Rohstoffmärkte

Analysten für Rohstoffe optimistisch

24.11.2005
, 21:24
Wohin geht 2006 der Ölpreis?
Die Rohstoffmärkte zu prognostizieren ist kein leichtes Unterfangen. Zu viele Faktoren wirken auf die Preise ein. Das Gros der Experten ist aber der Ansicht: 2006 geht die Hausse weiter.

Auch für die Terminmärkte erscheinen in diesen Wochen die Ausblicke auf das neue Jahr. Ganz allgemein künden sie eine Fortsetzung der Hausse bei den Rohstoffen an. Die meisten Ausblicke setzen voraus, daß sich die Bedingungen für die Weltwirtschaft zwar nicht besser gestalten dürften als im auslaufenden Jahr, aber auch nicht wesentlich schlechter. Eine konjunkturell bedingt deutlich schwächere Nachfrage nach Industrierohstoffen wird daher weithin ausgeschlossen.

Bei der Betrachtung jener Rohstoffe, die wenig von der konjunkturellen Situation berührt werden, ergeben sich sehr unterschiedliche Perspektiven. Doch eine Feststellung zieht sich wie ein roter Faden durch viele Ausblicke: Die Preise für Agrarrohstoffe, Kaffee, Kakao und Zucker eingeschlossen, sind sowohl absolut als auch relativ niedrig. Daraus folgern Analysten, daß das Jahr 2006 an den einschlägigen Märkten im Zeichen einer Neubewertung stehen dürfte. Dabei wird die Möglichkeit von Mißernten wegen der an Schnelligkeit, geografischer Ausdehnung und Intensität zunehmenden klimatischen Veränderungen noch nicht einmal berücksichtigt.

Rohstoffmärkte schwer analysierbar

Bei allen Entwürfen für die Preisentwicklung an den einzelnen Märkten ist zu bedenken: Die Autoren der Ausblicke haben sich einer nicht lösbaren Aufgabe angenommen. Die Einflüsse, die auf die einzelnen Märkte wirken, sind so komplex, und sie bedingen sich meist wechselseitig so stark, daß selbst bei größten Anstrengungen nicht alles erfaßt werden kann, was die Preise letztlich entstehen läßt. Stichworte sind hier zum Beispiel der Ölpreis, die Zinsen, stets mögliche geopolitische Zwischenfälle und „Unfälle“ wie die jüngst bekanntgewordene chinesische Schieflage bei Kupfer.

Hinzu kommt, daß mit den Fonds eine Gruppe von Marktteilnehmern aktiv ist, die mit ihrem enormen Kapitaleinsatz die fundamentalen Bedingungen phasenweise außer Kraft setzen kann. Dies um so mehr, als der überwiegende Teil dieser Fonds nach mehr oder minder modifizierten Trendfolgemethoden vorgeht und fundamentale Gegebenheiten ignoriert oder gar nicht erst wahrnimmt.

Unsicherheit um den Ölpreis

Mit Anspruch auf hohe Treffsicherheit kann für 2006 nur vorausgesagt werden, daß die Energie-Terminmärkte wieder eine herausragende, wenn nicht sogar die entscheidende Rolle spielen werden. Welche Breitenwirkung das Preisgeschehen hier entfaltet, hängt davon ab, ob sich Energie weiter verteuert und letztlich stark dämpfend auf die Weltkonjunktur einwirkt.

Dämpfende Effekte sind bereits zu spüren. Manche sprechen mit Blick auf Benzin sogar von einer in Gang geratenen „Zerstörung der Nachfragebasis“. Andere widersprechen dieser These, weil sie Anzeichen dafür zu erkennen glauben, daß ein zweifelsfrei verzeichneter Rückgang des Bedarfs nur ein vorübergehendes Phänomen sei. Die größte Unbekannte im Rahmen des Energiekomplexes dürfte das Rohöl selbst bleiben, denn hier besteht ein beachtliches, stets präsentes Risiko, daß die Versorgung des Weltmarktes aus dem Mittleren Osten behindert wird. Je nach dem Grad und der Dauer einer möglichen Behinderung wären in einem solchen Fall Preissteigerungen zu befürchten, die die Substanz der Weltwirtschaft gefährden könnten.

Hausse bei Industriemetallen könnte zu Ende gehen

Bei den klassischen Industrierohstoffen, unter denen die Metalle herausragen, stellt sich für 2006 die Frage, in welchem Maße die Produktion aufholen kann, um Angebot und Nachfrage mindestens wieder ins Gleichgewicht zu bringen und darüber hinaus womöglich noch einen Wiederaufbau der zum Teil stark geschwundenen Vorräte zu bewirken.

Die zurückliegenden Preissteigerungen an den Metallmärkten hatten zwar in einigen Fällen keinen Bestand, doch geben die Erlöse den Produzenten nach dem Urteil von Fachleuten durchweg noch immer Anreize, ihre Gewinnung zu steigern. Aber auch ihre Kosten sind nicht zuletzt wegen der hohen Energiepreise, aber auch wegen erhöhter Investitionen gestiegen.

Auf der anderen Seite ist bereits seit Monaten ein rückläufiges Wachstum des Metallverbrauchs in den traditionellen Industrieländern zu verzeichnen. Dennoch erwarten viele Analysten für 2006 vor allem mit dem Hinweis auf ungebrochen zunehmenden chinesischen Bedarf tendenziell weiter anziehende Metallpreise.

Quelle: F.A.Z., 25.11.2005, Nr. 275 / Seite 22
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