Rohstoffe

Platin-Rally vor dem Ende?

05.12.2005
, 16:12
Der Preis von Platin kannte in den vergangenen Monaten nur eine Richtung: nach oben. Nun wird das Edelmetall in der Automobilindustrie jedoch zunehmend durch Palladium ersetzt. Auch die Nachfrage aus der Schmuckindustrie wird gedämpft.

Innerhalb von vier Jahren hat sich der Preis für Platin mehr als verdoppelt. Doch jetzt droht der Rally die Puste auszugehen. Denn die Automobilindustrie, angeführt von General Motors Corp., setzt auf das preisgünstigere Palladium als Alternative in der Verwendung bei Autokatalysatoren.

Platin findet eine breite industrielle Verwendung, von Katalysatoren in Autoauspuffanlagen bis hin zu Schmuck. Der weltgrößte Platinhändler, Johnson Matthey, schätzt, daß sich Platin in der ersten Jahreshälfte 2006 um 10,5 Prozent auf 890 Dollar je Feinunze verbilligen wird. Zum Vergleich: Der Preis für Palladium liegt bei 270 Dollar je Feinunze. GMKN Norilsk Nickel, der weltgrößte Palladiumproduzent geht davon aus, daß die Nachfrage nach Palladium im nächsten Jahr um 63 Prozent ansteigen wird, da auch Schmuckhersteller verstärkt Palladium statt Platin verwenden werden.

Platin wird in der Industrie zunehmend durch Palladium ersetzt

„Wir erwarten einen deutlichen Nachfragerückgang, da Platin zunehmend durch Palladium ersetzt wird“, sagte Wolfgang Wrzesniok-Rossbach, Leiter Marketing und Vertrieb bei Heraeus Holding in Hanau gegenüber Bloomberg News am 28. November. „Bei diesem Preisniveau ist die Nachfrage nach Platin aus der Industrie nicht sehr hoch.“ Der Preis für Platin am Tagesmarkt fiel am Montagvormittag in London 0,5 Prozent auf 996 Dollar je Feinunze. Zuvor hatte das Edelmetall mit 1.008 je Feinunze den höchsten Preis seit März 1980 erreicht.

Der Platinpreis schnellte in den letzten vier Jahren von einem Tiefstand im Jahr 2001 bei 406,50 Dollar je Feinunze nach oben und legte in diesem Jahr fast 16 Prozent zu. Damit verteuerte sich Platin für die Verbraucher. Gleichzeitig bekamen die Aktien der Bergbauunternehmen einen Schub: Anglo Platinum hat in den vergangenen zwölf Monaten die Wertentwicklung des Morgan Stanley South Africa Index angeführt.

Die Edelmetalle Platin und Palladium, die hauptsächlich in Südafrika und Rußland abgebaut werden, werden in Autokatalysatoren verwendet. Im Schnitt werden pro Katalysator vier bis fünf Gramm eingesetzt, teilte Johnson Matthey mit. Platin wird auch bei der Herstellung von Computerbildschirmen verwendet. Die größte Nachfrage nach Platin haben mit rund 57 Prozent die Hersteller von Autokatalysatoren, gefolgt von der Schmuckindustrie mit 30 Prozent, berichtete Johnson Matthey weiter.

Umicore, weltweit drittgrößter Hersteller von Autokatalysatoren, stellte in diesem Jahr Dieselkatalysatoren vor, in denen sowohl Platin als auch Palladium verwendet werden. „Der Preis für Palladium ist gegenüber Platin sehr niedrig“, sagte Umicore-Sprecher Geoffroy Raskin gegenüber Bloomberg News am 28. November. „Ersetzt man Platin durch Palladium, erhält man einen wesentlich kostengünstigeren Katalysator. Das erlaube der Automobilindustrie auch eine höhere Flexibilität, da sie in Zukunft zwischen den beiden Edelmetallen wählen kann.“ Mit Hilfe der neuen Technik sei Umicore in der Lage, bis zu 25 Prozent des Platins durch Palladium zu ersetzten, sagte Raskin. General Motors hat seine Auspuffsysteme so entwickelt, daß Platin durch Palladium ersetzt werden kann „wenn eines der Metalle zu teuer wird“, teilte GM-Sprecher Tom Hill in Detroit mit.

Hoher Preis dämpft auch Nachfrage aus der Schmuckindustrie

Die Platinpreise dürften auch dadurch unter Druck geraten, daß Autobauer wie Ford Motor und Toyota Motor verstärkt auf die Produktion von Hybridfahrzeugen setzten, die sowohl einen Verbrennungsmotor als auch einen Elektromotor aufweisen. „Wir sehen Hybridfahrzeuge als Belastung für die Nachfrage nach Metallen der Platingruppe“, schrieb Robin Bahr, Metallanalyst bei der UBS in London in einem Bericht am 28. November in London.

Die Platinproduktion bleibt in diesem Jahr um 120.000 Feinunzen hinter der Nachfrage zurück, erklärte Johnson Matthey in einem Bericht am 15. November. Die Produktion blieb aufgrund einer Explosion in einem Platin-Schmelzofen von Anglo Platinum im südafrikanischen Polokwane unter den Schätzungen der Analysten zurück.

Die Nachfrage nach Platin durch die Schmuckindustrie dürfte in diesem Jahr um sechs Prozent auf 2,02 Millionen Unzen zurückgehen, da die Rekordpreise die chinesischen Verbraucher abschrecken dürften. Die Nachfrage nach Palladium hingegen dürfte in China in diesem Jahr um 71 Prozent auf 1,2 Millionen Unzen steigen, schätzte Johnson Matthey. Damit würde sich ein Produktionsüberschuß bei Palladium in diesem Jahr um mehr als 50 Prozent reduzieren auf 650.000 Unzen.

Quelle: Bloomberg
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