Spezial Börsenzyklen

Die typische Dollar-Schwäche am Jahresende könnte 2005 ausfallen

21.11.2005
, 12:30
In der Vergangenheit erlitt der Dollar am Jahresende sehr oft einen Schwächeanfall. Doch in diesem Jahr spricht vor allem ein steuerlicher Sonderfaktor dafür, daß sich dieses Kursmuster nicht einstellen wird.
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An den Finanzmärkten finden sich einige auffällige Kursbewegungen, die sich mit einer hohen Häufigkeit immer wieder nach einem ähnlichen Strickmuster zu wiederholen scheinen. Zu diesen Erscheinungen zählt die typischerweise am Jahresende im Verhältnis zum Dollar auftretende Euro-Stärke (siehe Grafik).

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Beim Blick auf den Euro-Dollar-Chart zeigt sich neben einem scharfen Anstieg im September jedenfalls ein auffälliges Verhalten um den Jahreswechsel herum. Zumindest war das in der Zeit vom 04. Januar 1971 bis 30. Januar 2004 so (vor der Einführung des Euro wurde die Kursentwicklung der D-Mark zum Dollar berücksichtigt). In dieser Zeitspanne kam es im Dezember immer wieder zu einem markanten Kursanstieg des Euro, bevor die Einheitswährung dann bis Ende Januar wieder zurückfiel.

Da die Notiz sonst im Jahresverlauf tendenziell seitwärts tendierte, kann von einer offenbar saisonal bedingten Sonderentwicklung gesprochen werden. Genährt wird diese Vermutung auch durch den Chartverlauf bei der Parität Yen-Dollar. Auch hier ist ein ähnlich saisonales Kursmuster zu beobachten.

Saisonale Kursmustern bei Währungen weit verbreitet

Das beschriebene Verhalten bestärkt den auf das Erkennen von Kursmustern und der Entwicklung daraus ableitbarer Handelssysteme spezialisierten Börsenexperten Dimitri Speck in seiner These, daß das jahreszeitliche Verhalten von Devisenkursen sehr ausgeprägt ist. Die Spätsommerrally des Euro stellte sich in 25 von 31 Jahren ein. Unter Berücksichtigung der sechs Verlustjahre ergab sich dabei zwischen dem 11. August und dem 17. Oktober ein durchschnittlicher Anstieg von 2,5 Prozent.

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Eine abschließende Begründung für das Auftreten der Spätsommer- und Jahresendrally hat bisher noch kein Experte gefunden. Sicher scheint nur, daß zum Jahreswechsel Geld aus dem Dollarraum abfließt, um dann anschließend nach Ultimo poatwendend wieder zurückzukehren. Möglicherweise spielen dabei, wie Speck spekuliert, Steuer- oder Bilanzstichtage eine Rolle. Ganz sicher ist aber auch er nicht, woran es liegt.

Eine steuerliche Besonderheit stärkt den Dollar noch bis Ende 2005

Keineswegs sicher ist auch, ob sich das typische Kursmuster auch in diesem Jahr wieder einstellen wird. Denn es gibt einen Sonderfaktor, der eine Wiederholung verhindern könnte, und zwar den American Jobs Creation Act. Dieses Gesetz ermöglicht es amerikanischen Unternehmen ausnahmsweise, noch bis Jahresende im Ausland erzielte Gewinne zu deutlich ermäßigten Steuersätzen nach Hause zu holen. Schätzungen veranschlagen die dabei verkauften ausländischen Währungen auf bis zu 90 Milliarden Dollar.

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Das ist eine Größenordnung, die sich stützend auf den Dollar auswirken muß. Möglicherweise wird deswegen in diesem Jahr die gegen Jahresende hin übliche Euro-Hausse ausfallen. Schließlich dürften in den kommenden Wochen noch Repatriierungen in Höhe von rund 20 Milliarden Dollar erfolgen. Bleibt die Dollar-Schwäche dieses Mal tatsächlich aus, wäre dies ein perfekter Beleg dafür, daß auch noch so ausgeprägt auftretende saisonale Kursmuster keinen Automatismus darstellen, der Gewinne garantiert.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @JüB
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