Rohstoffe

Winter sollte Öl- und Kaffeepreise treiben

11.11.2005
, 10:16
Der Winter naht und es wird kälter. Das und die Baisse-Positionen der Fonds könnten den Ölpreis wieder treiben. Und Kaffee wird wohl auch wieder vorübergehend teurer.

An den Terminmärkten ist es ruhig geworden. Spektakuläre Preisbewegungen sind selten geworden. Und es ist keineswegs mehr so, daß die Fonds überwiegend auf Hausse setzen. Im Gegenteil, sie halten beachtliche Netto-Baissepositionen zum Beispiel im Energie-Komplex.

Nach Ansicht von Analysten ist es müßig, die Motive der Positionierung der Fonds fundamental deuten zu wollen. Die meisten Fonds gingen nämlich nach Trendfolgemethoden vor, und dies sei ein rein technisches, von fundamentalen Erwägungen nicht getrübtes Verfahren, heißt es.

Fonds setzen bei Öl auf Baisse...

So beschränkt sich die Analyse der Positionierung der Fonds im wesentlichen auf Regeln der „contrary opinion“ (gegensätzliche Meinung). Verkürzt sagt sie, daß das, was die Mehrheit an den Märkten unternimmt, nicht mit Erfolg aufgehen kann und den Keim einer kräftigen Gegenbewegung in sich trägt.

In diesem Sinne verfolgen Analysten das Geschehen an den Terminmärkten für Rohöl, Heizöl und Erdgas. Hier hielten die Fonds zuletzt Netto-Baissepositionen, wie der jüngste, jeweils freitags erscheinende amtliche Bericht der amerikanischen Aufsichtsbehörde Commodity Futures Trading Commission (CFTC) offenbart hat. Beobachter vermuten, daß diese Netto-Baissepositionen seither weiter gestiegen sind.

.. daher besteht Aufwärtspotential

Somit besteht an diesen Märkten ein Auftriebspotential, denn die Fonds müssen ihre Engagements irgendwann durch Gegengeschäfte, also Käufe, glattstellen. Meist drehen sie in solchen Fällen ihre Positionen in Kaufengagements, so daß sich dieses Auftriebspotential verdoppeln kann.

Barclays Capital vermutet, daß sich das Fenster für die Baissiers nun schließen und daß dies eine Erholung entstehen lassen könnte. Jahreszeitliche Gründe stützen diese These, denn auf der nördlichen Halbkugel hat die Heizsaison begonnen. Dies läßt die Nachfrage nach Heizöl und nach Erdgas stark zunehmen. Die Heizölvorräte in Amerika sinken aber seit geraumer Zeit, obgleich sie jetzt noch steigen müßten, um während des Winters eine ausreichende Versorgung gewährleisten zu können.

Sie befinden sich nach Angaben des Energieministeriums in Washington zwar etwa auf dem gleichen Niveau wie vor zwölf Monaten, doch läuft der Raffineriebetrieb an der amerikanischen Golfküste wegen der Wirbelsturmschäden noch immer nicht mit voller Kapazität. Daher halten es Fachleute für schwer vorstellbar, daß der Bedarf an Heizöl in Amerika in den nächsten Monaten ohne große Importe gedeckt werden kann. Um die benötigten Mengen zu erlangen, müßten die amerikanischen Importeure wesentlich höhere Preise als die gegenwärtig herrschenden bieten.

Mehr Kaffee für die kalte Jahreszeit

An den Terminmärkten für Kaffee in London und in New York ist die monatelange Baisse seit Mitte September beendet. Kaffee folgt damit dem aus saisonalen Gründen vorgezeichneten Muster. Dahinter steht die Tatsache, daß der Winter die Zeit des höchsten Kaffeeverbrauchs auf der nördlichen Halbkugel ist. Die Röster bereiten sich durch verstärkte Käufe auf die wachsende Nachfrage vor.

Dies allein kann nach Ansicht von Analysten aber noch nicht Preissteigerungen wie die zuletzt beobachteten bewirken. Als weiterer, gewichtiger Grund wird angeführt, daß Wirbelstürme in Mittelamerika Schäden an den nun hereinkommenden neuen Ernten und an der Infrastruktur der Erzeugerländer angerichtet haben. Daher verringere sich das Angebot von dort nicht nur, sondern es verzögerten sich auch die Exporte.

Dies treffe mit einer geringeren Robusta-Ernte in Vietnam zusammen, die jetzt eingebracht werde, heißt es. Doch die Chancen für eine ausgedehnte Hausse am Kaffeemarkt gelten als gering, denn die kommende brasilianische Ernte verspricht sehr hoch auszufallen.

Quelle: F.A.Z., 11.11.2005, Nr. 263 / Seite 22
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