Spezial Börsenzyklen

Auch Gold weist überraschend ein saisonales Preismuster auf

24.11.2005
, 12:21
Dank steigender Preise ist Gold wieder stärker ins Blickfeld der Investoren gerückt. Kaum Beachtung findet aber, daß der Goldpreises am Jahresende traditionell Stärke zeigt.

Es gibt bestimmte saisonal typische Kursverläufe, die hinlänglich bekannt sind. Dazu zählen die häufig beschworene Dax-Jahresendrally oder die unschwer nachvollziehbare Tatsache, daß Heizöl im Winter normalerweise teuer ist als im Sommer. Doch es gibt auch etliche jahreszeitlich bedingte Kursmuster, deren Existenz weitgehend unbekannt ist. Dazu gehören die saisonalen Schwankungen mancher Edelmetallpreise.

Es ist nicht unmittelbar einsichtig ist, warum derartige jahreszeitliche Schwankungen auftreten. Schließlich kann davon ausgegangen werden, daß sich das Wetter auf den Abbau der Metalle und besonders ihre Lagerung nicht in einem solchen Maß auswirkt, daß derartig ausgeprägte Kursmuster rechtfertigen würde..

Bedingt das Weihnachtsgeschäft das Kursmuster?

Der auf das Erkennen von Kursmustern und die Entwicklung daraus ableitbarer Handelssysteme spezialisierte Experte Dimitri Speck vermutet ein ganzes Bündel von Ursachen für die saisonalen Schwankungen - im Verbrauch und in der Verarbeitung des Metalls sowie im Handelsgebaren und in der Spekulation. Unter anderem geht Speck davon aus, daß das Weihnachtsgeschäft mit daran Schuld ist. Zu Weihnachten wird vermehrt Gold geschenkt. Auf die steigende Nachfrage müssen sich die Anbieter bereits vorab einstellen und vorproduzieren.

Zwar ist nicht eindeutig, ob das schon als Erklärung ausreicht. Unabhängig davon zeigt der Goldchart eindeutig, daß es bis zur ersten Oktoberhälfte einen saisonal typischen Anstieg gibt. Insgesamt ergab sich in den Jahren 1970 bis 2004 eine jährliche Performance des Goldes von 7,5 Prozent. Ein saisonal besonders auffälliges Muster ist dabei die deutliche Aufwärtsbewegung von fast fünf Prozent, die sich in den vergangenen 33 Jahren zwischen Mitte November und Mitte Januar eingestellt hat. Hinzu kommt ein erwähnenswerter kurzfristiger Anstieg Mitte Mai. Damit erweist sich, vom Jahresanfang abgesehen, die zweite Jahreshälfte insgesamt als die stärkere.

Gold neigt zu schubartigen Anstiegen

Speck kommt beim Deutungsversuch des Chartverlaufs zu folgenden Schlüssen: „Der Goldpreis weist ein nutzbares saisonales Verhalten auf. Dieses ist aber weniger stark ausgeprägt als entsprechende jahreszeitliche Verläufe in anderen Märkten. Der Markt steigt, saisonal gesehen, relativ kontinuierlich. Nennenswerte Einbrüche gibt es kaum. Ein Grund für diese Kontinuität dürfte sein, daß es große Goldlager gibt, die ein Vielfaches des Jahresverbrauchs ausmachen. Die Geldfunktion des Goldes verhindert so eine stärkere jahreszeitliche Ausprägung. Zu berücksichtigen ist ferner, daß der Goldpreis nicht frei ist, sondern beispielsweise durch Notenbankverkäufe beeinflußt wird.“

Außerdem weist der Experte darauf hin, daß wie bei jeder Saisonalität auch beim Gold Ausnahmejahre berücksichtigt werden müssen. Ferner ist die Jahreszeit nur einer von vielen Faktoren, die auf den Preis einwirken. So neigt Gold zu schubartigen Anstiegen. Ein solcher Anstieg kann sich durchaus auch zu saisonal uninteressanten Zeiten ereignen. Eine saisonal günstige Jahreszeit machte ihn allerdings wahrscheinlicher und vielleicht auch etwas ausgeprägter.

Trotz dieser Einschränkungen ist Speck aber davon überzeugt, daß sich neben Spekulanten, Händlern und Verarbeitern auch Edelmetall- oder Schmuckkäufer die bei Gold und anderen Metallen auftretenden Saisonalitäten bei ihren Kauf- und Verkaufsentscheidungen zunutze machen können.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @JüB
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