Hausse macht sich zumindest in den Portfolios der Anleger bemerkbar, die auf Rohstoff-Fonds gesetzt haben: Betrachtet man die Wertentwicklung der - in ihrer Gesamtheit allerdings sehr heterogenen - Rohstoff-Fonds, so haben diese Fonds im Durchschnitt auf ein halbes Jahr 16 Prozent und auf ein Jahr 36 Prozent erwirtschaftet.

Etliche Anleger haben die Hausse verpasst

Allerdings ist die Wertentwicklung hier je nach Fondskonzeption sehr unterschiedlich: Fonds, die explizit auf das Thema Energie abstellen, haben aufgrund des hohen Ölpreisanstiegs deutlich mehr gewonnen als Fonds, die auf Metalle und Minenwerte setzen. „Wenn jemand auf einen steigenden Ölpreis setzen will, sollte man einen reinen Energiefonds wählen, der weniger an einem Index orientiert ist und auch kleinere und mittlere Unternehmen beimischt.

Wer vorsichtiger ist und kurzfristig durchaus mit einem Rückgang beim Ölpreis rechnet, sollte eher einen breiter aufgestellten Rohstoff-Fonds wählen oder einen Energiefonds, der auch defensivere Versorgertitel beimischt“, rät Gabriele Hartmann von Fondsconsult.

Die Rohstoff-Hausse haben allerdings im vergangenen Jahr etliche Fondsanleger verpaßt: Ausweislich der Zahlen des Bundesverbandes Investment und Asset Management (BVI), der Interessenvertretung der Fondsbranche, sind im vergangenen Jahr fast 330 Millionen Euro aus Rohstoff-Fonds abgeflossen, obwohl 2004 ein gutes Rohstoff-Jahr war. Mit den steigenden Preisen kehren jetzt wohl auch die Anleger zurück: Rund 290 Millionen Euro sind diesen Fonds seit Jahresbeginn zugeflossen.

Quelle: hbe., F.A.Z., 15.09.2005
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