Rohstoffmarkt

Bei Kupfer droht eine Korrektur

13.10.2005
, 15:55
Kupferkathoden - Rohstoff für die Produktion.
Anleger konnten in den vergangenen Jahren ihre Futures und Zertfikate mit Gold aufwiegen lassen. Denn in der Rohstoffhausse hat sich der Preis des Metalls stetig anch oben entwickelt. Doch die Angst vor einer Korrektur wächst.
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Viel Aufmerksamkeit wurde in den vergangenen Jahren der Preisentwicklung bei Kupfer zuteil. Wenngleich auch die Preise anderer Basismetalle wie etwa Zink oder Aluminium sich gut entwickelten, so zeigten sie sich doch in der Regel deutlich volatiler.

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Und auch die jüngsten Knicks in den Preisen schienen an Kupfer weitgehend spurlos vorüberzugehen. Derzeit markieren die Futures neue Allzeithochs und Lieferunterbrechungen durch Streiks in Nordamerika und Sambia sorgen für einen festen Markt.

Insgesamt wächst das Angebot

Doch während diese Argumente eher kurzfristig relevant sind, so sind auf lange Sicht die fundamentalen Marktbedingungen ausschlaggebend. Die auffallend geordnete Aufwärtsentwicklung des Preises in den vergangenen Jahren macht deutlich, daß es Kräfte am Markt gibt, die die Preisentwicklung unter Kontrolle zu halten bemüht sind. Diese dürften auch bemüht sein, die Entwicklung nicht abkühlen zu lassen.

Bild: Bloomberg

Gegen Marktentwicklungen ist dies aber nur bedingt wirksam. Folgt man den Angaben der International Copper Study Group (ICSG),so ist zwar die Produktion weltweit in der ersten Jahreshälfte um 4,5 Prozent gestiegen. Doch spiegelt dies, so Franz Wenzel, Stratege bei Axa Investment Managers, mehr die Produktionsschwäche der Vorjahresperiode wider. In Wahrheit sei das Produktionsergebnis um 5,5 Prozent gefallen. Denn wenngleich China seine Produktion im Jahresvergleich um 20 Prozent erhöht hat, hat der weltgrößte Kupferexporteur Chile diese deutlich verringert. Gleichwohl hat sich das Angebot vergrößert, so daß von der Angebotsseite tendenziell dämpfende Effekte ausgehen.

Umstrittene Lagerbestandsdaten

Daran ändert auch die Tatsache nichts, daß die Lagerbestände mittlerweile niedriger sind als Ende der achtziger Jahre. Doch die Lagerbestände sind als Indikator umstritten. Denn die täglich erscheinenden Angaben der beiden Kupferbörsen in London und in New York beziehen sich nur auf die als „sichtbar“ bezeichneten Bestände in den von ihnen lizenzierten Lagerhäusern.

Indes sind Verlagerungen in weniger sichtbare oder ganz unsichtbare, also statistisch nicht erfaßte Lagerstätten an der Tagesordnung, so daß die Zahlen als Indikator für die tatsächlichen Knappheitsverhältnisse mit Vorsicht zu genießen sind. Auf der anderen Seite ist eher unwahrscheinlich, daß eine so weitreichende Manipulation auf Dauer durchgehalten werden kann.

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Nachfrage der Industrieländer geht stark zurück

Auf der Nachfrageseite steht wie bei nahezu allen Rohstoffen das China-Argument. Das hat auch angesichts der Größe und der (zumindest offiziellen) Wachstumsdynamik des Reichs der Mitte durchaus seine Berechtigung. Glaubt man den Zahlen der ICSG, so ist die Weltnachfrage nach Kupfer in der ersten Hälfte des Jahres um 2,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken.

Dies geht vor allem auf einem geringeren Bedarf in den Vereinigten Staaten und der EU zurück, wo das Institut von einem Nachfrageschwund um zehn Prozent ausgeht. Auch in Japan sinkt die Nachfrage. Dagegen melden China, Indien and Rußland weiter ein starkes Wachstum von zwölf bis 16 Prozent. Nichtsdestotrotz sind die Importe aus Chile deutlich zurückgegangen.

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Die Märkte sind nervös

Insofern sind auch die jüngsten Preissteigerungen nicht unbedingt als Signal einer hohen Nachfrage zu sehen. Erstens wirken die Lieferunterbrechungen am Markt für den sofortigen Verbrauch derzeit preisstützend. Zweitens werden derzeit nur geringe Volumina gehandelt, die auf der Käuferseite nach Händleraussagen ausschließlich durch indexgebundene Fonds diktiert würden, wohingegen Abnehmer aus der Industrie bereits vor langer Zeit in den Hintergrund getreten seien. Unter diesen Bedingungen bleibt der Markt für eventuelle starke Verkäufe anfällig.

Auf den ersten Blick sind indes alle Warnungen bisher nicht von der tatsächlichen Entwicklung unterstützt worden. So hieß es am Montag, die Rückkehr der chinesischen Teilnehmer auf den Markt im Anschluß an die nach einwöchigen Nationalfeiertagsferien könnte die Stimmung drücken und frische Verkäufe bringen. Am Donnerstag wurde indes ein neuer Tiefststand der Lagerbestände an der Londoner Metallbörse bekannt gegeben und der Preis stieg gegen Mittag auf 3.927 Dollar.

Indes war der Preis im Vorfeld bereits auf 3.884 Dollar gefallen, nicht zuletzt weil Nachrichten aus Schanghai besagten, daß die Fonds im Begriff seien, von Kupfer in Aluminium zu wechseln. Die Furcht vor einer Korrektur ist groß und so wechseln Gewinnmitnahmen und spekulative Käufe rasch. „Es ist wie, wenn man an einem Gummi zieht“, sagt Nick Moore, Rohstoffanalyst der ABN Amro. „Das zeigt wie weit weg dies alles vom physischen Markt bereits ist.“ Händlern zufolge schmilzt die physische Nachfrage aufgrund der hohen Preise dahin.

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Der Gruppenzwang zum Kaufen

Doch die Marktteilnehmer stecken in einem Dilemma. „Obwohl viele der Meinung sind, daß die Preise einer langanhaltenden Korrektur bedürfen, will derzeit verständlicherweise niemand einen Rückzieher machen. Das Risiko, jetzt short zu gehen ist momentan einfach viel zu groß.“, faßt es Adam Rowley, Metallanalyst der australischen Macquarie Investment Bank, zusammen.

Das klingt alles sehr stark nach einer Spekulationsblase. Angesichts der bei Rohstofftermingeschäften üblichen äußerst hohen Volatilität, könnte diese - wenn sie dann stattfindet - sehr rasch und schmerzhaft vonstatten gehen. 1996 beispielsweise stürzte der Kupferpreis innerhalb von rund sechs Wochen rund 35 Prozent in die Tiefe. Unter diesen Umständen scheinen Gewinnmitnahmen ratsamer zu sein als zu versuchen, auch noch das letzte Quentchen aus der aktuellen Kupferpreisspekulation herausholen zu wollen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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