Rohstoffe

„Wilma“ treibt Orangensaft auf Rekordhoch

20.10.2005
, 14:23
Orangenernte in Florida
Der Terminkontrakt auf Orangensaft befindet sich auf dem höchsten Stand seit mehr als sechs Jahren. Kein Wunder, denn „Wilma“ nähert sich den Anbaugebieten in Florida. Vergangene Stürme haben schon die Lagerbestände reduziert.
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Mit deutlichen Kursgewinnen machte in den vergangenen Monaten der Terminkontrakt auf Orangensaft am New York Board of Trade auf sich aufmerksam. Alleine im Laufe der Woche ging es um etwas mehr als acht Prozent nach oben auf zuletzt 111,80 Cent je Pfund.

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Das ist ein neues Sechsjahreshoch. Hintergrund dieser Entwicklung sind Befürchtungen, der Hurrikan „Wilma“ könnte die Orangenplantagen in Florida verwüsten. „Wilma“, die mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 281 Kilometer pro Stunde inzwischen als Hurrikan der Kategorie 5 eingestuft wird, bewegt sich Richtung Norden.

Hurrikan nähert sich dem Orangenanbaugebiet

Sie kommt immer näher an Floridas Orangenplantagen heran, berichtete Intellicast.com. „Alle Plantagen in Südwestflorida sind in Gefahr“, erklärte Ronald Oakley Jr., Direktor Fruchteinkauf bei Southern Gardens Citrus in Clewiston, Florida. „Ein Unwetter wie Wilma würde der Branche schwer schaden.“

Bild: Bloomberg

Seit einem Zwischentief bei 54,2 Cents im Mai des vergangenen Jahres hat sich der Preis für Orangensaft mehr als verdoppelt. Auf Sicht eines Jahres haben bisher drei Hurrikane die Produktion in Florida um 38 Prozent reduziert. Florida ist der zweitgrößte Orangenproduzent weltweit nach Brasilien und entsprechend bedeutend für den Markt.

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Das Problem: „Es gibt nichts, was wir dagegen tun können“, sagte Bob Terry, der beim amerikanischen Landwirtschaftministerium zuständig ist für Statistiken zu Zitrusfrüchten. „Der Wind ist das Problem“, weil er reifende Früchte von den Bäumen reißen könnte, führte er weiter aus.

Vergangene Stürme haben schon Lagerbestände reduziert

Die Orangenernte in Florida läuft normalerweise von Oktober bis Juni. Einer der Hauptverarbeiter ist die PepsiCo-Tochter Tropicana Products, die normalerweise rund ein Drittel der Orangenernte in Florida aufkauft. Das Unternehmen will im November mit der Verarbeitung der Früchte zu Saft beginnen.

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Aber nicht nur die laufende Ernte ist gefährdet. Sondern die Hurrikane haben im vergangenen Jahr auch einige Lagertanks beschädigt. Aus diesem Grund sind in den vergangenen zwölf Monaten die Lagervorräte um 30 Prozent zurückgegangen. Mit 149,6 Millionen Kisten war die letztjährige Orangenernte in Florida die kleinste seit 13 Jahren. Im Jahr 2003 wurden noch 242 Millionen Kisten - eine Kiste hat rund 45 Kilo - geerntet.

Insgesamt scheint sich damit schon das Angebots-Nachfrage-Verhältnis verschlechtert zu haben und dürfte vorerst für ein angespanntes Preisniveau sorgen. Sollte der nun auflaufende Sturm für weitere Schäden und folglich zu einer weiteren Verknappung des Angebots führen, könnte der Preis noch weiter anziehen. Ansonsten dürften Gewinnmitnahmen und entsprechende Korrekturen nicht überraschen. In diesem Sinne sollten spekulative Anleger wohl auf der Hut sein. Aber wer auf Rohstoffe spekuliert, dürfte von der starken Volatilität der Kontrakte kaum überrascht sein. Denn das ist gemeinhin im Markt bekannt.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: Bloomberg/@cri
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