Strategie

Rohstoff-Anlagen: Entscheidend ist der richtige Index

08.12.2005
, 12:00
Der Rohstoffboom der vergangenen Monate hat das Interesse der Anleger geweckt. Kein Wunder: Die Aussichten für anhaltend hohe oder steigende Preise scheinen nicht schlecht zu sein. Bei Indexprodukten sollten die Anleger bewußt wählen.

Die Preisentwicklung bei Rohstoffen sorgte in den vergangenen Monaten für Furore, kam es doch in den verschiedenen Bereichen zu deutlichen Bewegungen nach oben. So kann es kaum verwundern, daß auch die Anleger auf diese Entwicklung aufmerksam geworden sind, nachdem Rohstoffe noch während des Internet- und Technologiehypes der neunziger Jahre „megaout“ gewesen waren.

Inzwischen hat sich ihre Einstellung aus verschiedenen Gründen geändert. Erstens wollen sie ihre Portfolios vielfach besser diversifizieren als in der Vergangenheit. Denn die Kursverluste der Baisse haben sie sensibler gemacht mit Blick auf mögliche Kursverluste bei Aktien. In diesem Zusammenhang können Rohstoffe einen Beitrag leisten, da sie sich preislich anders verhalten als andere Vermögenswerte.

Rohstoffindizes haben eindrucksvolle Aufwärtstrends etabliert

Das ist jedoch nicht alles. Insbesondere die Rohstoffindizes haben inzwischen einen eindrucksvollen Aufwärtstrend etabliert, der aufgrund seiner Konsistenz die Vermutung aufkommen läßt, er könnte noch länger anhalten. Diese Vermutung wir auch von fundamentalen Überlegungen gestützt. Denn auf der einen Seite ist in den vergangenen Jahren in die Suche, Erschließung und Förderung von Rohstoffen wegen der tiefen Preise nur wenig investiert worden. Das führt dazu, daß die Produktionskapazitäten nicht nur beschränkt sind, sondern daß auch die verwendete Technik vielfach nicht auf dem neuesten Stand ist. Das heißt, die Produktion kann auf die Schnelle nicht ausgeweitet werden.

Gleichzeitig hat jedoch die Nachfrage vor allem aufgrund des Wachstums in den Schwellenländern zugenommen. In den mittel-osteuropäischen Staaten, vor allem aber auch in bevölkerungsreichen Regionen wie China, Indien oder auch in Vietnam gibt es deutlichen Nachholbedarf im Infrastrukturbereich. Er läßt sich nur decken durch massive Investitionen, die wiederum die Nachfrage nach Rohstoffen anheizen. Auch aus diesem Grund dürften die Preise eher nach oben tendieren, denn nach unten.

Wollen die Anleger von dieser Entwicklung profitieren, so können sie grundsätzlich entweder Aktien und Anleihen von Unternehmen kaufen, die in diesem Bereich aktiv sind. Das ist allerdings nicht immer einfach, da sich das operative Risiko nur selten auf den ersten Blick erschließt. Sie können aber auch auf die Preisentwicklung der Produkte selbst setzen und sich beispielsweise Terminkontrakte ins Depot legen.

Die sind allerdings vom „Handling“ her gewöhnungsbedürftig und oft sehr schwankungsanfällig. Aus diesem Grund setzen Anleger vielfach auf breit streuende Rohstoff-Fonds oder auf die immer mehr aufkommenden Zertifikate. Gerade Indexfonds und Zertifikate können deswegen interessant sein, weil sie einerseits diversifiziert sind und andererseits relativ kostengünstig im Vergleich mit teuren, aktiv verwalteten Fonds.

Bei Zertifikaten und Indexfonds ist die Wahl des richtigen Index wichtig

Allerdings empfiehlt sich bei den Zertifikaten immer ein genauer Blick auf die impliziten Kosten. Wichtig ist auch zu wissen, auf welchen Rohstoffindex sie sich beziehen. Denn die unterscheiden sich in ihrer Zusammensetzung zum Teil deutlich. Der Klassiker ist der CRB-Index. Er wird schon seit dem Jahr 1956 berechnet und beinhaltet 19 Rohstoffe, die unabhängig von ihrer wirtschaftlichen Bedeutung mit je 5,9 Prozent gleich gewichtet sind. Der GSCI-Excess-Return-Index wurde im Jahr 1991 von Goldman Sachs entwickelt. Er bildet die Preisentwicklung der 25 liquidesten Rohstoffe ab. Im Moment ist der Index mit einem Gewicht von rund zwei Dritteln stark energielastig. Die dritte Variante ist der Dow-Jones-AIG Commodity Index. Er setzt sich aus 20 Rohstoffen zusammen und wird nach Liquidität und Handelsaktivität gewichtet.

Jim Rogers, dem ehemaligen Partner des bekannten Spekulanten George Soros, schienen sie nicht geeignet zu sein, um die Entwicklung im Rohstoffbereich wiederzugeben. Aus diesem Grund entwickelte er den Rogers International Commodity Index (RICI). Er ist die Summe verschiedener Unterindizes, die die Preisentwicklung eines breiten Korbes von 35 verschiedenen Rohstoffen einfängt. Dieser Index legte in den vergangenen Monaten die beste Wertentwicklung an den Tag.

In jüngster Zeit machte die Deutsche Bank den zuvor Institutionellen vorbehaltenen Deutsche Bank Liquid Commodity Index (DBLCI) auch privaten Investoren zugänglich. Er bildet die Preisentwicklung von sechs Rohstoffen ab: Rohöl (WTI), Heizöl, Aluminium, Gold, Weizen und Mais. Aus der Basiskonstellation hat die Deutsche Bank vier handelbare Indizes entwickelt, darunter den DBLCI Mean Reversion. Bei diesem Index werden Rohstoffe, deren Preise exorbitant gestiegen sind und von denen man eine Rückkehr in Richtung ihrer Mittelwerte erwartet, niedriger gewichtet. Das soll zu einem prozyklischen Verhalten führen und hat zumindest in einer „Rückrechnung“ anhand historischer Daten die anderen Indizes geschlagen.

Insgesamt muß der Anleger wissen, welche Indizes wie gewichtet sind. Gleichzeitig sollte er sich ein Bild darüber gemacht haben, in welchem Bereich er größere Bewegungen erwartet. Erst dann kann er entscheiden, welchen Fonds oder welches Zertifikat er erwirbt. Setzt er stark auf die Energie, wird er kaum am Index von Goldman Sachs vorbeikommen. Möchte er sich an einem breiten, stark weltwirtschaftlich ausgerichteten Index orientieren, wird der RICI interessant. Will der dagegen langfristig investieren und setzt dabei auf ein prozyklisches Verhalten, so ist der DBLCI interessant.

Die Deutsche Bank bietet mit der ISIN DE000DB6DHV auch ein entsprechendes Zertifikat an. Das hat zwar in den vergangenen Wochen unter einer gewissen Korrekturbewegung im Rohstoffsektor gelitten. Die langfristige Perspektive dürfte dagegen positiver sein. Es gibt auch eine Reihe anderer Zertifikate, allerdings können sie nicht immer überzeugen. In diesem Sinne könnte ein reiner Indexfonds - zum Beispiel der „EasyETFGSCI“ mit der ISIN LU0203243414 - interessanter sein.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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