Rohstoffmarkt

Zuckerpreis dürfte langfristig weiter steigen

29.09.2005
, 14:39
Zuckerernte in Kuba: Derzeit gute Aussichten
Zucker ist eine unterschätzte Geldanlage. Denn im Zuge der Neuordnung des Zuckermarktes und eines höhen Ölpreises läuft auch der Preis des süßen Rohstoffs nach oben.

Wer von handelbaren Rohstoffen spricht, der denkt zumeist an Gold, an Kupfer, an Öl - vielleicht auch noch an Kaffee oder Weizen. Wesentlich seltener jedoch stehen andere Agrarprodukte im Fokus: Raps, Baumwolle - oder Zucker.

Damit tut man indes der Rendite von Investitionen in die süße Handelsware Unrecht. Denn der Zuckerpreis erlebt derzeit einen nicht zu verachtenden Höhenflug. In den vergangenen drei Jahren hat sich der Preis auf dem Weltmarkt annährend verdoppelt. Notierte der Preis für das Pfund im September 2003 noch bei rund 5,50 Cents, so notierte er am Mittwoch bei 11,25 Cents auf einem Fünf-Jahres-Hoch.Allein in den vergangenen zwölf Monaten kletterte der Preis um 26 Prozent.

Indien und China brauchen mehr Süßes

Wie immer bei agrarischen Rohstoffen spielen die Ernteerträge eine wichtige Rollen für den Preis. In den vergangenen Jahren haben zum Beispiel in Indien schlechte Ernten dafür gesorgt, daß der Importbedarf des weltgrößten Zuckerverbrauchers deutlich angestiegen ist. Daran soll sich auch in dieser Erntesaison nichts ändern.

Bild: F.A.Z.

Denn der Monsun war zwar im Durchschnitt akzeptabel, doch regional ungünstig verteilt, so ein Bericht der amerikanischen Regierung. Während in einigen Regionen ein Mangel an Niederschlägen während der Hauptwachstumszeit Schäden verursachte, sorgten in anderen Provinzen schwere Regenfälle für Wassereinschlußschäden an der Ernte. Daher wird erwartet, daß Indien auch im laufenden Zuckerjahr, das im September begonnen hat, wieder rund eine Million Tonnen Zucker wird importieren müssen.

Auch der Welt zweitgrößter Verbraucher China wird den Zuckerimport in diesem Jahr um 57 Prozent steigern, so das Beratungsunternehmen Beijing Orient Agribusiness Consultant, das dem Landwirtschaftsministerium des Landes nahesteht. China, das im Grunde seine Rübenzuckerproduktion vom Weltmarkt abschottet, kann seinen Bedarf nicht aus eigener Kraft decken.

Ölpreis treibt Zuckerpreis

Das resultiert unter anderem auch daher, daß die Regierung zunehmend auch auf den Einsatz von Äthanol als Kraftstoffzu- und -ersatz setzt, um sich den Folgen des hohen Ölpreises zu entziehen. Dieser Faktor ist keinesfalls zu unterschätzen. Er spielt auch beim Zuckerangebot eine Rolle. Denn Äthanol-Fahrzeuge sind in Brasilien, dem Land, das weltweit am meisten Zucker produziert, sehr weit verbreitet. Brasilien ist auch der bei weitem größte Hersteller von Äthanolkraftstoff. Im Mai diesen Jahres wurden dort erstmals mehr Hybrid-Fahrzeuge verkauft als Wagen mit herkömmlichen Benzinmotoren.

Schon heute wird etwa die Hälfte der Zuckerproduktion des Landes zu Äthanol verarbeitet. Sollte Brasilien mehr Äthanol aus Zuckerrohr herstellen, steht dieser notwendigerweise nicht mehr für den Weltmarkt zur Verfügung. Angesichts des Anstiegs der Zahl dieser, auch als „Flex Fuel Cars“ bezeichneten Hybrid-Fahrzeuge ist mit einem Verbrauch- und Produktionsanstieg zu rechnen. Auch in Amerika erfreuen sich Hybrid-Autos, die Äthanol als Treibstoffzusatz verwenden, zunehmender Beliebtheit.

Auch der Schweizer Zuckerhändler Grainière stellte jüngst fest, „daß man aus Zuckerrohr, vor allem im Zuckerland Brasilien, zurzeit viel lieber Äthanol ... als Zucker zum Export herstellt“. Das liegt vor allem daran, daß die Margen viel interessanter sind.

Zuckermarktreform beseitigt EU-Export

Eine für den Weltzuckermarkt sicherlich bedeutender Einschnitt stellt die große Zuckermarktreform der EU dar. Derzeit liegen die EU-Preise für Zucker dreimal so hoch wie am Weltmarkt. Die EU will die Preise für Zucker und Rüben daher von 2006/07 an in zwei Schritten deutlich senken, für Zucker um 39 Prozent auf 385,50 Euro pro Tonne. Diese Preise sollen bis 2014/15 gelten.

Dies hat gleich mehrere Folgen. Zum einen wird die Zuckerherstellung in Ländern wie Italien, Griechenland, Irland und Portugal unwirtschaftlich werden und vermutlich eingestellt. Desweiteren werden die Garantiepreise um fast 40 Prozent bis 2010 absinken und somit auch der Rübenzucker, dessen Produktionskosten weit über dem von Rohrzucker liegen, auf dem Weltmarkt an Bedeutung verlieren, auf dem er sich überhaupt nur wegen der massiven Exportsubventionen behaupten kann.

Gute Aussichten auf süße Renditen

Dagegen muß man aufrechnen, daß „die Entkopplung des Einkommens der Landwirte von der Produktion nicht gelungen ist“, wie es der Sachverständigenrat formuliert. Das wird dazu führen, daß die EU-Produzenten in einer Art Schlußverkaufsfieber nochmals so viel Zucker produzieren werden wie möglich und den Export 2006 noch einmal um eine Million Tonnen steigern könnten, bevor die Zuckerproduktion 2007 in der EU um bis zu fünf Millionen Tonnen fallen könnte, so Toby Cohen, Chefanalyst von Czarnikov im Juli gegenüber dem „Handelsblatt“. Damit würde die EU als Exporteur vom Weltmarkt verschwinden.

Es sieht also gut aus für Zucker - zumindest was die Geldanlage betrifft. 2006 dürfte zwar mit einer Verlangsamung des Preisanstiegs zu rechnen sein, weil der voraussichtliche Mehr-Import aus Indien und China von der voraussichtlichen Mehrproduktion der EU größtenteils kompensiert werden dürfte. Indes ist nicht mit einem Angebotsüberhang zu rechnen. Schon für den Herbst sagte Grainière eine Baisse voraus, die nicht eingetreten ist.

Wer auf Zucker setzen möchte, für den haben die ABN Amro und Goldman Sachs je ein Open-End-Zertifikat im Angebot (NL0000210938; DE000GS0CC24), auch in der Quanto-Variante (NL0000417145) oder auch mit Hebel in nicht weniger als zehn Long-Zertifikaten.

Dem deutschen Verbraucher kann es im übrigen völlig schnuppe sein, was auf dem Weltmarkt passiert. Er wird auf absehbare Zeit weiterhin die hohen Rübenzuckerpreise bezahlen. Vielleicht ist das ja letztlich besser für die Gesundheit.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot